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20.08.2012

14:10 Uhr

Kremlkritiker

Kasparow droht jahrelange Lagerhaft

Der frühere Schachweltmeister Garri Kasparow soll bei einer Demonstration in Moskau einen Polizisten gebissen haben. Der Kremlkritiker streitet die Tat ab - bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu fünf Jahre Lagerhaft.

Bei seiner Teilnahme an einer Kundgebung für die Punkband Pussy Riot war Kasparow festgenommen worden. dpa

Bei seiner Teilnahme an einer Kundgebung für die Punkband Pussy Riot war Kasparow festgenommen worden.

MoskauDem Kremlkritiker Garri Kasparow drohen bis zu fünf Jahre Lagerhaft, weil er einem Polizisten bei einer Demonstration in Moskau gebissen haben soll. Der frühere Schachweltmeister wurde am Montag von der Polizei vernommen, nachdem er wegen seiner Teilnahme an der Kundgebung für die Punkband Pussy Riot vorübergehend festgenommen worden war. Die drei verurteilten Bandmitglieder lehnten ein Gnadengesuch an Präsident Wladimir Putin ab.

Kasparow sagte nach seinem Verhör in einem Moskauer Polizeikommissariat, die Polizisten hätten zugesagt, ein von ihm überreichtes Video an den örtlichen Untersuchungsausschuss weiterzuleiten. Dieser müsse dann entscheiden, ob Ermittlungen aufgenommen würden. Die Nachrichtenagentur Interfax zitierte Kasparow mit den Worten: „Ich möchte diesen Polizisten sehen. Zu sagen, ich hätte jemanden gebissen, das ist Wahnsinn!“

Der Oppositionelle war am Freitag in Moskau während einer Solidaritätskundgebung für Pussy Riot festgenommen worden. Am Samstag kam er zusammen mit etwa 50 weiteren Demonstranten wieder frei. In einer Erklärung auf seiner Website verwies Kasparow auf zahlreiche im Internet veröffentlichte Videos. Dort sei zu sehen, dass die Polizei ihn festnahm, während er mit Journalisten sprach, und ihn danach schlug. Kasparow kündigte eine Klage wegen illegaler Festnahme und Machtmissbrauchs durch die Polizei an.


Berichten zufolge wird Kasparow vorgeworfen, einem Polizisten ins Ohr oder in die Hand gebissen zu haben. Ein führendes Mitglied der Organisation Offiziere Russlands will dafür laut Interfax Beweise haben. Anton Tzewtkow sagte demnach, er könne Augenzeugen benennen und sei bereit, vor Gericht auszusagen. Ein tätlicher Angriff auf einen Polizisten wird in Russland mit bis zu fünf Jahren Lagerhaft geahndet.

Die drei zu Haftstrafen verurteilten Musikerinnen von Pussy Riot lehnten ein Gnadengesuch ab. „Mit dieser Gnade sollen sie zum Teufel fahren“, hätten die Frauen auf eine entsprechende Nachfrage ihrer Anwälte geantwortet, sagte Verteidiger Nikolai Polosow der Nachrichtenagentur AFP. Er bekräftigte zugleich, gegen die Urteile in Berufung gehen zu wollen.

Die 22-jährige Nadeschda Tolokonnikowa, die 24-jährige Maria Alechina und die 30-jährige Jekaterina Samuzewitsch waren am Freitag des „Rowdytums“ aus religiösem Hass schuldig erklärt und zu jeweils zwei Jahren Lagerhaft verurteilt worden. Sie hatten bei einer kurzen Performance im Februar in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale die Muttergottes aufgefordert, Putin zu vertreiben und dessen enge Verbindung zur russisch-orthodoxen Kirche kritisiert. Nach Ansicht von Beobachtern könnte die Strafe in einem Berufungsverfahren reduziert werden.

Ein Gericht in St. Petersburg will nach eigenen Angaben bis zum Ende der Woche über die Zulassung einer Klage gegen US-Popstar Madonna befinden. Die Klage wurde von neun Schwulengegnern eingereicht, nachdem die Sängerin während eines Konzerts in der Stadt in diesem Monat für die Rechte Homosexueller geworben hatte. Der Anwalt der Kläger, Alexander Potschujew, sagte AFP, bei dem Verfahren gehe es um einen Streitwert von 333 Millionen Rubel (8,4 Millionen Euro). In St. Petersburg war im Februar ein Gesetz in Kraft getreten, das ein öffentliches Eintreten für Homosexualität verbietet. Madonna setzte sich auch für Pussy Riot ein.

 



 

Von

afp

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

20.08.2012, 14:36 Uhr

Lupenreine Demokratie eben, gelle Gas-Gerd?

Als junger Bub habe ich fasziniert die Dauerduelle gegen Anatoli Karpow verfolgt, unvergessen wie verschmitzt der damalige "Jungspund" Kasparow sich einen Joghurt kommen lies, damit Karpow irritierte und eine fast hoffnungslose Partie kippen konnte. Ich wünsche ihm dieselbe Ausdauer und Glück.

Zum Teufel mit allen Despoten und Diktatoren!

Klingone

20.08.2012, 15:08 Uhr

hmmm....die kommen nicht an Russlands Bodenschätze ran. Ich höre nur noch von irgendeiner Pussy Riot, Kasparow usw. Das erinnert mich an irgendwas...wessen Supp Ich es dessen Lied Ich sing.

http://fresh-seed.de/wp-content/uploads/2012/06/KasparovYuliaRothschild.jpg

Wer der wirkliche Despot ist, das ist die Frage. Warum wohl sitzt der von Yukos im Knast ? Weil er die russischen Ölvorkommen verscherbeln wollte, und an wen ? Ich mag Putin, der hat die Dinge im Griff und das ärgert die "Demokratiebringer" gewaltig.

Mal ein bischen denken Scherzkeks, Du glaubst doch nicht im Ernst das Du hier in einer wirklichen Demokratie lebst ? Auch nach 9/11 immer noch im Tiefschlaf ? Dann schlaf man weiter, wird Dich schon einer wachküssen.

Stinksauer

20.08.2012, 19:28 Uhr

Und wenn er keinen Polizisten gebissen hat, dann hat er doch sicherlich Steuern hinterzogen. Irgendetwas werden Putin und seine ganzen Neben-Putins schon finden. Aber es wird der Tag kommen, da haut ihr Euren Peinigern den Code civil um die Ohren. Dran bleiben!

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