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05.05.2014

14:35 Uhr

Krawalle

In der Ostukraine regiert der Mob

Der Konflikt zwischen prorussischen Kräften und Anhängern der prowestlichen Regierung der Ukraine schlägt immer mehr in zügellose Gewalt um. Dabei ist oft nicht klar, welche Gruppen aufeinander losgehen.

Bestürzende Bilder aus Donezk

Wütender Mob verschleppt Polizisten

Bestürzende Bilder aus Donezk: Wütender Mob verschleppt Polizisten

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DonezkSein Fehler war es, wegzurennen vor dem herannahenden Mob aus Männern und Frauen mit Schlagstöcken, Messern und Säbeln im Donezker Lenin-Bezirk. Sie holten ihn ein. Geschlagen und blutüberströmt wurde der Mann von prorussischen Milizen vor seinen Peinigern gerettet. Die Milizionäre zogen ihn aus der Menschenmenge und verfrachteten ihn auf die Rückbank eines Autos, das mit rasanter Geschwindigkeit davonfuhr - in eine ungewisse Zukunft.

Keiner weiß, was der Mann getan hat, gehalten wurde er aber offenbar für einen „Provokateur“ - ein Begriff, der im Osten der Ukraine dieser Tage immer wieder für einen Anhänger der von den Separatisten als faschistisch bezeichneten Führung in Kiew gebraucht wird.

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Szenen wie diese lassen sich derzeit im Osten der Ukraine häufig beobachten. Sie zeigen, wie der Konflikt zwischen prorussischen Kräften und Anhängern der prowestlichen Regierung des Landes immer mehr in zügellose Gewalt umschlägt. Oft ist unklar, wo die Fronten verlaufen und wer auf wen einprügelt. Längst hat sich Angst vor einem Bürgerkrieg breitgemacht. Die ukrainische Regierung macht die Führung in Moskau für die Eskalation verantwortlich, was diese jedoch entschieden zurückweist.

Öl ins Feuer gegossen wurde am Freitag mit den Straßenkämpfen in der Schwarzmeer-Metropole Odessa. Ein Gewerkschaftsgebäude geriet in Brand und mehr als 40 prorussische Separatisten darin kamen ums Leben.

„Wir werden Odessa nicht vergessen!“, skandierte eine Menge aufgebrachter Demonstranten auch in Donezk. Am Samstag demolierten Hunderte Menschen dort das Gebäude der Staatssicherheit und plünderten danach das Büro des Gouverneurs Serhij Taruta, einem Stahlmagnaten, der sich klar hinter die Regierung in Kiew gestellt hat. Aus dem Gebäude trugen die Demonstranten Stühle, Kästen voller Wodka und Ikonen. Frauen mittleren Alters jubelten jungen Männer mit Sturmhauben zu - den neuen Mächtigen in dem Industrie-Zentrum. „Das war für gestern! Sie sind Monster, schlimmer als Monster“, sagte Tatjana Kamniwa, die sich gemeinsam mit ihrer Tochter auf die Seite der prorussischen Milizen geschlagen hat. „Das ist erst der Anfang.“
Am Sonntag gingen die Proteste weiter: Ziel in Donezk war zunächst das Büro des Militär-Staatsanwalts, bevor die Menge zum Stadtratsgebäude im Lenin-Bezirk weiterzog. Maskierte Männer in Tarnkleidung unternahmen Versuche, die Menge zu beruhigen. Schließlich wurden die Demonstranten von Milizionären zurückgehalten, die mit Schilden und Schlagstöcken den Zugang zu dem Haus blockierten. Das Gebäude gehöre dem Volk und dürfe deswegen nicht abgebrannt werden, sagte ein Mann durch ein Megafon. „Macht Euch keine Sorgen, wir ziehen nach Westen weiter und nehmen Kiew ein!“

Von

rtr

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

05.05.2014, 15:57 Uhr

Der Mob regierte auf dem Maidan, und in der jetzigen Ukraine-Regierung - unterstützt mit 5Mrd.Dollar aus den USA.
In den Provinzen versuchen die Bürger zu regieren.

Account gelöscht!

05.05.2014, 18:07 Uhr

Wenn Bürger nicht das tun, was von ihnen gewissenlose und korrupte Politiker verlangen, sind sie Mob. Dann haben sie sich, natürlich widerstandslos, von Panzern und Hubschraubern gefälligst abschlachten zu lassen. Wer sich dann doch noch wehrt ist Terrorist und nach gutem alten Brauch "vogelfrei".

Account gelöscht!

06.05.2014, 09:39 Uhr

Genauso ist es.

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