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15.01.2014

16:41 Uhr

Kremlgegner

Chodorkowski kommt wieder nach Berlin

Nach Entlassung aus der russischen Haft war sein erstes Ziel Berlin, nun kehrt der Kremlkritiker Michael Chodorkowski dorthin zurück. Unter anderem will er sich mit dem Russlandbeauftragten der Bundesregierung treffen.

Michail Chodorkowski will sich mit Vertretern von Amnesty International und anderer Nichtregierungsorganisationen treffen. dpa

Michail Chodorkowski will sich mit Vertretern von Amnesty International und anderer Nichtregierungsorganisationen treffen.

BerlinDer Kremlgegner Michail Chodorkowski kommt nach seinen Reisen in die Schweiz und nach Israel erneut nach Berlin. Der Ölmillionär, der mehr als zehn Jahre in Russland in Haft saß, will in der deutschen Hauptstadt unter anderem mit Politikern und Vertretern von Menschenrechtsorganisationen sprechen. Ein Sprecher Chodorkowskis bestätigte am Mittwoch entsprechende Informationen der Berliner Zeitung „Tagesspiegel“. Den Angaben zufolge bleibt der 50-Jährige nach seiner Ankunft am Mittwochabend aber nur für einige Tage an der Spree. Anfang kommender Woche werde er Berlin wieder verlassen – mit unbekanntem Ziel.

Chodorkowski will am Donnerstag den bisherigen Russlandbeauftragten der Bundesregierung, Andreas Schockenhoff (CDU), treffen. Ferner ist ein Treffen mit Schockenhoffs Nachfolger Gernot Erler (SPD) geplant sowie mit Vertretern von Amnesty International und anderer Nichtregierungsorganisationen. Am Sonntag will er zudem bei einer Matinee der Heinrich-Böll-Stiftung auftreten, wo an Chodorkowskis vor einem Jahr verstorbenen Anwalt Juri Schmidt erinnert werden soll.

Der Fall Chodorkowski

2003

Der Vorstandsvorsitzende des Ölkonzerns Jukoas, Michail Chodorkowski, wird am 23. Oktober spektakulär bei einer Zwischenlandung seines Privatjets in Nowosibirsk festgenommen. Dem Multimilliardär werden Betrug und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Sein Geschäftspartner Platon Lebedew war bereits im Juli verhaftet worden.

2004

In Moskau beginnt am 16. Juni der erste Prozess gegen Chodorkowski und Lebedew. Die Verteidigung wirft dem Kreml eine Steuerung des Verfahrens vor, weil der Jukos-Chef in Opposition zum damaligen Präsidenten Wladimir Putin gegangen sei. Im Dezember wird die größte Jukos-Tochter Yuganskneftegas wird zwangsversteigert.

2005

Chodorkowski und Lebedew werden am 16. Mai unter anderem wegen schweren Betrugs und Bildung einer kriminellen Vereinigung schuldig gesprochen. Am 31. Wird die Strafe verhängt: je neun Jahren Gefängnis verurteilt. Ein Berufungsgericht reduziert die Strafe im September 2005 auf je acht Jahre Haft. Am 18. verabschiedet der US-Senat eine Erklärung, in der er den Prozess gegen Chodorkowski und Lebedew als politisch motiviert kritisiert.

2007

Die Staatsanwaltschaft leitet am 5. Februar eine zweite Anklage gegen Chodorkowski und Lebedew ein - wegen Geldwäsche. Im November wird der Jukos-Konzern wird nach seiner Zerschlagung und dem Verkauf der Teile aus Russlands Handelsregister gelöscht.

2008

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht sich im März bei einem Treffen mit Putin in Moskau für Chodorkowskis Begnadigung aus. Auch andere deutsche Politiker hatten Russland wiederholt zum rechtsstaatlichen Umgang mit den beiden Unternehmern aufgefordert.

