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19.08.2014

15:21 Uhr

Krieg im Irak

Irakische Armee scheitert mit Vorstoß auf Tikrit

Rückschlag für die irakische Armee: Die Soldaten müssen ihre Offensive auf Tikrit wegen heftiger Gegenwehr abbrechen. US-Präsident Obama schwört sein Land auf einen langen Kampf ein.

Krieg im Irak: In der Nähe von Tikrit kam es zu schweren Gefechten. Reuters

Krieg im Irak: In der Nähe von Tikrit kam es zu schweren Gefechten.

BagdadDie irakischen Streitkräfte wollten die Stadt Tikrit von der Extremisten-Organisation Islamischer Staat (IS) zurückerobern. Doch bereits nach kurzer Zeit musste die Armee ihre Offensive am Dienstag abbrechen. Offiziere aus der Einsatzzentrale der irakischen Armee sagten Reuters, die Soldaten hätten nach heftigen Maschinengewehr- und Mörser-Beschuss ihren Vorstoß gestoppt. Zudem erschwerten Landminen und Heckenschützen das Vordringen der Truppen.

Die Stadt, die 160 Kilometer nördlich von Bagdad liegt, war im Juni von sunnitischen Aufständischen unter Führung der IS eingenommen worden. Dort leben besonders viele Anhänger des gestürzten langjährigen Machthabers Saddam Hussein, die sich mit den sunnitischen Extremisten verbündet haben, um gegen die von Schiiten geführte Regierung in Bagdad zu kämpfen. Saddams Geburtsort Audscha südlich von Tikrit wurde Anfang Juli von der Armee zurückerobert. Ein erster Versuch der Armee, die IS aus Tikrit zu vertreiben, war Mitte Juli gescheitert.

Die Kurden im Irakkonflikt

Wie viele Kurden gibt es im Irak?

Von den fast 33 Millionen Einwohnern des Iraks sind rund 15 bis 20 Prozent Kurden. Sie stellen neben den arabischen Schiiten und Sunniten die dritte große Volksgruppe im Land. Die meisten Kurden leben im Norden des Landes, wo sie in ihrer Autonomieregion große Unabhängigkeit genießen. Dort haben sie ein eigenes Parlament und eine eigene Regierung.

Wie ist die Lage in den kurdischen Gebieten?

Während die Sicherheitslage im restlichen Teil des Iraks seit Jahren äußerst schwierig ist, galten die kurdischen Autonomiegebiete bisher als Insel der Stabilität. Die kurdische Hauptstadt Erbil erlebt seit Jahren einen Bauboom. Viele ausländische Firmen nutzen Erbil, um Geschäfte im Irak zu machen.

Welche Rolle spielen Kurden im Konflikt mit IS?

Nach ihrem Vormarsch ist die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) zuletzt jedoch näher an die Autonomiegebiete herangerückt. IS-Extremisten vertrieben kurdische Einheiten nördlich und westlich der Stadt Mossul. Die betroffenen Gebiete gehören zwar nicht zur kurdischen Autonomieregion, werden aber von den Kurden beansprucht. Als die irakischen Truppen nach Beginn des IS-Vormarsches Anfang Juni flohen, übernahmen dort zunächst die kurdischen Peschmerga die Kontrolle.

Welche Ziele verfolgen die Kurden?

Die Kurden wollen die verlorenen Gebiete zurückerobern und erhalten dafür Waffen von den USA. Unterstützt werden sie auch von Kämpfern der verbotenen türkischen PKK und deren syrischen Ableger.

Unterstützen Kurden den irakischen Staat?

In der irakischen Machtverteilung steht den Kurden der Posten des Staatschefs zu. Zuletzt trieb der Präsident der Autonomiegebiete, Massud Barsani, jedoch die Unabhängigkeit voran, ein alter Traum der Kurden. Im Machtkampf in Bagdad gehört Barsani zu den schärfsten Kritikern des bisherigen Regierungschefs Nuri al-Maliki.

Im Norden des Irak versuchen irakische Streitkräfte und Kurdenmilizen mit US-Luftunterstützung, die IS zurückzudrängen. Am Montag meldeten sie die Rückeroberung des wichtigen Mossul-Staudamms.

US-Präsident Barack Obama schwor sein Land auf einen langen Kampf gegen die Extremisten. Um diese zu besiegen, würden die USA die neue irakische Regierung unterstützen und mit Schlüsselpartnern in der Region zusammenarbeiten, sagte Obama.

Der designierte irakische Regierungschef Haidar al-Abadi habe ihn in einem Telefonat mit seiner „Vision für eine Einheitsregierung“ beeindruckt, sagte Obama. „Aber jetzt müssen sie das auch hinbekommen, weil der Wolf schon vor der Tür steht“, fügte er mit Blick auf die radikalen Sunniten des IS hinzu.

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