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23.08.2011

02:20 Uhr

Krieg in Libyen

Kämpfe in der Nacht

In der Nacht zum Dienstag verstärken Rebellen und Nato noch einmal ihre Angriffe im Libyen-Krieg. Gaddafis Streitkräfte feuern eine Scud-Rakete ab. Derweil gehen in Washington die ersten Verhandlungsangebote ein.

Ein verwundeter Mann in Tripolis. dpa

Ein verwundeter Mann in Tripolis.

Bengasi/Washington/Kairo/TripolisBei ihrem Kampf um die Kontrolle der libyschen Hauptstadt Tripolis haben die Rebellen weitere Verstärkung aus der Hafenstadt Misrata erhalten. Mehrere Schiffe mit rund 500 Kämpfern und Waffen an Bord hätten am Montag Tripolis erreicht, weitere Aufständische seien über die Küstenstraße in die Hauptstadt vorgedrungen, teilte der Militärrat von Misrata mit.

Soldaten von Machthaber Muammar Gaddafi hätten den Konvoi auf dem Weg nach Tripolis beschossen und dabei drei Rebellen getötet. Weitere Kämpfer hätten von Misrata aus ihren Vormarsch auf Sirte, Gaddafis Geburtsort, fortgesetzt.

Kurz vor Beginn der Blitzoffensive der Rebellen gegen Tripolis haben Vertraute Gaddafis nach Angaben von US-Regierungsvertretern «verzweifelte» Verhandlungsversuche gestartet. Zahlreiche selbsternannte Repräsentanten Gaddafis hätten in den «letzten 24 bis 48 Stunden» in Washington vorgefühlt, berichtete Außenamtssprecherin Victoria Nuland. Doch kein einziges Angebot sei auf die Hauptforderung der internationalen Gemeinschaft eingegangen und habe Gaddafis sofortigen Machtverzicht angeboten.

Aus dessen engstem Kreis kommen ganz andere Töne. Der wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesuchte Gaddafi-Sohn Saif al-Islam ist nach Berichten der britischen BBC nicht in der Hand der libyschen Rebellen. Der 39-Jährige sei auf freiem Fuß und in Tripolis in der Nacht zum Dienstag im Hotel Rixos mit Journalisten zusammengetroffen, hieß es auf der Internetseite des Senders.

Er sein in einem gepanzerten Fahrzeug vorgefahren. Die Aufständischen hatten mitgeteilt, dass sie Saif al-Islam Gaddafi am Sonntagabend gefangen hätten. Unklar sei, ob der Gaddafi-Sohn später wieder freigekommen sei oder sich überhaupt nicht in den Händen der Rebellen befunden habe, berichtete ein BBC-Korrespondent aus Tripolis.

Saif al-Islam Gaddafi habe sich zuversichtlich gezeigt, die Aufständischen noch zu besiegen. „Wir haben den Rebellen das Rückgrat gebrochen. Es war eine Falle“, habe er während der kurzen Unterhaltung mit den Journalisten gesagt. Auf die Frage, ob sein Vater sich noch in Tripolis befinde und in Sicherheit sei, habe er achselzuckend „selbstverständlich“ erwidert.

Die Nato hat nach Berichten des arabischen Nachrichtensenders Al-Arabija in der Nacht zum Dienstag in Tripolis die Residenz von Muammar al-Gaddafi angegriffen. Wie der Sender unter Berufung auf Angaben der Rebellen berichtete, waren vom Gelände der Residenz in Bab Al-Asisija schwere Explosionen und Gewehrfeuer zu hören.

Wo sich Gaddafi aufhält, ist nach wie vor unbekannt. Als möglicher Aufenthaltsort gilt das Bunkersystem unter der Residenz. Nach Angaben der Gaddafi-Gegner befinden sich noch bis zu 20 Prozent der libyschen Hauptstadt unter Kontrolle der Gaddafi-Truppen, darunter das Gelände in Bab Al-Asisija.

Unterdessen haben die libyschen Streitkräfte laut US-Angaben am Montagabend erneut eine Scud-Rakete abgefeuert. Wo das Geschoss landete und ob es Verletzte gab, war zunächst nicht bekannt. Die Kurzstreckenrakete wurde aus der Nähe von Sirte, der Heimatstadt von Staatschef Muammar al Gaddafi, abgefeuert, wie aus Militärkreisen in Washington verlautete. Sirte steht noch unter der Kontrolle des Regimes.

Die libyschen Regierungstruppen hatten am 15. August erstmals seit Beginn des Konflikts eine Scud-Rakete abgefeuert. Sie wurde in der Nähe von Sirte abgeschossen und landete in der Wüste außerhalb von Brega. Verletzt wurde niemand.

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