Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.08.2012

03:32 Uhr

Krach um Assange

Ecuador holt sich Unterstützung in Amerika

Die Causa Assange hat Diplomaten weltweit aufgeschreckt. Ecuador holt Hilfe bei den Amerikanischen Staaten und der Union der Südamerikanischen Nationen. Die USA wollen sich erstmal zurückhalten.

Während WikiLeaks-Gründer Julian Assange auf die Unterstützung von Aktivisten zählen kann, sucht Ecuador Hilfe bei der Union Südamerikanischer Nationen. AFP

Während WikiLeaks-Gründer Julian Assange auf die Unterstützung von Aktivisten zählen kann, sucht Ecuador Hilfe bei der Union Südamerikanischer Nationen.

Washington/BrasiliaDer diplomatische Konflikt zwischen Großbritannien und Ecuador um Wikileaks-Gründer Julian Assange soll nach den Plänen Quitos eine größere internationale Dimension erhalten. Die ecuadorianische Führung beantragte eine Sondersitzung der Außenminister der Organisation Amerikanische Staaten (OAS), die sich mit dem Fall befassen soll.

Am Sitz der OAS in Washington verlautete am Donnerstagabend, dass darüber erst am Freitag entschieden werden solle.

Ecuador hat zudem die Union Südamerikanischer Nationen (Unasur) eingeschaltet. Wie die Nachrichtenagentur AFP aus diplomatischen Kreisen in Brasilien erfuhr, beraumte Ecuador für Sonntag ein Treffen der Unasur-Außenminister in der Hafenstadt Guayaquil an. Dabei solle „der Fall analysiert“ werden, hieß es.

Wikileaks-Gründer: Assange will Asyl notfalls vor Gericht erkämpfen

Wikileaks-Gründer

Assange will Asyl notfalls vor Gericht erkämpfen

Ecuador legt sich mit Großbritannien an und gewährt dem Wikileaks-Gründer Asyl.

Ecuador hatte zuvor beschlossen, dem vor acht Wochen in seine Londoner Botschaft geflüchteten Australier Asyl zu gewähren. Assange solle damit vor Verfolgungsrisiken vor allem in den USA geschützt werden, sagte Ecuadors Außenminister Ricardo Patiño in der Hauptstadt Quito. Großbritannien will Assange jedoch kein freies Geleit gewähren, erklärte Außenminister William Hague in London.

Die Briten drohten am Donnerstagmorgen sogar, sie könnten auf der Grundlage eines Gesetzes von 1987 auch in die Botschaft Ecuadors eindringen und Assange dort festnehmen. Am Nachmittag ruderte das Außenministerium dann aber zurück. Dennoch berief der ecuadorianische Parlamentspräsident Fernando Cordero den Kongress zu einer Sondersitzung für Donnerstagabend ein.

In Quito versammelten sich am Donnerstagnachmittag rund 50 Demonstranten vor der britischen Botschaft, um gegen die Regierung Großbritanniens zu protestieren. Polizisten riegelten das Botschaftsgebäude ab, um es vor den Demonstranten zu schützen, berichtete die Zeitung „El Comercio“

Der Gründer der Internet-Enthüllungsplattform, gegen den aus Schweden ein EU-weiter Haftbefehl wegen Sexualdelikten vorliegt, sollte nach Skandinavien ausgeliefert werden. Assange bestreitet die Vorwürfe der sexuellen Belästigung und Vergewaltigung und vermutet ein Komplott.

Der Australier befürchtet vielmehr, er könne von Schweden in die USA abgeschoben werden, wo ihm lebenslange Haft wegen Geheimnisverrats drohen könnte.

Die USA jedoch haben verlauten lassen, dass sie sich vorerst nicht einmischen wollen. „Das ist eine Angelegenheit zwischen den Ecuadorianern, den Briten und den Schweden", sagte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Victoria Nuland, am Donnerstag auf einer Pressekonferenz.

Die von Assange maßgeblich betriebene Plattform Wikileaks hatte unzählige vertrauliche diplomatische Depeschen aus den USA veröffentlicht, die Einblicke in die US-Außenpolitik und in den Umgang mit den Kriegen im Irak und in Afghanistan gewähren. Die Quelle der Informationen, der US-Soldat Bradley Mannings, sitzt in den USA nach Angaben von Assange seit 800 Tagen in Militärhaft.

Assange hatte in Großbritannien in einem anderthalbjährigen Prozessmarathon versucht, die Auslieferung gerichtlich zu verhindern. Nach erfolglosem Ausschöpfen des gesamten Instanzenweges hatte er sich in die ecuadorianische Botschaft geflüchtet.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

17.08.2012, 04:13 Uhr

Man verkauft uns Staufenberg als Held.....
Aber Mr Manning sitz im knast.... und unter unwürdigen zuständen... nackt, schlafentzug etc...

Mit ihren eigenen "abweichlern" im Militär habn sies nicht so... unsere Freunde,

Sinneswandel

17.08.2012, 06:10 Uhr

Nehmen wir an, die Vergewaltigungsvorwürfe sind echt.

Dann wäre das ein historischer Moment, da bisher noch nie so ein Aufwand deswegen gemacht wurde. Beispiellos probiert die britische Regierung Recht walten zu lassen, ja will dafür sogar eine Botschaft stürmen und diplomatische Beziehungen verstören. Welch Sinneswandel angesichts der Tatsache, dass man in der Regel mit viel weniger Enthusiasmus bei Vergewaltigungen vorgeht.

champus

17.08.2012, 14:52 Uhr

Ein wichtiges Video zu den Vorwuerfen aus dem Jahr 2010.

http://www.spiegel.de/video/vergewaltigung-oder-komplott-die-vorwuerfe-gegen-den-wikileaks-chef-video-1097671.html

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×