Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.09.2014

12:20 Uhr

Krawalle in Hongkong

China warnt den Westen

Zuerst waren es Studenten, dann gingen immer mehr Menschen in Hongkong auf die Straße. Sie fordern mehr Demokratie. Die Regierung schlägt zurück mit Knüppeln und Tränengas. An der Börse reagieren Investoren verunsichert.

Proteste weiten sich aus

China warnt Ausland vor Einmischung in Hongkong

Proteste weiten sich aus: China warnt Ausland vor Einmischung in Hongkong

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

HongkongNach den Protesten in Hongkong warnt China ausländische Regierungen vor einer Einmischung. Das Außenministerium in Peking erklärte am Montag, die Volksrepublik stelle sich gegen jeden Versuch von außen, „illegale Bewegungen“ wie Occupy Central zu unterstützen. Die Gruppe von Demokratiebefürwortern hatte zur Besetzung des Hongkonger Finanzbezirks aufgerufen. Am Wochenende hatte die Polizei dort Pfefferspray, Tränengas und Gummiknüppel eingesetzt, um Tausende von Demonstranten auseinanderzutreiben.

Die Protestierenden lehnen sich gegen einen Beschluss der kommunistischen Führung Chinas auf, bei der Wahl des Chefs der Sonderverwaltungszone 2017 nur vorab ausgewählte Kandidaten zuzulassen. Damit ist eine Kandidatur von Regierungskritikern faktisch unmöglich.

Getragen wurden die Proteste für freie Wahlen zunächst überwiegend von Aktivisten im Studentenalter. Doch die Bewegung gewann rasch an Rückhalt. Zuletzt schloss sich den Studenten auch die unabhängig agierende Aktivistengruppe Occupy Central an. Am Montag rief die Organisation den unbeliebten Chefadministrator von Hongkong, Leung Chun Ying, zum Rücktritt auf. Sein Schweigen zu den Forderungen der Bürger habe die Stadt in eine Krise und in Unordnung gestürzt. Der Protest sei eine „spontane Bewegung“ aller Menschen in Hongkong.

Hongkong – eine geteilte Stadt

Warum ist die Stadt so gespalten?

Der öffentliche Aufruhr in der chinesischen Sonderverwaltungszone nimmt seit Jahren stetig zu. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander, wofür unter anderem der Ressourcen-Wettstreit mit dem Festland sowie die horrenden Lebenshaltungskosten und Mieten in Hongkong verantwortlich sind. Die aktuelle Krise geht aber vor allem auf Pekings politische Einmischung in die Belange der Metropolregion zurück – und auf die Weigerung, wirklich freie und demokratische Wahlen zu ermöglichen.

Wo verlaufen die Gräben?

Der amtierende Verwaltungschef Leung Chun Ying und seine Vorgänger wurden von einem Komitee ausgewählt, das der direkten Kontrolle der KP untersteht. Zwar hat Peking der Bevölkerung Hongkongs zugesichert, dass diese ihr neues Stadtoberhaupt 2017 erstmals direkt wählen können. Antreten dürfen sollen aber nur zwei bis drei politisch genehme Kandidaten, die das umstrittene Komitee vorab auswählt. Bürgerrechtler begehren gegen diese "Scheindemokratie" auf, weil sie Bewerber disqualifiziere, die nicht unter Kontrolle der KP stünden.

Wer steht hinter der Demokratiebewegung?

Getrieben wird der Volksaufstand von Abgeordneten, Akademikern, Studenten und gewöhnlichen Bürgern. Besonders aktiv ist die junge Generation: Studenten und Schüler sind die zentrale Triebfeder der Massenproteste und ungleich engagierter als ihre Elterngeneration. Am Sonntag schloss sich das von zwei Akademikern und einem Pastor angeführte Protestbündnis Occupy Central with Love and Peace dem seit einer Woche laufenden Studentenstreik an. Das wiederum motivierte zehntausende Sympathisanten, auf die Straße zu gehen.

Unterstützt jeder in Hongkong Occupy?

Mitnichten. Im August organisierte beispielsweise ein Netzwerk Peking-treuer Kräfte einen Protestmarsch gegen Occupy durch Hongkong, dem sich Zehntausende anschlossen. Das Ausmaß der Gegenbewegung weist aber auf tatsächliche Gräben im Volk hin, das keineswegs geschlossen hinter dem Konfrontationskurs mit Peking steht. Gerade in der Geschäftswelt werden weniger politische Durchgriffsrechte der Zentralregierung auch mit weniger Stabilität gleichgesetzt. Einige Unternehmen schalteten gar Anzeigen in der Lokalpresse, in denen sie vor den Folgen eines Umsturzversuchs warnten, der Hongkongs Status als internationales Handelszentrum gefährden könne.

Was geschieht als nächstes?

Experten halten es für relativ unwahrscheinlich, dass Peking nachgibt. Viel hängt deshalb davon ab, wie viel Durchhaltevermögen Occupy und die Demonstranten haben. Zwar hat es derartige Unruhen in Hongkong seit Jahrzehnten nicht gegeben, und entsprechend unbedarft verhalten sich viele Menschen. Doch das gewaltsame Vorgehen der Polizei hat ihren Widerstandsgeist gestärkt. Die Bereitschaftspolizei wurde als Zeichen des Entgegenkommens bereits abgezogen. Allerdings halten sich hartnäckig Gerüchte, dass Peking die Volksarmee ausrücken lassen könnte, falls die Lage weiter eskaliert.

