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17.02.2015

16:48 Uhr

Kremlchef in Ungarn

Wenn Putin Orbán besucht

VonHans-Peter Siebenhaar

Ungarns Regierungschef Viktor Orbán rollt für Kremlchef Wladimir Putin in Budapest den roten Teppich aus. Ungarn will zum strategischen Partner Russlands in Mitteleuropa aufsteigen. Der Westen ist nicht begeistert.

Viktor Orban (rechts) und Wladimir Putin (Archivbild) verstehen sich gut. AFP

Viktor Orban (rechts) und Wladimir Putin (Archivbild) verstehen sich gut.

BudapestDas sonnige Wetter in Budapest täuscht. In der ungarischen Hauptstadt drehen die Temperaturen in der Nacht deutlich in die Minusgrade. Dass es in den Häusern und Büros auf künftig warm bleibt, dafür sorgen derzeit vor allem die russischen Energielieferungen. Moskau liefert rund 60 Prozent des ungarischen Gases. Ungarns Premier Viktor Orbán kennt diese Abhängigkeit ganz genau.

Deshalb umwirbt er den russischen Präsidenten Wladimir Putin bei seiner Kurzvisite in Budapest, den strategisch wichtigen Gasvertrag mit Ungarn zu verlängern. Der ungarische Außenminister und Orbán-Vertraute Péter Szijjártó sagte bereits im Vorfeld, dass dem Besuch Putins in dem EU-Land eine „für das Schicksal entscheidende Bedeutung für die Energiesicherheit“ zukommt.

Orbán will zum strategischen Partner Russland in Mitteleuropa aufsteigen. Gerade in einer Sicht der Isolation Russlands stehen die Chancen dafür nicht einmal schlecht. Denn Ungarn ist aus Moskauer Sicht derzeit die einzige Option. Das neutrale Österreich, das sich ebenfalls um gute Beziehungen zum Kreml bemüht, ist ein viel zu enger Partner Deutschlands, um jemals eine derartige Rolle einnehmen zu können.

Ungarn steht unter Druck. Der 20jährige Gasliefervertrag mit Russland läuft in diesem Jahr aus. Orbán braucht eine Vereinbarung mit dem Großlieferanten aus Moskau. Denn gerade in der zaghaften Phase der wirtschaftlichen Erholung kann es sich der rechtspopulistische Regierungschef nicht leisten, die Versorgungssicherheit in seinem Land zu gefährden.

Ob Putin tatsächlich mit einem neuen Gasliefervertrag in der Tasche nach Budapest reist, war am Dienstagnachmittag noch unklar. Der russische Präsident und Orbán werden erst am Abend vor die Presse in Budapest treten. Orbán mit seinem sicheren Gespür für Macht ist in einer vergleichsweisen starken Position. Die Zeiten einer totalen Abhängigkeit von Russland sind längst vorbei.

Das EU-Land verfügt über eine Pipeline nach Österreich und kann sich daher auch Gas aus anderen Quellen besorgen. Auch die Gasmenge aus dem vorhandenen Vertrag, rund neun Milliarden Kubikmeter pro Jahr, werden nicht ausgeschöpft. Ein weiterer Vorteil sind die niedrigen Gaspreise im Zug des Niedergangs des Ölpreises.

Der russische Energiekonzern Gazprom kann in dieser Lage gut verlässliche Kunden wie Ungarn brauchen. „Wir sind zum Dialog und zu einer beiderseitig vorteilhaften Partnerschaft bereit“, sagte der russische Diplomat Yuri Ushakov zum Thema Gas der Nachrichtenagentur Interfax. Wie flexibel Gazprom bei der Preisgestaltung – aus politischen Gründen – sein kann, zeigte sich bereits 2013 und 2014. Mit dem Preisnachlass half der Moskauer Konzern Orbán bei seiner Wiederwahl im vergangenen Jahr.

Kommentare (12)

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Herr Udo Jung

17.02.2015, 17:56 Uhr

Manche nennen es ambivalentes Verhalten. Andere nennen es gute Beziehungen mit Ländern und Großmächten zu unterhalten anstatt einseitig auf die USA + Verbündete Karte zu setzen. Noch andere denken es bedeute, Schaden vom Land abzuwenden. Also das, was man in der deutschen Politik und Presselandschaft nicht versteht. Ungarn ist wahrscheinlich ein Land, das aufgrund seiner zentralen Lage ähnlich wie Deutschland arg verblendet sein müsste, um nicht gute politische und wirtschaftliche Beziehungen mit allen seinen nächsten und übernächsten Nachbarn zu unterhalten.

Meiner Meinung nach mangelt es den deutschen Medien an Respekt, indem sie ständig herablassend über alle reden und sie verurteilen, die mit Herrn Putin und Russland irgendeine Art von Beziehung unterhalten. Viele Journalisten haben sich voll in Kriegsstimmung gebracht und strömen eine Haltung voller Missgunst aus. Dabei wäre es ihre Aufgabe, Druck auf die (deutsche) Politik zur Deeskalation auszuüben. Wie soll es erst auf der Welt werden, wenn in weniger als 2 Jahren evtl. die Republikaner wieder den Präsidenten der freien Welt stellen?

Frau Maria Taxis

17.02.2015, 18:44 Uhr

Sag mir mit wem du verkehrst und ich sage dir wer du bist. Man darf annehmen dass Vladimir sich mit unserer Kanzlerin und der ganzen Berliner Politik Szene kein wenig amüsiert. er spielt nähmlich Hardball, während wir hier höchstens mal Federball spielen können.

Herr Daniel Mayr

17.02.2015, 18:56 Uhr

Abschaffen von Demokratie und Pressefreiheit - dieser Typ hat in Europa nichts mehr zu suchen. Entweder sollte er schnell zurücktreten oder Ungarn aus der EU austreten.

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