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28.03.2011

06:48 Uhr

Krieg in Libyen

Rebellen rollen Gaddafis Front auf

Unter dem Schutz der westlichen Bomber erobern die Rebellen Stadt um Stadt zurück - angeblich haben sie nun Gaddafis Geburtsstadt Sirte eingenommen. Die Revolution rückt auf Gaddafi vor - nächster Halt: Tripolis.

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Die Luftschläge der westlichen Koalition zwingen den libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi immer mehr in die Defensive. Zudem übernimmt die Nato das Kommando des gesamten internationalen Militäreinsatzes in Libyen. Dies teilte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Sonntagabend in Brüssel nach einem Beschluss der Botschafter der 28 Nato-Staaten mit.

„Unser Ziel ist es, Zivilisten und von Zivilisten bewohnte Gebiete zu schützen, die von einem Angriff durch das Gaddafi-Regime bedroht sind“, heißt es in der Erklärung Rasmussens. Rasmussen sagte, die führenden Kommandeure der Nato seien beauftragt worden, diesen Einsatz „mit sofortiger Wirkung umzusetzen“.

Nach der Übernahme der Verantwortung für sämtliche Einsätze müssen nun die Nato-Mitglieder entscheiden, ob und wie sie sich daran beteiligen wollen. Als erstes und einziges Bündnisland hat Deutschland eine Beteiligung am Einsatz in Libyen ausgeschlossen.  

Die Milizen der Regimegegner erreichten am Sonntag bei ihrem Vormarsch nach Westen den Ort Bin Dschawad. Sirte wurde am Sonntagabend nach einem Bericht des libyschen Staatsfernsehen erstmals bombardiert. Die Aufständischen in Libyen haben nach eigenen Angaben den Heimatort des libyschen Machthabers Muammar Gaddafi eingenommen.

Sirte sei in der Hand der Rebellen, berichtete auch der arabische TV-Sender Al-Dschasira am Montagmorgen unter Berufung auf einen Sprecher des Nationalen Übergangsrats aus Bengasi. Die Rebellen seien in der Nacht zum Montag in die Stadt eingerückt. Sie seien auf keinen nennenswerten Widerstand getroffen.

Die Gaddafi-Truppen hätten die Stadt zuvor in Richtung Tripolis verlassen. Eine unabhängige Bestätigung dafür lag zunächst nicht vor. Auch in der Hauptstadt Tripolis seien Explosionen zu hören gewesen, berichtete Al-Dschasira in der Nacht zum Montag.

Die Nachrichtenagentur Reuters meldete allerdings, die Stadt sei offenbar doch nicht von Rebellen erobert worden. Ein Reuters-Reporter berichtete am Montag aus der Küstenstadt östlich von Tripolis, es sehe „relativ normal“ aus in den Straßen. Die Reise dorthin wurde von der libyschen Regierung organisiert. Es gebe keine Anzeichen für Kämpfe, sagte der Reporter.

Mit Hilfe der Nato-Bomben rücken die Rebellen immer weiter Richtung Westen nach Tripolis vor. Quelle: dpa

Mit Hilfe der Nato-Bomben rücken die Rebellen immer weiter Richtung Westen nach Tripolis vor.

Die Aufständischen hatten am Samstag die Stadt Adschdabija, 160 Kilometer südlich von Bengasi, eingenommen. Am Sonntag legten sie eine Strecke von 250 Kilometern zurück, ohne in Kampfhandlungen verwickelt worden zu sein. Damit kontrollieren sie nun alle strategisch wichtigen Ölhäfen im Osten Libyens - Tobruk, Adschdabija, Suweitina, Brega, Ras Lanuf, und Al-Sidra.

Nach Ansicht von Großbritanniens Verteidigungsminister Liam Fox sind die Aufständischen bald in der Lage, die Kontrolle über die Ölexporte des Landes zu übernehmen. Damit könnten sie die „politische Dynamik“ des Konfliktes entscheidend ändern, sagte Fox am Sonntag der BBC.

In der Innenstadt von Misurata in Westlibyen spielten sich am Sonnatagabend nach Rebellenangaben Straßenkämpfe zwischen Anhängern und Gegnern des Diktators ab. In Brega und Ras Lanuf trafen die Rebellen auf keinen Widerstand der Gaddafi-Truppen, berichtete ein Korrespondent des Nachrichtensenders Al-Dschasira.  

