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14.04.2016

14:28 Uhr

Kreml-Chef im TV

Putins neuestes Spektakel

VonAndré Ballin

Der Kreml-Chef stellt sich im TV den Fragen der Bürger. Und Wladimir Putin erklärt, beschwichtigt, beschwört. Viele Pluspunkte lassen sich mit innenpolitischen Themen nicht sammeln. Doch einige Bonmots hat er im Ärmel.

Der russische Präsident Wladimir Putin bei seinem Fernsehauftritt: „Wer beschlossen hat, unterzugehen, der ist nicht zu retten.“ AP

Wladimir Putin

Der russische Präsident Wladimir Putin bei seinem Fernsehauftritt: „Wer beschlossen hat, unterzugehen, der ist nicht zu retten.“

MoskauBei der 14. Auflage des „direkten Drahts“, einer mehrstündigen Fernsehaudienz des russischen Präsidenten, gönnten die Organisatoren Wladimir Putin diesmal keine Aufwärmphase. Statt die Fragestunde mit ein paar optimistischen Statistiken einzuleiten, musste der Kreml-Chef diesmal gleich auf eine Frage über die schlechten Straßen antworten – ein Problem, das in Russland länger besteht, als selbst Putin im Amt ist. Eine konkrete Lösung hatte der Präsident auch in diesem Jahr nicht im Ärmel, er musste sogar eingestehen, dass wegen der aktuellen Geldnot sowohl die Regionen als auch sein eigenes Finanzministerium die für den Straßenbau gedachten Mittel zweckentfremden.

Die wirtschaftliche Krise, das wurde schnell deutlich, ist in Russland noch länger nicht vorüber. Die Phase, die das Land durchlaufe, bezeichnete Putin als „grau“, nun immerhin nicht schwarz, wie er betonte. Doch die Rezession wird auch nach Einschätzung des Kremls in diesem Jahr noch anhalten. Nach einem BIP-Einbruch von 3,7 Prozent im Vorjahr rechnet Putin für 2016 mit einem Minus von 0,3 Prozent – immer noch deutlich optimistischer als IWF (minus 1,8 Prozent) und Weltbank (minus 1,9 Prozent). Im nächsten Jahr soll es dafür wieder aufwärts gehen, versprach er.

Russlands Wirtschaft

Einwohner

143,3 Millionen (Stand: 2013).

Gasproduktion

2012: 654,5 Milliarden Kubikmeter.

Erdölproduktion

2012: 517,9 Millionen Tonnen.

Bruttoinlandsprodukt

2014: ~ 2215,4 Milliarden US-Dollar

Inflationsrate

2012: 5,1 Prozent

2013: 6,7 Prozent*

2014: 5,7 Prozent*

*) Schätzung bzw. Prognose

Arbeitslosenquote

2010: 7,5 Prozent.

2011: 6,6 Prozent.

2012: 5,6 Prozent.

Haushaltssaldo

2010: -4,0 Prozent des BIP

2011: 0,8 Prozent des BIP

2012: -0,1 Prozent des BIP

Leistungsbilanzsaldo

2010: 4,4 Prozent des BIP, brutto.

2011: 5,1 Prozent des BIP, brutto.

2012: 3,7 Prozent des BIP, brutto.

2013: 2,9 Prozent des BIP, brutto.*

2014: 2,3 Prozent des BIP, brutto.*

*) Schätzung bzw. Prognose

Währungsreserven

2010: 432,95 Milliarden US-Dollar.

2011: 441,16 Milliarden US-Dollar.

2012: 473,11 Milliarden US-Dollar.

Die Probleme der Russen sind vielschichtig. Einige Fragesteller beklagten sich über ausbleibende Gehälter, andere über teure Medikamente und Lebensmittel, wieder andere über die steigenden Mieten. Putin erklärte, beschwichtigte, beschwor, doch viele Pluspunkte lassen sich derzeit mit innenpolitischen Themen – abgesehen vom breit beleuchteten Bau einer milliardenschweren Brücke auf die Krim – nicht sammeln.

Dafür glänzte Putin in den Augen seiner Landsleute einmal mehr mit Bonmots zu außenpolitischen Themen. Auf die Frage, wen er zuerst aus dem Wasser retten würde – den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko oder den türkischen Staatschef Recep Erdogan, beide erklärtermaßen keine engen Freunde Putins – entgegnete der Kremlchef: „Wer beschlossen hat, unterzugehen, der ist nicht zu retten.“

Kiew warf er vor, das Minsker Friedensabkommen nicht einzuhalten. Zugleich machte er klar, dass es kein schnelles Ende der Sanktionen gegen die Türkei geben wird. Russland habe auf den Affront reagieren müssen, „sonst würden sie uns auf der Nase herumtanzen“, rechtfertigte Putin die Maßnahme. „Wir halten die Türkei für einen Freund“, doch die Führungsspitze dort handle nicht adäquat, kooperiere eher mit Terroristen, als dass sie sie bekämpfe und daher sei es fraglich, dass sie russischen Touristen Sicherheit gewähren könnte, sprach sich Putin gegen eine Aufhebung des Urlaubsverbots für die Türkei aus.

Kommentare (24)

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Herr Vinci Queri

14.04.2016, 14:38 Uhr

>> Der Kreml-Chef stellt sich im TV den Fragen der Bürger. >>

Hat schon jemand so etwas von den "Westlichen Staatsoberhäuptern" erlebt ?

Daß diese sich Fragen des Volkes stellen, LIVE im Fernsehen ......?

NEIN !

Also, wer ist der lupenreine Demokrat ?

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Frau Ursula Neumann

14.04.2016, 14:45 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

Herr Chic Petitchen

14.04.2016, 15:04 Uhr

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