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18.09.2011

17:21 Uhr

Kreml-Kritiker

Chodorkowski sagt düstere Zukunft für Russland voraus

Der Unternehmer und Widersacher Wladimir Putins Michail Chodorkowski sieht Russland auf dem Weg zu politischen Unruhen, sollte Putin erneut Präsident werden.

Michail Chodorkowski (Archivfoto). dpa

Michail Chodorkowski (Archivfoto).

Der inhaftierte Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski hat Russland unter einer weiteren Führung Wladimir Putins eine düstere Zukunft prognostiziert. „Die Hoffnungen auf interne Reformen des politischen Systems würden schwinden“, sagte der ehemalige Ölmilliardär. Es wird weithin erwartet, dass Putin im März 2012 erneut zur Präsidentenwahl antritt. Putin hatte 2008 maßgeblich zu Übernahme der Präsidentschaft durch Dmitri Medwedew beigetragen, als er selbst das Amt nicht zum dritten Mal in Folge bekleiden konnte.

Putins Erzfeind Chodorkowski erklärte in einem schriftlichen Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters, unter Putin drohe Russland ein Exodus seiner Elite. „Die Auswanderung gesellschaftlich aktiver und intellektueller Russen würde sich beschleunigen.“

„Ich habe keine Angst um mein Leben“, schrieb der einst reichste Mann Russlands. „Aber ich kann nicht ausschließen, dass es Grund für solche Ängste gibt.“ Der Ex-Chef des mittlerweile zerschlagenen Ölkonzerns Yukos erklärte weiter, er erwarte in den kommenden Jahren große Schwierigkeiten in Russland. Wie schwer die Krise werde und wie sich zeige, könne er nicht sagen. „Aber sie wird bald nach 2015 unvermeidbar sein. Russland sei immer stärker von den Einahmen aus dem Ölgeschäft abhängig. Doch wenn der Ölpreis nicht weiter steige, drohten in den Regionen des riesigen Landes Unruhen.

Chodorkowski war einer der einflussreichsten Geschäftsleute Russlands, bis er politisch in die Offensive gegen Putin ging. Im Oktober 2003 wurde er festgenommen und in zwei Prozessen wegen Geldwäsche und Unterschlagung zu acht und 14 Jahren Haft verurteilt. Im Mai war die zweite Haftstrafe auf 13 Jahre reduziert worden, so dass Chodorkowski voraussichtlich bis 2016 im Gefängnis bleiben muss. Die Gerichte sahen es als erwiesen an, dass er Öl von Yukos-Firmen unterschlagen hat.

Aus dem Gefängnis schrieb Chodorkowski, der Prozess sei eine Machtdemonstration der Behörden gewesen. Sie wollten zeigen, dass sie bereit seien, gegen die unerwünschte Opposition von Geschäftsleuten vorzugehen. Dabei sei sein Konzern Yukos in erster Linie ins Visier geraten.

Chodorkowskis Prozess galt vielen als politisch motiviert, was aber der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte im Mai nicht bestätigte. Zuletzt haben Yukos-Manager und -Aktionäre vor derselben Instanz den russischen Staat auf 100 Milliarden Dollar Entschädigung für die Zerschlagung des Konzerns geklagt. Das Urteil wird am Dienstag erwartet.

Kommentare (1)

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gerhard

18.09.2011, 20:35 Uhr

"Chodorkowskis Prozess galt vielen als politisch motiviert, was aber der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte im Mai nicht bestätigte....Die Hoffnungen auf interne Reformen des politischen Systems würden schwinden“, sagte der ehemalige Ölmilliardär. " (Zitat)

Die sind aber schon zu seiner Zeit vor der Haft ziemlich schnell "verschwunden".
Interessant wäre zu erfahren- wie er in der kurzen Zeit , also nach Ende der Sowjetunion, so schnell zu seinen
Milliarden gekommen ist. Mit seiner Hände Arbeit doch nicht? Er gehört zur Gruppe der Oligarchie- von denen haben sich nach Zusammenbruch der SU einige gebildet. Der Europäische Gerichtshof hat den Fall Chodorkowski
seinerzeit wohl ganz richtig gesehen, dass es sich eben nicht um einen poltischen Prozess gehandelt haben kann.

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