Mit der Besetzung weiterer Gebiete der Finanzmetropole verliehen die Demonstranten ihrer Forderung nach freien Wahlen Nachdruck. Auf dem Hafen der dicht besiedelten Gegend Mong Kok auf der Halbinsel Kowloon breiteten sie sich ebenso aus wie im Luxusviertel Causeway Bay. Der öffentliche Nahverkehr kam teils zum Erliegen.

„Aus Occupy Central ist Occupy Hongkong geworden“, sagten Aktivisten unter Hinweis auf den Aufruf zur Besetzung des Finanzdistrikts. Die Organisatoren schätzten die Zahl der Teilnehmer auf 100 000.

Mehr als 200 Busse mussten den Betrieb umgeleitet oder den Betrieb ganz umstellen. Die Ausgänge von U-Bahnen nahe Protestlagern wurden geschlossen. Auch einige Schulen blieben zu.

Proteste in der Finanzmetropole

Dramatische Bilder aus Hongkong

Proteste in der Finanzmetropole: Dramatische Bilder aus Hongkong

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Chefadministrator Leung Chun-ying rief zu Ruhe und Ordnung auf. Die Leute sollten nach Hause gehen, das Gesetz befolgen und keinen Ärger machen. „Wir wollen kein chaotisches Hongkong“, hieß es in einer Erklärung. Zugleich bezeichnete er hartnäckige Gerüchte über ein mögliches Eingreifen der chinesischen Armee als unwahr. Der Polizei wolle die soziale Ordnung herstellen, einen reibungslosen Verkehr sowie öffentliche Sicherheit gewährleisten. Ihre Pflichten erfüllten die Beamten mit „maximaler Besonnenheit“.

Noch am Sonntagabend regierte jedoch in der oft als beschaulich beschriebenen Finanzmetropole Chaos und Gewalt. Polizisten sprühten Pfefferspray auf eine protestierende Menschenmenge. Demonstranten flohen in Panik, doch kehrten viele von ihnen später zur Kundgebung zurück.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Günther Schemutat

29.09.2014, 13:19 Uhr

Honkong ist ein Problem der Engländer und nicht unser. Aber wie ich GRüne,SPD,Linke,Union kenne, werden sie wieder vorpreschen und die Drecksarbeit für die Engländer machen. Schliesslich verfügen wir über eine Schlagkräftige Armee und stehen nicht nur gegen Russland sondern bestimmt auch bald gegen China als gewaltige MIttelmacht unseren Mann . Russland,Ukraine,Syrien,Irak,China etc ,der Westen versteht was von Diplomatie und Kriege. IMmer vorran Deutsche POlitiker
die die Großen als Wadenbeisser vorschicken.

Frau Heike Schneider

29.09.2014, 13:28 Uhr

Die Investoren dürfen zu Recht besorgt reagieren. Wir haben aus diesen Ländern zum Teil Importe von 75 % Ramsch. Am Hamburger Hafen werden Weren vernichtet. sie sorgen für die Vermüllung in Europa. Und wir werden über die Europäischen Medien hier darüber aufgeklärt. Sie müssen es schon dem Verbraucher überlassen wofür wir unser Geld ausgeben. Und da ein Pornofilm wo Frauen einem Hundenapf fressen müssen keinen Erketnnisnisgewinn bringen suchen sie sich die Dummen bitte nicht mehr in Deutschland.
wir könne nichts dafür wenn die Briten, die Franzosen und die Amerikaner ihre Einsätze während des 2. Weltkrieges falsch verarbeitet haben. [...]
Sie haben ein Luxusproblem, ein krankhaftes Geltungsbedürfnis und mit sozialer Marktwirtschaft hat es eh nichts zu tun. [...] Und den angeblich armen Familien hier in Deutschland, die uns in diese defizitäre Lage gebracht haben. Ich sah gestern einen Bericht über Peru. Da paddeln die Kinder 2 Stunden um zur Schule zu kommen. Und ihr maßt euch an immer mehr zu fordern. Und denkt Zucker sei ein Grundnahrungsmittel. Künstlich hochgezüchtet Ansprüche. Das Kindergeld macht Euch krank!

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Eckbert Reinhardt

29.09.2014, 13:53 Uhr

Die Sorge Chinas kann man verstehen. Nachdem ein berechtigter Bürgerprotest gegen Oligarchen-Regierungen in der Ukraine das Land in den Bürgerkrieg stürzte, weiß man heute das jahrelange Vorbereitungen und Millarden von Dollars in NGO´s gepumpt die Voraussetzung für diesen Bürgerkrieg geliefert haben - es ging in der Ukraine nur vorgeblich um die Interessen der Ukrainer, das heute die gleichen Oligarchen mit gleicher Miswirtschaft dort regieren, jetzt sogar mit offen faschistischen Politikern zeigt: Wenn der "Westen" sich ähnlich "erfolgreich" in Hong Kong einmischen sollte, wird das die Lage der Menschen kein Stück verbessern und Friede schafft man so auch nicht. - Wenn der "Westen" demokratische Bewegungen in Saudi Arabien, in Ägypten, in Khatar anfangen sollte zu unterstützen, dann würde ich ihm echtes Interesse an den Bürgerrechten in der Ukraine oder Hong Kong abnehmen - der Punkt ist noch lange nicht gekommen ...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×