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20.03.2017

13:16 Uhr

Krieg gegen IS

Menschen aus Mossul wissen nicht wohin

Die irakische Stadt Mossul ist Schauplatz blutiger Kämpfe - die Menschen wollen fliehen, doch sie wissen nicht wohin. Viele kommen bei Angehörigen im Osten der Stadt unter, denn die Bedingungen in den Lagern sind schlecht.

Mossul ist hart umkämpft. Die Menschen in der Stadt leiden unter den Gefechten und versuchen zu fliehen. Seit Beginn der Anti-IS-Offensive sollen 355.000 Menschen aus Mossul geflohen sein. dpa

Kampf um Mossul

Mossul ist hart umkämpft. Die Menschen in der Stadt leiden unter den Gefechten und versuchen zu fliehen. Seit Beginn der Anti-IS-Offensive sollen 355.000 Menschen aus Mossul geflohen sein.

MossulSeit 18 Stunden sind Mohammed Ali und seine Familie auf den Beinen. Er und 20 Angehörige haben ihr Zuhause im Westteil Mossuls verlassen - auf der Flucht vor den Kämpfen zwischen den Regierungstruppen und dem IS. Doch die Hoffnungen, in einem der Flüchtlingslager unterzukommen, wurden bislang enttäuscht. „Wir haben es im Camp Hammam al-Alil versucht“, sagt der 50-Jährige. Doch das 35 Kilometer südlich der Stadt gelegene Lager ist voll.

Ali und seine Familie hoffen jetzt, in den Lagern Chaser und Hassan Scham unterzukommen. Ein Bus hat sie bis auf wenige Hundert Meter in die Nähe einer Kontrollstelle der kurdischen Peschmerga östlich von Mossul gebracht. „Hoffentlich kommen wir nach Chaser. Wir müssen es nur durch die Kontrolle schaffen“, sagt Ali. So wie ihm und seiner Familie geht es Tausenden, die vor den heftiger werdenden Kämpfen fliehen. Seit Beginn der Anti-IS-Offensive vor sechs Monaten sind nach Regierungsangaben aus beiden Hälften der Stadt 355.000 Menschen vertrieben worden.

Krisenherde in der arabischen Welt

SYRIEN

Seit 2011 wird das Land von einem Bürgerkrieg und dem Terror des Islamischen Staates (IS) erschüttert, mehr als 400.000 Menschen kamen bereits ums Leben. Millionen wurden vertrieben.

IRAK

Der zeitweilige Vormarsch des IS hat viele Menschenleben gekostet. 2015 starben in dem zerrütteten Land mehr als 7.500 Zivilpersonen eines gewaltsamen Todes. Dieses Jahr waren es bis September mehr als 4.000.

GAZA

Seit 2008 gab es drei Gaza-Kriege. Allein während des jüngsten Konflikts im Sommer 2014 wurden mehr als 2.200 Menschen getötet.

TÜRKISCHES KURDISTAN

Im Kurdenkonflikt starben seit 1984 mehr als 40.000 Menschen. Er strahlt in Nachbarländer ab. Seit 2015 eine Waffenruhe endete, herrschen in Teilen der Südosttürkei bürgerkriegsähnliche Zustände.

JEMEN

Im Bürgerkrieg zwischen der von Saudi-Arabien unterstützten sunnitischen Regierung und den schiitischen Huthi-Rebellen sind seit März 2015 mehr als 4.000 Zivilisten getötet worden.

SINAI

Das ägyptische Militär kämpft auf der Halbinsel gegen das Terrornetzwerk Islamischer Staat. Hunderte Menschen starben seit 2011 bei Anschlägen radikaler Islamisten auf der Halbinsel und in Kairo.

LIBYEN

Libyen ist nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi 2011 in Chaos und Bürgerkrieg versunken. Das Land gilt als Sammelbecken für IS-Kader aus dem Kerngebiet in Syrien und dem Irak.

Hammam al-Alil ist für sie zum Durchgangslager geworden. Im Matsch vor dem Haupteingang warten Hunderte Menschen. Sie haben sich um kleine Feuer geschart, um sich zu wärmen. Ein paar Toilettenkabinen wurden aufgestellt. Taxifahrer wittern ein Geschäft und rufen „Mossul, Mossul“, um die Menschen zurück in den Ostteil der Metropole zu bringen, in den Teil, aus dem die Islamisten bereits vertrieben wurden. Die Lebensbedingungen sind auch in den neu gebauten Flüchtlingslagern so schlecht, dass viele der Flüchtlinge lieber versuchen, zu Verwandten in den Ostteil zu gelangen.

Um Tahsin kommt aus dem Bezirk Dschidida. Elf Tage lang hätten sie und ihre Familie nichts zu Essen gehabt, sagt sie. „Die Extremisten schlagen die Leute, die sie nicht mögen oder sie töten sie. Warum sollen wir in die Lager gehen, nur um noch mehr zu leiden?“ Sie wolle jetzt nach Ost-Mossul. Wahrscheinlich gebe es dort auch kein Wasser, aber zumindest Familie habe sie dort.

Kampf gegen IS

Hungernde Flüchtlinge strömen aus Mossul

Kampf gegen IS: Hungernde Flüchtlinge strömen aus Mossul

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Auf einem Markt im Zentrum Ost-Mossuls sind viele junge Männer unterwegs. Sie kommen aus dem West-Teil, sagen sie. So auch der 30-jährige Waddah. Er wohne eigentlich in der Altstadt, sei aber mit seiner Frau und zwei Kindern sowie der Familie seines Bruders vor den Kämpfen und dem IS geflohen. Jetzt lebe er bei einem Cousin. „Es ist nicht ideal - wir sind 15 Leute in seinem Haus und einem Nebengebäude - aber es ist besser als in den kalten, übervollen Lagern.“

Große Sorgen macht sich Waddah um den Rest seiner Familie, der noch im umkämpften Gebiet eingeschlossen ist. Daher will er auch seinen vollen Namen nicht nennen. „Mein Bruder ist noch da. Er versucht anzurufen, wenn er kann, mit einem Handy aus dem Keller“. Die Islamisten bedrohen alle mit dem Tod, die Mobiltelefone benutzen. Immer wenn er nichts von seinen Angehörigen höre, habe er Angst, dass ihnen etwas zugestoßen sein könnte, sagt Waddah.

Von

rtr

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