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23.02.2016

15:51 Uhr

Krieg in Afghanistan

Friedensgespräche mit Taliban für März geplant

Die afghanische Regierung und ihre Alliierten laden die Taliban zu Friedensgesprächen ein. Doch ob diese das Angebot annehmen, ist unklar. Bisher haben sie darauf bestanden, dass ihre Bedingungen erfüllt sein müssen.

Eine afghanische Sicherheitseinheit bezieht Position gegen die Taliban. Neue Gespräche zwischen der Regierung und den Terroristen sollen endlich Frieden bringen. dpa

Ausharren

Eine afghanische Sicherheitseinheit bezieht Position gegen die Taliban. Neue Gespräche zwischen der Regierung und den Terroristen sollen endlich Frieden bringen.

Kabul Friedensgespräche mit den radikalislamischen Taliban sollen in der ersten Märzwoche stattfinden. Das geht aus der am Dienstagabend (Ortszeit) in Kabul veröffentlichten Stellungnahme der neuen Friedensallianz für Afghanistan nach ihrem vierten Treffen hervor. Die Vertreter der Regierungen von Afghanistan, Pakistan, China und den USA luden demnach „alle Taliban und andere Gruppen ein, sich mit ihren autorisierten Repräsentanten an der ersten Runde direkter Friedensgespräche zu beteiligen“. Die Gespräche sollen in Islamabad stattfinden.

Afghanische Regierungsmitglieder hatten die Sorge geäußert, dass der Friedensprozess zu spät beginne, weil bis zur Frühjahrsoffensive der Taliban nur noch wenig Zeit bleibe.

Die Taliban meldeten sich nach der Einladung zunächst nicht zu Wort. Bisher lehnten die Aufständischen Friedensgespräche ab. Während einer inoffiziellen Friedenskonferenz in Katar hatte eine hochrangige, 15-köpfige Taliban-Delegation vor einem Monat zudem klar gemacht, dass Bedingungen erfüllt sein müssten, bevor Gespräche beginnen könnten. Dazu gehörten die Aufhebung von UN-Sanktionen gegen die Taliban sowie die Freilassung von Gefangenen.

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Mehr Binnenflüchtlinge

250.000 neue Binnenflüchtlinge erwartet die Uno für das Jahr 2016. Das ging aus dem vergangene Woche veröffentlichten neuen Humanitären Reaktions-Plan der Uno hervor. In 2015 waren 200.000 Menschen vor Gefechten und Angriffen aus ihren Dörfern geflohen – ein Anstieg von 64 Prozent verglichen mit 2014.

Weniger Helfer

Um 20 Prozent ist die Zahl der in der umkämpften Provinz Helmand tätigen humanitären Helfer 2015 geschrumpft, heißt es in dem Bericht weiter.

Eroberungen durch Taliban

23 Bezirkszentren eroberten die Taliban in 2015. Ein Großteil konnte zurückerobert werden.

Gebiete unter Taliban-Kontrolle

27 der 407 Bezirke stehen unter direkter Kontrolle der Taliban oder ihrem Einfluss. 88 weitere Bezirke drohen in ihre Hände zu fallen, schreibt der Spezialinspekteur des amerikanischen Senats für den Wiederaufbau in Afghanistan (Sigar) in einem Ende Januar veröffentlichten Bericht.

Mehr tote Polizisten

27 Prozent mehr tote und verletzte afghanischen Polizisten und Soldaten verzeichnet der am 15. Dezember veröffentlichte Bericht des amerikanischen Verteidigungsministeriums zur Sicherheit und Stabilität in Afghanistan für 2015 verglichen mit 2014 (bis November). Absolute Zahlen nennt das Papier nicht. Nach einem Bericht der Washington Post liegt die Gesamtzahl der in 2015 (bis November) getöteten Soldaten und Polizisten bei mehr als 7000.

Mehr schwere Angriffe

28 schwere („high profile“) Angriffe und Anschläge verzeichnet derselbe Pentagon-Report allein in der Hauptstadt Kabul zwischen Januar und Mitte November 2015 - ein Anstieg von fast 30 Prozent verglichen mit 2014. Ab Januar setzte sich die Serie mit mindestens sechs weiteren großen Anschlägen auf Regierung und Sicherheitskräfte, aber auch „weiche“ Ziele wie ein Hotel und ein Restaurant fort.

Einsatzkräfte

1 der 101 Infanterie-Einheiten im Land sei einsatzbereit, heißt es in einem „Spiegel“-Report vom Januar.

Sicherheitsrelevante Vorfälle

6601 „sicherheitsrelevante Vorfälle“ verzeichnete der Dezember-Bericht des Uno-Sicherheitsrats allein bis 31. Oktober. Das sei ein Anstieg von 19 Prozent verglichen mit 2014.

Ermordungen und Entführungen

447 gezielte Ermordungen und Entführungen von Zivilisten begangen von Extremisten verzeichnet derselbe Uno-Bericht bis 31. Oktober 2015. Das sei ein Anstieg von zwölf Prozent verglichen mit 2014.

Tote Zivilisten

4921 tote und verletzte Zivilisten zählten die Vereinten Nationen in ihrem Bericht zu Zivilopfern in Afghanistan allein in der ersten Hälfte von 2015 - ein neuer Rekord. Zwischen 1. August und 31. Oktober verzeichneten die Uno laut Uno-Sicherheitsratsbericht vom Dezember dann weitere 3693 zivile Tote und Verletzte (26 Prozent mehr als in 2014).

Aus pakistanischen Sicherheitskreisen hieß es aber, die Vierländergruppe habe sich schon am Vorabend des letzten Treffens Anfang Februar mit Talibanvertretern getroffen und Termine für Gespräche abgesprochen. Auch der Chef des halboffiziellen Politischen Büros der Taliban in Katar, Scher Mohammad Abbas Staniksai, sei dabei gewesen. Mitglieder der afghanischen Regierung sowie des Hohen Friedensrats wollten das Treffen nicht bestätigen.

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Ein eskalierender Syrienkrieg, unkontrollierbare Flüchtlingswellen, eine angeschlagene Weltwirtschaft: Die bisherige Ordnung, wie wir sie kennen, löst sich auf. An ihre Stelle tritt eines: Ungewissheit. Ein Essay.

Der afghanische Außenminister Salahuddin Rabbani hatte in seiner Eröffnungsrede gesagt, alle Aufständischen sollten die Gewalt beenden. Er warnte: „Zu denen, die sich weigern, sagen wir, dass unsere tapferen Streitkräfte bereit sind, sich ihnen entgegenzustellen.“

Die Taliban haben die afghanischen Streitkräfte in den vergangenen Monaten allerdings schwer unter Druck gesetzt. Über das Wochenende hatten sie aus ihren Stellungen in drei Bezirken der schwer umkämpften Südprovinz Helmand abziehen müssen. 2015 waren mindestens 7000 Soldaten und Polizisten ums Leben gekommen.

Die Regierungen von Afghanistan, Pakistan, China und den USA hatten im Dezember angesichts der eskalierenden Gewalt im Land beschlossen, noch einmal zu versuchen, die Taliban an den Verhandlungstisch zu bringen.

Gespräche waren zuletzt im Juli gescheitert. Damals hatte Pakistan die Taliban unter erheblichem Druck an den Verhandlungstisch gebracht. Dann wurde jedoch von unbekannter Seite die Nachricht vom Tod des langjährigen Talibanchefs Mullah Omar lanciert. Das stürzte die Taliban in anhaltende Nachfolgekämpfe.

Von

dpa

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