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12.07.2017

03:00 Uhr

Kreml-Kontakte der Trump-Regierung

„Das grenzt an Landesverrat“

VonMoritz Koch

Donald Trump jr. wusste von den Versuchen des Kreml, seinem Vater zum Wahlsieg zu verhelfen. Das belegen E-Mails mit Angeboten von belastendem Material über Hillary Clinton. Die Affäre erreicht damit eine neue Dimension.

Trump entwickelt sich zur Belastung für die Partei. AFP; Files; Francois Guillot

Donald Trump (rechts) und Donald Trump Jr.

Trump entwickelt sich zur Belastung für die Partei.

Donald Trump jr. führt sein Leben als Sohn. Er tut alles für seinen Vater, den US-Präsidenten, bewundert ihn, eifert ihm nach – beruflich und politisch. Er hat mit seinem Bruder Eric die Führung der Trump-Organisation übernommen, er tritt als Wählkampfer auf und betätigt sich im Netz als virtuelle Abwehrkante der Regierungsmannschaft. Spezialisiert ist er aufs Abräumen und Kontern. Wenn es einen neuen Bericht über die Russland-Verbindungen der Trump-Kampagne gibt, schleudert Donald jr. den Medien das Fake-News-Label entgegen. Die Aggressivität seiner Twitter-Botschaften präsentiert den ältesten Sohn des amerikanischen Präsidenten als würdigen Erbfolger der Familiendynastie.

Doch jetzt wird klar: Der leidenschaftliche Einsatz für seinen Vater hat Donald Trump jr. in juristische Schwierigkeiten gebracht. Mit seinem Eingeständnis, dass er sich im Sommer 2016 mit der Kreml-nahen Anwältin Natalja Weselnitzkaja getroffen hatte, um Schmutz über die Demokratin Hillary Clinton zutage zu fördern, ist er zur Schlüsselfigur der Russland-Affäre geworden.

Als „abstoßend“ und „heuchlerisch“ hatte Donald jr. bisher den Verdacht zurückgewiesen, dass es Absprachen zwischen der Wahlkampagne seines Vaters und dem Kreml gegeben habe. Nun steht er selbst als Heuchler da. Die Enthüllungen kommen Schlag auf Schlag. Am Samstag bestätigte Donald jr. einen Bericht der „New York Times“ über sein Treffen mit Weselnitzkaja im New Yorker Trump Tower, stellte es aber als Unterredung über ein Adoptionsprogramm für russische Kinder dar.

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Ihr geheimes Treffen mit dem Trump-Team mitten im Wahlkampf sorgt nun für gehörigen Aufruhr in Washington. Neuestes pikantes Detail: Natalja Weselnitzkaja sagt, das Trump-Team habe selbst um das Treffen gebeten.

Am Sonntag, nach einem weiteren „New York Times“-Bericht, veröffentlichte Donald jr. eine neue Erklärung. Ja, er habe das Gespräch mit Weselnitzkaja vereinbart, weil diese behauptet hatte, belastendes Material gegen Clinton zu besitzen. Allerdings hätten ihre Auskünfte „keinen Sinn ergeben“, man sei schnell zu anderen Themen übergegangen. Nun kommt heraus, dass auch diese Version des Treffens unvollständig war. Donald jr. soll von einem Vertrauten in einer E-Mail darauf hingewiesen worden sein, dass die Informationen Weselnitzkajas Teil einer Kampagne der russischen Regierung seien, die Präsidentschaftskandidatur seines Vaters zu unterstützen. Kurz nachdem die „New York Times“ aus der E-Mail zitiert hatte, veröffentlichte Donald jr. die gesamte Kommunikation auf Twitter.

Ein früherer Geschäftspartner der Trump-Familie schrieb ihm am 3. Juni 2016, er habe Kontakt zu einer Anwältin der russischen Regierung, die Dokumente habe, die „Hillary Clinton inkriminieren und sehr nützlich für deinen Vater sind“. Es gehe um „Geheiminformationen der russischen Regierung“. Diese seien „Teil ihrer Unterstützung für Mr. Trump“. Donald jr. antwortete: „Ich liebe es.“

Wenige Wochen nach dem Treffen in New York stellte die Enthüllungsplattform Wikileaks interne E-Mails der demokratischen Partei ins Netz. US-Geheimdienste sind sich sicher: Die gestohlenen Daten stammten von russischen Cyberagenten.

In einem Interview mit dem US-Fernsehsender Fox News verteidigte Trump Jr. seine Reaktion auf die E-Mail. „Jemand hat mir eine E-Mail geschickt. (...) Ich lese sie, ich antworte entsprechend.“ Der Sohn des US-Präsidenten sagte zudem, er habe seinem Vater nie von dem Treffen mit einer russischen Anwältin erzählt. „Es war einfach nichts. Es gab nichts zu erzählen“, sagte er dem TV-Sender.

Kommentare (34)

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Herr Peter Spiegel

11.07.2017, 18:25 Uhr

Generalverräter tragen Hosenanzüge, was hat Trump dami zu tun?

Jo Black

11.07.2017, 18:30 Uhr

Ich habe schon immer vermutet, dass Trump ein Maulwurf im Dienste Putins ist.
Ein Doppelagent, dessen Einsatz von langer Hand vorbereitet wurde.

Herr Renatus Isenberg

11.07.2017, 18:39 Uhr

Die Machenschaften der Trump Familie sind offnebar nicht sauber udn haben schlechten Stil. Ich wrte jedoch immer noch auf die Verurteilung von Bush jr, der hunderttausende unschuldiger Opfer auf dem Gewissen hat , absichtlich erlogene Gründe für eine Kriegsführung zugunsten der US Multis. Die Journalisten können doch nicht einfach darüber hinweg gehen, was die USA verbrochen haben unter einem anderem Präsidenten als Trump.
In Europa wreden wir ständig an den Völkermord in Serbien erinnert, wo bleibt die Anklage deswegen an die USA?

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