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10.03.2014

13:10 Uhr

Kreml-Kritiker

Chodorkowski will in die Schweiz ziehen

Nach Jahren in sibirischen Straflagern und Gefängnissen floh der ehemalige Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski nach seiner Freilassung aus Russland. Angeblich will er so bald nicht in sein Geburtsland zurückkehren.

Michail Chodorkowski will sich in der Schweiz niederlassen. dpa

Michail Chodorkowski will sich in der Schweiz niederlassen.

ZugDer frühere Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski will sich in der Schweiz niederlassen. Ein entsprechendes Gesuch habe er bei den Behörden eingereicht, bestätigte seine in Zug ansässige Kommunikationsagentur am Montag der Schweizer Nachrichtenagentur sda. Das Verfahren sei im Gang, man werde zu gegebener Zeit über das Ergebnis informieren.

Der einstige Öl-Unternehmer war im Dezember nach zehn Jahren Lagerhaft freigekommen und zunächst nach Berlin geflogen. Von dort reiste er im Januar in die Schweiz, wo seine beiden jüngsten Söhne zur Schule gehen. Laut Schweizer Medienberichten besitzt seine Ehefrau eine Wohnung unweit des Genfer Sees in Montreux.

Der Fall Chodorkowski

2003

Der Vorstandsvorsitzende des Ölkonzerns Jukoas, Michail Chodorkowski, wird am 23. Oktober spektakulär bei einer Zwischenlandung seines Privatjets in Nowosibirsk festgenommen. Dem Multimilliardär werden Betrug und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Sein Geschäftspartner Platon Lebedew war bereits im Juli verhaftet worden.

2004

In Moskau beginnt am 16. Juni der erste Prozess gegen Chodorkowski und Lebedew. Die Verteidigung wirft dem Kreml eine Steuerung des Verfahrens vor, weil der Jukos-Chef in Opposition zum damaligen Präsidenten Wladimir Putin gegangen sei. Im Dezember wird die größte Jukos-Tochter Yuganskneftegas wird zwangsversteigert.

2005

Chodorkowski und Lebedew werden am 16. Mai unter anderem wegen schweren Betrugs und Bildung einer kriminellen Vereinigung schuldig gesprochen. Am 31. Wird die Strafe verhängt: je neun Jahren Gefängnis verurteilt. Ein Berufungsgericht reduziert die Strafe im September 2005 auf je acht Jahre Haft. Am 18. verabschiedet der US-Senat eine Erklärung, in der er den Prozess gegen Chodorkowski und Lebedew als politisch motiviert kritisiert.

2007

Die Staatsanwaltschaft leitet am 5. Februar eine zweite Anklage gegen Chodorkowski und Lebedew ein - wegen Geldwäsche. Im November wird der Jukos-Konzern wird nach seiner Zerschlagung und dem Verkauf der Teile aus Russlands Handelsregister gelöscht.

2008

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht sich im März bei einem Treffen mit Putin in Moskau für Chodorkowskis Begnadigung aus. Auch andere deutsche Politiker hatten Russland wiederholt zum rechtsstaatlichen Umgang mit den beiden Unternehmern aufgefordert.

2009

In Moskau beginnt am 31. März der zweite Prozess gegen Chodorkowski und Lebedew. Die Verteidigung nennt die Vorwürfe der Unterschlagung von Millionen Tonnen Erdöl „absurd und unlogisch“.

2010

Vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg beginnt die Anhörung ehemaliger Jukos-Eigentümer. Sie fordern von Russland rund 70 Mrd. Euro Schadensersatz, da sie den Verkauf des Konzerns als Betrug ansehen. Im Dezember werden Chodorkowski und Lebedew schuldig gesprochen und zu 14 Jahren Haft verurteilt.

2011

Ein Moskauer Berufungsgericht kommt zu dem Schluss, dass Chodorkowski nur 90 Millionen statt 128 Millionen Tonnen Rohöl unterschlagen habe. Deshalb reduzieren die Richter die Haftstrafe um ein Jahr. Chodorkowski kommt demnach frühestens 2016 frei. Im Dezember gehen Zehntausende nach den Manipulationsvorwürfen bei der Parlamentswahl auf die Straße und fordern den Rücktritt von Regierungschef Putin und die Freilassung politischer Gefangener wie Chodorkowski.

2012

Nach der Wahl Putins zum russischen Präsidenten kündigt der amtierende Staatschef Dimitri Medwedjew im März überraschend an, die Urteile gegen Chodorkowski und andere Oppositionelle überprüfen zu lassen. Doch schon im April lehnt er das Begnadigungsgesuch ab.

2013

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verurteilt Russland wegen des Vorgehens gegen Chodorkowski. Wegen eines neuen Gesetzes wurde die Haftstrafe Chodorkowskis um zwei Jahre verringert, weshalb er Mitte 2014 frei gekommen wäre. Chodorkowski selbst sagte Anfang Dezember in einem Interview, er wolle kein Gnadengesuch stellen und forderte weiter einen fairen Prozess. Am 20. Dezember unterschreibt Putin dennoch ein Gnadenerlass. Noch am selben Tag kommt Chodorkowski frei und fliegt nach Deutschland.

2014

Am 5. Januar 2014 wird bekannt, dass Chodorkowski in die Schweiz ausgereist ist. Seine Söhne gehen dort zur Schule. Das Land hat ihm ein Visum für drei Monate ausgestellt. Am 20 September pröäsentiert er in Paris seine „Open Russia“-Initiative, die mit Internetseiten und Aktionen gegen das autoritäre Putin-Russland mobil macht.

Die Eidgenossenschaft hatte Chodorkowski, der viel unterwegs ist, zunächst ein Visum bis Ende März ausgestellt. Zurzeit hält er sich in der Ukraine auf. Am Sonntag rief er in einer Rede in Kiew Russen und Ukrainer zum Einlenken im Krim-Konflikt auf.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

10.03.2014, 14:04 Uhr

Das war vorher zu sehen.
Frau Merkel und der ehemalige Aussenminister Herr Genscher haben den Weg frei gemacht für den Oligarchen aus Russland in die Schweiz.
Auch die Oligarchin aus der Ukraine, z.Zt. in der Chariete Berlin, Gast von Frau Merkel, wird in der Schweiz enden.
So ist das in der deutschen Politik mit ihren vielen Freundeskreisen.

Account gelöscht!

10.03.2014, 16:31 Uhr

Ja Frank MC, und alle Oligarchen entstammen der jüdischen Rasse. seltsam? Der reichste Russe, ebenfalls Jude, lebt auch in der Schweiz. Wirtschaftsikonen wie Ackermann und Löscher arbeiten inzwischen für ihn. Wenn Russland wieder einen jüdischen Prasidenten ( so wie Jelzmann ) bekommt, wird auch Codorkowski wieder nach Rußland reisen...

Account gelöscht!

10.03.2014, 20:13 Uhr

Chodorkowski:
Am Sonntag rief er in einer Rede in Kiew Russen und Ukrainer zum Einlenken im Krim-Konflikt auf.

+++

Und das, obwohl Putin seinen Konzern zerschlagen hat, und er für viele Jahre im Gefängnis/Straflager gesessen hat.

Der Mann tut meiner Einschätzung nach mehr für den Frieden als unsere Regierenden und die friedenspreisgekrönte EU.

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