2009

In Moskau beginnt am 31. März der zweite Prozess gegen Chodorkowski und Lebedew. Die Verteidigung nennt die Vorwürfe der Unterschlagung von Millionen Tonnen Erdöl „absurd und unlogisch“.

2010

Vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg beginnt die Anhörung ehemaliger Jukos-Eigentümer. Sie fordern von Russland rund 70 Mrd. Euro Schadensersatz, da sie den Verkauf des Konzerns als Betrug ansehen. Im Dezember werden Chodorkowski und Lebedew schuldig gesprochen und zu 14 Jahren Haft verurteilt.

2011

Ein Moskauer Berufungsgericht kommt zu dem Schluss, dass Chodorkowski nur 90 Millionen statt 128 Millionen Tonnen Rohöl unterschlagen habe. Deshalb reduzieren die Richter die Haftstrafe um ein Jahr. Chodorkowski kommt demnach frühestens 2016 frei. Im Dezember gehen Zehntausende nach den Manipulationsvorwürfen bei der Parlamentswahl auf die Straße und fordern den Rücktritt von Regierungschef Putin und die Freilassung politischer Gefangener wie Chodorkowski.

2012

Nach der Wahl Putins zum russischen Präsidenten kündigt der amtierende Staatschef Dimitri Medwedjew im März überraschend an, die Urteile gegen Chodorkowski und andere Oppositionelle überprüfen zu lassen. Doch schon im April lehnt er das Begnadigungsgesuch ab.

2013

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verurteilt Russland wegen des Vorgehens gegen Chodorkowski. Wegen eines neuen Gesetzes wurde die Haftstrafe Chodorkowskis um zwei Jahre verringert, weshalb er Mitte 2014 frei gekommen wäre. Chodorkowski selbst sagte Anfang Dezember in einem Interview, er wolle kein Gnadengesuch stellen und forderte weiter einen fairen Prozess. Am 20. Dezember unterschreibt Putin dennoch ein Gnadenerlass. Noch am selben Tag kommt Chodorkowski frei und fliegt nach Deutschland.

2014

Am 5. Januar 2014 wird bekannt, dass Chodorkowski in die Schweiz ausgereist ist. Seine Söhne gehen dort zur Schule. Das Land hat ihm ein Visum für drei Monate ausgestellt. Am 20 September pröäsentiert er in Paris seine „Open Russia“-Initiative, die mit Internetseiten und Aktionen gegen das autoritäre Putin-Russland mobil macht.

Nach mehr als zehn Jahren Haft war Chodorkowski im vergangenen Dezember von Russlands Präsidenten Wladimir Putin begnadigt worden. Danach flog er direkt nach Berlin, von wo er Anfang Januar in die Schweiz weiterreiste.

Von

dpa

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

15.01.2014, 17:23 Uhr

CDU, SPD und Grünen machen einem verurteilten Verbrecher und Antidemokraten den Hof. Eine Schande ist das, eine wirklich ekel-erregende Schande ist das.

Account gelöscht!

15.01.2014, 17:27 Uhr

Zitat : Chodorkowski will am Donnerstag den bisherigen Russlandbeauftragten der Bundesregierung, Andreas Schockenhoff (CDU), treffen.

- was will den dieser verbannte Oligarch mit dem Sufkopf
Schockenhoff ?

Der riskiert ein lebenslanges Exil !

Hagbard_Celine

15.01.2014, 17:49 Uhr

Chodorkowski lässt sich von keinem als Ochsen vor den Karren spannen, dafür hat er Respekt verdient.

Obama z.B. würde ihn liebend gern benutzen um Snowden aus den Schlagzeilen zu drängen usw. Der Druck auf ihm muss enorm sein.

Ich würde ihn eher als Finanzamt Kritiker bezeichnen als als Kremel Gegner. Das ist sowieso ein Unwort, oder gibt es etwa Bundestagsgegner ?

So ein Quatsch !

Aber bringt nur weiter alles was die DPA vorgibt, es lebe copy & paste !

Mein Hirn gebe ich jeden Morgen auch an der Rezeption ab.

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