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20.01.2010

16:49 Uhr

Kreditvergabe-Stopp

Überhitzung droht – China zieht die Notbremse

Aus Furcht vor einer Überhitzung der Wirtschaft tritt China bei der Kreditvergabe auf die Bremse. Nach einem kräftigen Anstieg des Geldverleihs zu Jahresbeginn wiesen die Behörden die großen Banken an, im Januar keine Kredite mehr zu vergeben, wie die staatlichen Medien am Mittwoch meldeten.

Börsianer fassten das Bremsmanöver bei der Kreditvergabe als einen weiteren Hinweis auf eine Straffung der Geldpolitik auf. dpa

Börsianer fassten das Bremsmanöver bei der Kreditvergabe als einen weiteren Hinweis auf eine Straffung der Geldpolitik auf.

HB SHANGHAI/PEKING. Spitzenmanager der China Merchants Bank und der Agricultural Bank of China bestätigten der Nachrichtenagentur Reuters, dass sie bis Ende des Monats die Vergabe neuer Kredite stoppen werden. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt will damit offenbar das Wachstumstempo drosseln, das nach der globalen Krise wieder kräftig Fahrt aufgenommen hat.

Der Deutschland-Chefvolkswirt von Unicredit, Andreas Rees, sieht das Reich der Mitte vor einer schwierigen Gratwanderung: „Man muss Dampf aus dem Kessel ablassen, darf aber die Konjunktur auch nicht abwürgen - diese Aufgabe ist alles andere als einfach.“ Er rechnet für die am Donnerstag anstehenden Wachstumsdaten für das vierte Quartal 2009 damit, dass die Wirtschaftsleistung dank der lockeren Geldpolitik und riesiger Konjunkturpakete um fast elf Prozent zugelegt hat. Die Regierung in Peking peilt für das Gesamtjahr jedoch nur ein Plus von acht Prozent beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) an.

Börsianer fassten das Bremsmanöver bei der Kreditvergabe als einen weiteren Hinweis auf eine Straffung der Geldpolitik auf, so dass einige Bankentitel in Hongkong auf Talfahrt gingen. Auch der Euro geriet unter die Räder und markierte zeitweise bei 1,4166 Dollar den tiefsten Stand seit fünf Monaten. Die Sorge, dass die gedrosselte Kreditvergabe Chinas der Konjunktur und damit auch dem Rohstoffhunger des Landes einen Dämpfer verpassen könnte, drückte auch die Preise für Öl und Industriemetalle wie Kupfer.

Chinas Bankenaufsicht machte deutlich, dass sie bei der Kreditvergabe weiter Herr des Verfahrens bleiben will: „Wir werden dieses Jahr weiterhin das Tempo und den Umfang der Darlehensvergabe kontrollieren“, sagte Behörden-Chef Liu Mingkang in Hongkong. Vorige Woche hatte die Zentralbank bereits die Mindestreserve-Anforderungen für Banken erstmals seit Juni 2008 angehoben, um die gewaltige Liquidität zurückzufahren. Sie hat zudem als Ziel ausgegeben, 2010 Kredite im Wert von umgerechnet knapp 800 Mrd. Euro zu vergeben.

Medienberichten zufolge belief sich das Volumen neu ausgegebener Darlehen in der ersten Januarwoche aber bereits auf umgerechnet rund 60 Mrd. Euro. Das ist fast doppelt so viel wie der Monatsdurchschnitt im zweiten Halbjahr 2009.

Auch die steigende Kapazitätsauslastung der Werke sowie anziehende Inflationserwartungen nähren die Sorge vor einer Überhitzung der weltweit drittgrößten Volkswirtschaft. Mit der starken BIP-Zahl im vierten Quartal 2009 sei der Wachstumshöhepunkt aber wahrscheinlich schon überschritten, meint China-Experte Rees. Zugleich könne die Regierung noch an mehreren Stellschrauben drehen, um ein Überdrehen des Wachstumsmotors zu verhindern: „Dazu zählt eine klassische Zinserhöhung. Zudem könnte China auch eine allmähliche Aufwertung der Landeswährung zulassen.

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