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19.08.2014

07:40 Uhr

Krieg im Irak

„Der Wolf steht vor der Tür“

US-Präsident Barack Obama lässt weiter Ziele im Irak bombardieren. Gleichzeitig richtet er einen eindringlichen Appell an die Regierung in Bagdad. Die Extremisten drohen allen Bürgern der USA mit Blutrache.

Die Kämpfe gegen die Extremistenorganisation Islamischer Staat im Norden Iraks gehen weiter. ap

Die Kämpfe gegen die Extremistenorganisation Islamischer Staat im Norden Iraks gehen weiter.

Washington/BagdadNach der strategisch wichtigen Rückeroberung des Mossul-Staudamms hat US-Präsident Barack Obama die Regierung in Bagdad im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat zur Eintracht aufgerufen. Es sei wichtig, dass die irakische Führung politisch rasch Fortschritte mache, mahnte Obama am Montag vor Reportern in Washington. „Sie müssen das schaffen, weil der Wolf vor der Tür steht“, fügte er mit Blick auf die Kämpfer des Islamischen Staats hinzu.

Seit ihrem Vormarsch durch weite Teile des Westens und Nordens des Iraks musste die Extremistengruppe ihre bislang größte Niederlage einstecken: Mit US-Luftwaffenunterstützung im Rücken erlangten irakische und kurdische Truppen am Montag die Kontrolle über den strategisch wichtigen Mossul-Staudamm zurück, wie Obama und das örtliche Militär bestätigten. IS-Kämpfer hatten den Komplex am 7. August in ihre Gewalt gebracht und sich damit Zugang zu zu riesigen Strom- und Trinkwasserreserven gesichert.

Die Kurden im Irakkonflikt

Wie viele Kurden gibt es im Irak?

Von den fast 33 Millionen Einwohnern des Iraks sind rund 15 bis 20 Prozent Kurden. Sie stellen neben den arabischen Schiiten und Sunniten die dritte große Volksgruppe im Land. Die meisten Kurden leben im Norden des Landes, wo sie in ihrer Autonomieregion große Unabhängigkeit genießen. Dort haben sie ein eigenes Parlament und eine eigene Regierung.

Wie ist die Lage in den kurdischen Gebieten?

Während die Sicherheitslage im restlichen Teil des Iraks seit Jahren äußerst schwierig ist, galten die kurdischen Autonomiegebiete bisher als Insel der Stabilität. Die kurdische Hauptstadt Erbil erlebt seit Jahren einen Bauboom. Viele ausländische Firmen nutzen Erbil, um Geschäfte im Irak zu machen.

Welche Rolle spielen Kurden im Konflikt mit IS?

Nach ihrem Vormarsch ist die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) zuletzt jedoch näher an die Autonomiegebiete herangerückt. IS-Extremisten vertrieben kurdische Einheiten nördlich und westlich der Stadt Mossul. Die betroffenen Gebiete gehören zwar nicht zur kurdischen Autonomieregion, werden aber von den Kurden beansprucht. Als die irakischen Truppen nach Beginn des IS-Vormarsches Anfang Juni flohen, übernahmen dort zunächst die kurdischen Peschmerga die Kontrolle.

Welche Ziele verfolgen die Kurden?

Die Kurden wollen die verlorenen Gebiete zurückerobern und erhalten dafür Waffen von den USA. Unterstützt werden sie auch von Kämpfern der verbotenen türkischen PKK und deren syrischen Ableger.

Unterstützen Kurden den irakischen Staat?

In der irakischen Machtverteilung steht den Kurden der Posten des Staatschefs zu. Zuletzt trieb der Präsident der Autonomiegebiete, Massud Barsani, jedoch die Unabhängigkeit voran, ein alter Traum der Kurden. Im Machtkampf in Bagdad gehört Barsani zu den schärfsten Kritikern des bisherigen Regierungschefs Nuri al-Maliki.

Wäre es zu Sicherheitslücken am Damm am Tigris gekommen, hätte dies katastrophale Konsequenzen für Zivilisten und auch das Personal der US-Botschaft in Bagdad gefährden können, erklärte Obama. Zudem sei die vollständige Rückeroberung ein „bedeutender Schritt vorwärts“ im Kampf gegen die IS-Extremisten.

Allerdings gab es am Montag zunächst widersprüchliche Angaben zum Verlauf der Gefechte um den Staudamm: Der kurdische Militärsprecher Halgurd Hekmat vermeldete die vollständige Rückeroberung des Damms und der Umgebung der Talsperre durch die Peschmerga-Streitkräfte. Vorausgegangen seien zwei Tage lange Kämpfe. Doch das irakische Verteidigungsministerium sprach zunächst nur von der „Befreiung eines großen Teils“ des Staudamms.

Die Extremisten selbst wiesen dies im Internet zurück und erklärten, der Staudamm werde weiterhin von ihnen kontrolliert. Bagdad führe einen „bloßen Propagandakrieg“.

Kommentare (4)

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Herr C. Falk

19.08.2014, 08:27 Uhr

Es hilft nun einmal nichts, die Hauptverantwortung für pol.
Entwicklungen im Irak hat nach wie vor die USA zu tragen
und auch zu verantworten. Mit dem Sturz des Autokraten Sadam Hussain durch Herrn Bush wurde eine Lawine der politischen Instabilität losgetretn, die jetzt mit dem Auftreten des "Islamischen Staates" einen neuen Höhepunkt
erreicht hat. Obama will zwar, kann sich aber nicht aus der Verantwortung stehlen für eine verfehlte Politik seines Vorgängers und ist insofern auch eine "Geisel"
der Geister der Vergangenheit, die von Herrn Bush und den amerikanischen "Falken" heraufbeschworen wurde.

Herr Echo Bravo

19.08.2014, 09:13 Uhr

„Der Wolf steht vor der Tür“

Was für ein blödsinniger Vergleich.

Ich hätte lieber 10 Wölfe statt eines IS-Terroristen vor der Türe stehen.

Das Sprichwort "Homo homini lupus" ist eine Diffamierung des Wolfes.

Frau Pia Paff

19.08.2014, 10:22 Uhr

Man kann 20.000 ISIS Terroristen nicht platt machen? Lächerlich!
Da stecken perfide US Interessen dahinter. Amis haben die ISIS in Syrien gegen Assad bewaffnet. Jetzt ist das Game außer Kontrolle geraten.

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