Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.04.2014

01:54 Uhr

Krankenversicherung

Millionen Amerikaner melden sich für Obamacare an

Zum Ende der Anmeldefrist liefen in den Obamacare-Callcentern die Drähte heiß: Hunderttausende wollten sich noch die neue US-Krankenversicherung sichern. Nun kann US-Präsident Obama einen Erfolg melden.

Schlange stehen für die Anmeldung: Mehr als sieben Millionen US-Bürger nutzten das Obamacare-Gesetz, ehe die Frist ablief. Reuters

Schlange stehen für die Anmeldung: Mehr als sieben Millionen US-Bürger nutzten das Obamacare-Gesetz, ehe die Frist ablief.

WashingtonTrotz aller technischen Probleme haben bis zum Ende der Anmeldefrist für die neue Krankenversicherung 7,1 Millionen Amerikaner Policen abgeschlossen. Das sagte US-Präsident Barack Obama am Dienstag im Rosengarten des Weißen Hauses.

Das Gesetz habe das Gesundheitssystem um einiges besser gemacht. Es gebe keinen Grund, es zurückzuziehen, sagte er in Anspielung auf entsprechende Forderungen der Republikaner. Am Montag war die sechsmonatige Anmeldefrist um Mitternacht (Ortszeit) ausgelaufen. Ziel war es, dass bis dahin mindestens sechs Millionen Policen abgeschlossen sein sollten.

Kernpunkte von Obamas Gesundheitsreform

Unversicherte in die Krankenversicherung holen

Rund 32 Millionen Menschen, die bisher unversichert waren, sollen eine Krankenversicherung erhalten. Am Ende sollen 95 Prozent der rund 310 Millionen Amerikaner versichert sein. Vor der Reform waren es 83 Prozent.

Grundversorgung

Eine Grundversicherung soll für die allermeisten Amerikaner zur Pflicht werden. Wer sich eine leisten kann, aber keine will, muss von 2014 an mit Geldstrafen rechnen. Firmen wird zwar nicht direkt vorgeschrieben, Mitarbeiter zu versichern. Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten werden aber zur Kasse gebeten, wenn Mitarbeiter staatliche Zuschüsse für ihre Versicherung kassieren.

Keine gesetzlichen Kassen

Eine staatliche Krankenkasse, wie sie linke Demokraten gefordert hatten, ist nicht vorgesehen. Stattdessen sollen die Bundesstaaten ab 2014 sogenannte „Gesundheitsbörsen“ einrichten, an der Amerikaner Policen vergleichen und kaufen können.

Keine Aufnahmeverweigerung

Versicherungen dürfen Amerikaner mit existierenden Erkrankungen nicht mehr abweisen. Sie dürfen keine Aufschläge mehr wegen des Geschlechts oder des Gesundheitszustandes von Versicherten verlangen. Bestehende Policen können auch nicht einfach widerrufen werden, wenn ein Versicherter erkrankt oder behindert wird.

Keine Bundesmittel für Abtreibungen

Abtreibungen sollen nicht durch Zuschüsse aus Bundesmitteln mitfinanziert werden, solange nicht das Leben der Mutter in Gefahr ist oder Inzest oder eine Vergewaltigung Ursache der Schwangerschaft ist. Die einzelnen Bundesstaaten können selber entscheiden, ob sie Frauen die Möglichkeit geben, Kosten für Schwangerschaftsabbrüche durch Zusatzversicherungen zu decken.

Selbst überlastete Telefonleitungen und Störungen im Internet hatten den Ansturm Hunderttausender Menschen nicht aufhalten können. Dazu hatte die Regierung die Website „HealthCare.gov“ eingerichtet, die aber immer wieder mit technischen Problemen zu kämpfen hatte. Auch am Montag war die Internetseite für mehrere Stunden nicht erreichbar gewesen.

Großer Ansturm kurz vor Anmeldeschluss für Obamacare

Am letzten Tag für einen Versicherungsabschluss verzeichnete das Onlineportal nach Angaben des Weißen Hauses mehr als drei Millionen Zugriffe. Bei den Callcentern seien noch einmal mehr als eine Million Anrufe von Menschen eingegangen, die sich auf den letzten Drücker eine Police sichern wollten.

Die Anmeldungen sind Teil der Gesundheitsreform von Obama, mit der er Millionen unversicherten Amerikanern zu erschwinglichen Krankenversicherungen verhelfen will. Obamas Gegner lehnen das als „Obamacare“ bekannte Programm unter anderem deshalb ab, weil es nicht freiwillig ist und Verweigerer eine Strafe an die US-Steuerbehörde zahlen müssen. Die Republikaner sehen das als Einmischung in die persönliche Lebenssphäre an und haben mehrfach versucht, das Gesetz zu kippen.

Bis 2016 rechnet das Haushaltsbüro im Kongress damit, dass zusätzliche 25 Millionen Menschen versichert sein werden. Damit wären zu diesem Zeitpunkt 91 Prozent aller US-Bürger und Personen mit Aufenthaltsberechtigung versichert.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×