Französische Kampfjets zerstörten am Sonntag nahe der umkämpften libyschen Stadt Misurata sowie östlich der Hauptstadt Tripolis Panzer und ein größeres Munitionsdepot. Nach Angaben des Generalstabs in Paris verstärkte Allianzpartner Katar mit dem Eintreffen von vier weiteren Kampfflugzeugen des Typs Mirage 2000-5 auf der griechischen Insel Kreta sein Kontingent auf sechs Militärjets. Erst am Vortag hatten französische Kampfjets die Zerstörung von mehreren einstrahligen Flugzeugen sowie zwei schweren Kampfhubschraubern bekanntgegeben.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte der britischen Zeitung „The Guardian“, Ankara sei bereit, eine baldige Waffenruhe in Libyen zu vermitteln. Erdogan warnte davor, dass ein langwieriger Konflikte das Land in einen „zweiten Irak“ oder „ein weiteres Afghanistan“ verwandeln könnte.

Dies könnte verheerende Auswirkungen auf Libyen und die Nato-Länder haben, die die Militärintervention anführten. Erdogan sagte, dass Gespräche mit der Regierung des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi und mit dem Nationalen Übergangsrat der Aufständischen weiter liefen.

Kommentare (8)

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Torsten_Steinberg

28.03.2011, 10:05 Uhr

Spätestens nachdem die Rebellen jetzt mit Sirte auch die erste Stadt eingenommen haben, deren Einwohner in nennenswerter Zahl Anhänger Ghadafis sein sollen, ist es an der Zeit, das Verhalten der Rebellen gegenüber ihren zivilen Gegnern auf den Prüfstand zu stellen.
Gibt es überhaupt ausländische, der Objektivität verpflichtete Journalisten oder andere Beobachter in den gerade erst von den Rebellen zurückeroberten Gebieten? Dann möchte ich endlich mal konkret und nicht immer nur aus der Vogelperspektive oder in Form bloßer Vermutungen über das Geschehen unterrichtet werden!

Account gelöscht!

28.03.2011, 11:12 Uhr

Ihre Zweifel in Ehren, aber ... die sogenannten "Rebellen" sind größtenteils Zivilisten. Leider wird bei uns immer noch der irreführende Begriff "Rebellen" benutzt. Besser wäre der Begriff, revoltierendes Volk.
Gaddafis lächerlicher Familienclan versucht nur, der Welt ein verzerrtes Bild über seinen Staatssender zu verbreiten, um seine Herrschaft noch ein Weilchen zu halten. Die angeblichen Gaddafi-Anhänger sind von ihm gekauft bzw. haben schon immer von seinem Regime profitiert. Die wenigen Anhänger, lassen wir es mal ein paar tausend sein, werden vom Staatsfernsehen in Szene gesetzt. Während die meisten Gaddafi-Gegner von bezahlten Sicherheitskräften und Söldnern im Bereich Tripolis kurz gehalten werden. Wenn man nicht pro Gaddafi, ist die Brutalität des Regimes gegen seine Gegnerschaft, in unserer demokratischen Welt kaum vorstellbar. Und Gaddafi würde sogar seine eigene Großmutter verkaufen, wenn sie der Verlängerung seiner Herrschaft dient.
Menschliche Schutzschilde, von Gaddafi positionierte Leichen an den Einschlagsstellen der NATO und die ständigen wechselnden Sprüche Gaddafis zeigen nur, dass er sich in den letzten 40 Jahren nicht geändert hat. Und jetzt ist es an der Zeit, dass Dispoten wie er in der neuen arabischen Welt nicht mehr geduldet werden.

Account gelöscht!

28.03.2011, 11:26 Uhr

bewaffnete sind grundsätzlich keine zivilisten. desweiteren gibt es ständig(insbesondere im krieg) immer einen kampf um die meinung der menschen bedeutet propaganda und antipropaganda. daher ist es für den einzelnen menschen sehr schwierig zu entscheiden was nun wahr und falsch ist. gleiches sehn wir ja nur auf anderer ebene bei der diskussion um die atomkraft in deutschland wo auch niemand genau weiss was denn jetzt wirklich notwenidig ist und was nicht.
gesicherte informationen zu libyen sind sicherlich, dass es sich um keine demokratie sondern um eine diktatur handelt. richtig ist aber auch das libyen in wohlstand gelebt hat und in relativer unabhängigkeit vom westen agieren konnte. und sicher ist auch, das die rebellen sich nicht für zivilen ungehorsam sondern für den bewaffneten kampf enstscheiden haben, villeicht weil sie befürchtet haben nicht genug rückhalt in der bevölkerung zu finden?!?

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