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27.05.2015

17:07 Uhr

Krieg im Jemen

Luftangriff auf Polizeicamp fordert dutzende Tote

Ein Luftschlag auf ein Polizeigelände im Jemen durch die sunnitische Allianz um Saudi-Arabien hat mindestens 36 Tote gefordert. Eine Friedenskonferenz der Vereinten Nationen wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Ein Luftschlag der sunnitischen Allianz um Saudi-Arabien hat im Jemen mehrere Dutzend Opfer gefordert. Ziel soll eine Huthi-kontrollierte Polizeistation gewesen sein. dpa

Krieg im Jemen

Ein Luftschlag der sunnitischen Allianz um Saudi-Arabien hat im Jemen mehrere Dutzend Opfer gefordert. Ziel soll eine Huthi-kontrollierte Polizeistation gewesen sein.

SanaaSaudi-Arabien und seine Verbündeten haben die Luftangriffe auf die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen fortgesetzt. Beim Bombardement eines großen Polizeigeländes in der Hauptstadt Sanaa seien mindestens 36 Beamte getötet worden, teilte das jemenitische Gesundheitsministerium am Mittwoch mit. Die Kommandeure des Polizeicamps stehen den Angaben zufolge dem früheren Präsidenten und Huthi-Verbündeten Ali Abdullah Salih nahe.

Mehr als 100 Menschen wurden bei dem Angriff zudem verletzt, wie das mittlerweile von den Huthis kontrollierte Ministerium weiter mitteilte. Zeugen der Angriffe am frühen Mittwochmorgen sagten zudem, auch ein Marinestützpunkt in der im Westen gelegenen Stadt Hodeida sei bombardiert worden. Diese befindet sich wie Sanaa und weite Teile des Nordens in der Hand der Huthis.

Mit den Luftangriffen wollen Saudi-Arabien und weitere sunnitische Staaten verhindern, dass die Huthis nach der Eroberung von Sanaa im September 2014 nun den gesamten Jemen unter ihre Kontrolle bringen. Der 2011 aus dem Amt gedrängte Salih, der immer noch Getreue in Armee und Sicherheitsapparat hat, unterstützt sie bei ihrem Griff nach der Macht. Der derzeitige und international anerkannte Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi floh Ende März vor den heranrückenden Huthis nach Saudi-Arabien.

Gefechte im Jemen: Wer und was? (April 2015)

Die Huthis

Die Huthis sind ein schiitischer Volksstamm aus dem Nordjemen. Früher unterdrückt, etablierten sie sich mit Beginn des Arabischen Aufstands ab 2011 als politische Kraft. Im September 2014 eroberten rund 30.000 Huthis die Hauptstadt Sanaa. Vor einigen Wochen setzten sie Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi und die Regierung ab. Auf der Seite der Huthis stehen beträchtliche Teile der Armee, die dem 2012 zum Abgang gezwungenen Präsidenten Ali Abdullah Salih treu geblieben sind.

Präsident Hadi

Präsident Hadi flüchtete im vergangenen Februar in die südjemenitische Stadt Aden, von wo aus er versucht weiterzuregieren. Der von den USA unterstützte Staatschef will einen Föderalstaat errichten - scheiterte aber an der Stärke der Huthis.

Ex-Präsident Salih

Ex-Präsident Ali Abdullah Salih war über 30 Jahre Herrscher im Jemen. Nach Protesten musste er Anfang 2012 zurücktreten. Die USA werfen ihm vor, das Chaos geschürt zu haben. Die UN haben Sanktionen gegen ihn verhängt. Medien berichteten über Absprachen Salihs mit den Huthis. Saudi-Arabien gewährte Salih nach dessen Rücktritt Unterschlupf. Der reiche Golfstaat hat ein großes Interesse daran, den bettelarmen Jemen unter sunnitischer Kontrolle zu halten.

Der Iran

Der Iran versucht als Rivale Saudi-Arabiens, via Sanaa einen Fuß auf die Arabische Halbinsel zu bekommen. Das schiitische Land gilt als Verbündeter der Huthi-Rebellen. Experten vermuten, der Iran unterstütze die Huthis möglicherweise finanziell, habe aber - anders als im Falle der Hisbollah im Libanon oder der schiitischen Milizen im Irak - keinen operativen Einfluss auf sie.

Saudi-Arabien

Eine von Saudi-Arabien geführte regionale Militärallianz bombardiert seit Ende März 2015 im ganzen Land Stellungen und Waffenlager der Huthis und der Salih-loyalen Truppen. Riad sieht - anders als viele Nahost-Experten - in der Miliz der schiitischen Sekte einen „Klienten“ des Iran, der auf diese Weise die Kontrolle über den Hinterhof des sunnitischen Königreichs übernehmen wolle.

Al-Kaida

Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) ist der mächtigste Ableger des weltweit agierenden Terrornetzwerkes. Die sunnitischen Extremisten, die sich unter anderem zum Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ bekannten, galten bisher als heimliche Gewinner im Machtpoker um den Jemen. In den vergangenen Monaten bekannten sich Extremisten und bisherige Al-Kaida-Anhänger zu der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die große Teile des Iraks und Syriens kontrolliert. Trotz einer sehr ähnlichen Ideologie ist der IS mit Al-Kaida verfeindet.

Die Vereinten Nationen hatten eigentlich für Donnerstag eine Friedenskonferenz zum Jemen geplant, die sie aber am Dienstag offiziell auf unbestimmte Zeit verschoben. Die jemenitische Regierung und andere Beteiligte hätten um mehr Zeit gebeten, erklärte UN-Sprecher Stéphane Dujarric. Nach UN-Schätzungen wurden seit Beginn der saudi-arabischen Luftangriffe am 26. März bisher mehr als 1000 Zivilisten getötet, darunter mehr als 360 Frauen und Kinder.

Von

ap

Kommentare (1)

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Herr Thomas Podgacki

27.05.2015, 19:31 Uhr

Vielleicht sollte ich doch nicht nach Salalah in Urlaub fliegen?
Noch glaubt Saudi Arabien den Konflikt so in den Griff zu bekommen.

Schönen Abend noch.

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