Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.04.2011

07:40 Uhr

Krieg in Libyen

Gaddafi fordert Staatschefs zum Rücktritt auf

Gaddafi kann die Rücktrittsforderungen nicht mehr hören - die Staatschefs, die gegen ihn bomben, sollen doch zurücktreten. Eine Bewaffnung der Rebellen ist weiter unsicher, doch Gaddafis Macht löst sich weiter auf.

Libyen-Konferenz für Fortsetzung des Militäreinsatzes

Video-News: Libyen-Konferenz für Fortsetzung des Militäreinsatzes

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

TripolisDer libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi mag nicht mehr hören, dass ihn alle Welt immer wieder zum Rücktritt auffordert. Am Donnerstagabend holte er zum Gegenschlag aus und forderte seinerseits den Rücktritt der Staatschef aller Länder, die sich an der militärischen Allianz zum Schutz der libyschen Zivilbevölkerung beteiligen. Gaddafi sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Jana, die Luftangriffe in Libyen seien eine Neuauflage der Kreuzzüge, „ein Kampf zwischen Muslimen und Christen“ auf beiden Seiten des Mittelmeeres. Dass sich inzwischen auch Staaten mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit der Allianz angeschlossen haben, verschwieg er.

Dennoch: Gaddafis Truppen haben nach US-Einschätzung trotz des internationalen Militäreinsatzes weiterhin deutlich die Oberhand gegenüber den Rebellen. Das Heer Gaddafis sei gemessen an der Truppenstärke und Ausrüstung ungefähr zehn Mal so schlagkräftig wie die Aufständischen, sagte US-Generalstabschef Mike Mullen am Donnerstag vor dem Streitkräfte-Ausschuss des Abgeordnetenhauses. Zudem agiere der Diktator skrupellos, warnte der amerikanische Top-Militär. Gaddafi würde „so viele (Menschen) töten, wie er müsse, um die Rebellion niederzuschlagen.“

Die Machtbasis von Gaddafis löst sich unterdessen immer weiter auf. Großbritannien wertet die Flucht von Außenminister Mussa Kussa nach London als Zeichen für den Zusammenbruch des Regimes. Nach einem Bericht des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira haben sich offensichtlich weitere Vertraute Gaddafis abgesetzt. Zuvor hatten bereits der Innen- und der Justizminister dem Diktator die Gefolgschaft aufgekündigt.  

Ein libyscher Topdiplomat, der jetzt auf Seiten der Opposition steht, sagte laut Al-Dschasira, dass die meisten hochrangigen Beamten gern flüchten würden, aber streng bewacht würden und deshalb Schwierigkeiten hätten, das Land verlassen zu können. Auch eine Gruppe von Topbeamten, die zu Gesprächen nach Tunesien gereist war, wolle nicht wieder nach Hause zurückkehren.  

Allerdings sollten die USA nach Auffassung von Verteidigungsminister Robert Gates ihre Beziehungen zu den Aufständischen in Libyen vorerst nicht weiter ausbauen. Er sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt gegen die Ausbildung und Bewaffnung der Rebellen, sagte Gates am Donnerstag vor dem US-Kongress.    

Bislang lägen noch zu wenig Informationen über die Aufständischen und ihre Ziele vor. „Die nächste Frage wird sein, welche Unterstützung wir der Opposition abseits von Waffenlieferungen anbieten können“, sagte Gates. Wenn es zu einer solchen Art der Unterstützung komme, dann gebe „es genügend andere Quellen als die USA“, sagte Gates. „Das ist etwas, was eine Menge anderer Staaten tun könnte.“ Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach sich in China gegen Waffenlieferungen an die libyschen Rebellen aus.

Die libyschen Aufständischen scheiterten am Donnerstag mit dem Versuch, die Küstenstadt Brega wieder einzunehmen, aus der sie am Vortag von den Regimetruppen vertrieben worden waren. Der Vorstoß mit mehreren Dutzend Fahrzeugen geriet in heftiges Artilleriefeuer der Gaddafi-Verbände und musste abgebrochen werden, berichtete ein BBC-Reporter aus dem Kampfgebiet. Die Milizen der Regimegegner stünden nun unverändert etwa zehn Kilometer westlich der Stadt Adschdabija, sagte der Reporter. Der Ort liegt etwa 200 Kilometer von der ostlibyschen Rebellenhochburg Bengasi entfernt.  

Wie schon in den letzten Tagen erwiesen sich die Trupps der Aufständischen den regimetreuen Verbänden an Bewaffnung und militärischem Organisationsgrad als unterlegen. Die Milizen der Regimegegner waren am letzten Wochenende bis vor Sirte, 400 Kilometer westlich von Adschdabija, vorgedrungen, nachdem die westliche Militärallianz den Gaddafi-Truppen mit Luftangriffen schwer zugesetzt hatte. Seitdem aber das ausländische Bündnis die Attacken in dieser Region reduziert hat, befinden sich die Rebellen auf dem Rückzug. Sie sind militärisch schlecht ausgerüstet und verfügen nicht über ausreichend Kommunikationsmittel wie Funkgeräte.  

Von

dpa

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Wolle

01.04.2011, 08:30 Uhr

Bis jetzt habe ich von den Rebellen, Aufständigen oder auch Freiheitskämpfern noch keine klare Aussage über die Zukunft ihres Landes gehört und das macht nachdenklich.

Ungeachtet dessen sollte man diese Leute mit modernen Waffen versorgen und durch die Luftwaffe unterstützen, ansonsten hätte man sich von Anfang an aus diesem Konflikt heraushalten müssen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×