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23.07.2015

09:27 Uhr

Krieg im Paradies

Venezuela und Guyana kämpfen um Ölschätze

Innenpolitisch läuft es derzeit schlecht für Venezuelas Präsident Nicolás Maduro. Da kommt ihm der Konflikt mit Guyana gerade recht. Es geht um gewaltige Ölschätze, die im kleinen Nachbarstaat schlummern.

Venezuelas Präsident Maduro gibt sich kämpferisch. Er will sich die Ölreserven des kleinen Nachbarstaates Guyana an den Nagel reißen. dpa

Nicolás Maduro

Venezuelas Präsident Maduro gibt sich kämpferisch. Er will sich die Ölreserven des kleinen Nachbarstaates Guyana an den Nagel reißen.

Caracas/GeorgetownDer Ton ist ziemlich schroff. Von beiden Seiten. Der gegenseitige Austausch von Reis und Öl wurde gestoppt. Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff mahnt Venezuela unverhohlen: „Keine Abenteuer.“ Seit Wochen verschärft sich ein alter Grenzstreit zwischen der Ölmacht und dem kleinen Nachbarn Guyana. Es geht um die Oberhoheit über neue, lukrative Rohstoffreserven im Atlantik.

Alles fing am 27. Mai mit dem Dekret Nr. 1787 des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro an, mit dem der Anspruch auf ein 160.000 Quadratkilometer großes Gebiet westlich des Flusses Essequibo bekräftigt wurde. Und damit auch auf die Zone im Meer, die westlich des in den Atlantik mündenden Flusses liegt. Venezuela droht auch damit, Pässe an die im Gebiet lebenden Bewohner auszugeben. Guyana hat 760.000 Einwohner und gehört mit Surinam und Französisch-Guayana zu den oft vergessenen kleinen Exoten im Norden Südamerikas.

Das Land war bis 1966 britische Kolonie – im Zuge der Neuordnung Europas und der Übersee-Kolonien durch den Wiener Kongress 1815 hatte das Vereinigte Königreich das Gebiet zugesprochen bekommen, den Niederländern blieb nur Surinam, bis heute ist es der einzige Staat in Südamerika, in dem niederländisch die Landessprache ist. Guyana wiederum ist hier der einzige Staat, der noch die Todesstrafe hat.

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Würde Präsident David Granger nachgeben, könnte Guyana 65 Prozent seines Territoriums verlieren. Es gab bereits mehrere Verträge und Schlichtungsversuche zur Grenzfrage, erst zwischen Venezuela und den Briten 1899, dann die Vereinbarung von Genf 1966 zwischen Venezuela, Großbritannien und dem unabhängig gewordenen Guyana. Eine Kommission sollte demnach eine Lösung finden für einen allseits akzeptierten Grenzverlauf. Doch man hat sich bis heute nicht gemeinsam geeinigt.

Guyanas Außenministerium argumentiert auf Anfrage, es gebe eine „ökonomische Aggression“ Venezuelas, mit dem Ziel „Guyanas Willen zu brechen“ und die Essequibo-Region aufzugeben. Unter Maduros sozialistischem Vorgänger Hugo Chavéz habe es hingegen eine klare Verbesserung der Beziehungen gegeben – aber der Konflikt war nur eingefroren. Das Ministerium argumentiert, bereits 1899 sei die Grenzfrage geklärt worden - bis Venezuela dies „für null und nichtig erklärt habe“ – nur deshalb habe es überhaupt das Abkommen von Genf zur Suche nach einer neuen Lösung gegeben. Maduro pocht darauf, dass Guyana im strittigen Meeresgebiet vor der Küste keine Lizenzen zur Ölförderung verteilen darf. Doch genau das ist passiert.

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