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15.12.2016

16:57 Uhr

Krieg in Syrien

Assad erklärt Aleppo für befreit

Baschar al-Assad will die umkämpfte Stadt Aleppo befreit haben. Aber zu welchem Preis? Die Stadt liegt in Schutt und Asche, die humanitäre Lage ist katastrophal. Der syrische Machthaber lässt sich trotzdem feiern.

Eine Stadt in Schutt und Asche

Raus aus Aleppo - Russische Soldaten evakuieren Syrer

Eine Stadt in Schutt und Asche: Raus aus Aleppo -  Russische Soldaten evakuieren Syrer

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AleppoDie ersten Zivilisten und Verwundeten haben die Rebellengebiete in Ost-Aleppo verlassen und sind mit Bussen ins Umland der umkämpften Metropole transportiert worden. Beobachter und syrische Militärkreise berichteten, dass ein erster Konvoi mit mehreren hundert Menschen Ost-Aleppo verlassen habe. Angesichts der Lage in der Stadt könnte sich die Evakuierungsmission aber noch länger hinziehen. Syriens Präsident Baschar al-Assad erklärte die Stadt für befreit. Er gratulierte dem syrischen Volk; .„Was heute in Aleppo passiert, wird Geschichte schreiben.“

Der pro-syrische TV-Sender Al-Mayadeen zeigte ab dem Mittag Bilder einer Kolonne mit grünen Bussen und Krankenwagen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) und des Syrischen Arabischen Roten Halbmondes, die die Rebellengebiete verließen. Bei einer ersten Fahrt seien 951 Menschen aus der Stadt gebracht worden, hieß es aus syrischen Militärkreisen. Bei einem Drittel davon habe es sich um Kämpfer gehandelt.

Keine Hoffnung in Aleppo: „Wir wollen raus“

Keine Hoffnung in Aleppo

„Wir wollen raus“

Die Busse für den Abzug von Kämpfern und Zivilisten aus Aleppos Rebellengebieten standen schon bereit – herausgebracht aber wurde trotzdem niemand. Woran ist das ausgehandelte Abkommen gescheitert?

Insgesamt sollen den Angaben zufolge etwa 15.000 Menschen aus den Rebellengebieten abtransportiert werden. Neben 5000 Kämpfern soll es sich demnach um deren Angehörige und um Zivilisten handeln, die sich noch in den eingeschlossenen Gebieten aufhalten. Sie sollen in die Provinz Idlib südwestlich von Aleppo gebracht werden. Die Provinz wird größtenteils von der bewaffneten Opposition kontrolliert.

Die Konfliktparteien hatten sich am Mittwochabend auf den Abzug von Kämpfern und Zivilisten aus Aleppos Rebellengebieten geeinigt, nachdem zuvor eine bereits getroffene Einigung geplatzt war. Die Evakuierung hatte sich auch am Donnerstag zunächst verzögert. Aktivisten und Hilfskräfte berichteten, dass sie bei einem ersten Versuch beschossen worden seien. Fünf Menschen seien dabei verletzt worden.

Die Vereinten Nationen bereiten sich nach eigenen Aussagen darauf vor, dass bis zu 100.000 Menschen in die Provinz Idlib fliehen könnten. Die UN seien in Kontakt mit der Türkei, um weitere Flüchtlingslager zu errichten, weil die Menschen möglicherweise auch in der nordwestlichen Provinz Idlib nicht in Sicherheit seien, sagte UN-Nothilfekoordinator Jan Egeland.

In Ost-Aleppo halten sich noch Zehntausende Menschen auf, von denen viele in zerbombten Häusern untergekommen sind. Wegen einer monatelangen Blockade wird die humanitäre Lage dort immer katastrophaler. Es fehlt akut an Trinkwasser, Nahrung und medizinischer Versorgung. Weil es kaum Strom und Treibstoff gibt, können die Menschen trotz der Wintertemperaturen nicht heizen.

„Ich habe noch nie zuvor dieses Ausmaß menschlichen Leids gesehen“, wird die die Leiterin der IKRK-Mission, Marianne Gasser, in einer Nachricht der Organisation auf Twitter zitiert. „Es ist schwer zu fassen, wie die Menschen überlebt haben“, fügte der Regionaldirektor des IKRK, Robert Mardini, hinzu.

Warum Aleppo im Krieg so wichtig ist

Symbolwirkung

Aleppo hat sich zum Symbol für den verheerenden Konflikt entwickelt. Die Stadt war nahezu seit Beginn der Kämpfe zwischen Regime und Rebellengruppen geteilt und ist das am schwersten umkämpfte Schlachtfeld in dem Krieg. Wer hier siegt, hat auch einen immensen psychologischen Vorteil.

Letzte Hoffnung für Rebellen

Aleppo ist die letzte Großstadt, in der Aufständische noch Gebiete kontrollieren. Damaskus und Homs sind fest in der Hand der Truppen von Syriens Präsident Baschar al-Assad. Den Rebellen blieben ohne die ehemals größte Stadt des Landes nur noch einige eher ländliche Gebiete wie die Provinz Idlib.

Strategisch wichtig

Nicht zu unterschätzen ist der militärische Spielraum, den die syrische Armee bei einer Eroberung gewinnen würde. Die Schlacht um die ehemalige Handelsmetropole bindet viele Kräfte. Diese könnten sich dann auf andere Rebellengebiete des Landes konzentrieren und das Ende des Bürgerkrieges erzwingen.

Einfluss Russlands

An der Entwicklung in der nordsyrischen Stadt lässt sich der Einfluss Russlands seit seinem Kriegseintritt vor mehr als einem Jahr sowie der des Irans ablesen. Ohne diese beiden Verbündeten wäre das geschwächte Regime nicht in der Lage gewesen, die Rebellen so in die Defensive zu drängen.

Verfehlte Politik des Westens

An Aleppo zeigt sich die Schwäche und die verfehlte Politik des Westens, allen voran der USA und seiner Verbündeten. Sie ließen ein Machtvakuum im Bürgerkrieg entstehen, in das Moskau zugunsten der syrischen Regierung vorstieß - und gucken nun ohnmächtig der zivilen Katastrophe zu.

Verhandlungsbasis

Die Eroberung Aleppos würde dem Regime eine starke Verhandlungsbasis für künftige Friedensgespräche geben – falls Assad diese angesichts seines Siegeszuges überhaupt für nötig halten sollte.

Mehrere medizinische Hilfsorganisationen haben zu dringender Nothilfe für die Zivilisten aus der umkämpften syrischen Stadt Aleppo aufgerufen. Rund 70 000 Menschen würden im Zuge der Evakuierung aus der Stadt gebracht, teilten insgesamt 17 Organisationen am Donnerstag vor Journalisten in der türkischen Stadt Gaziantep mit. „Die Menschen verlassen Aleppo mit nichts“, warnte Mohammed Katub von Syrian American Medical Society (SAMS). „Der Winter ist sehr kalt und wir rechnen damit, dass Menschen durch das kalte Wetter sterben.“

Dem russischen Verteidigungsministerium zufolge sind die Rebellen aus ganz Aleppo verdrängt worden. Seit Beginn der Operation der syrischen Regierungstruppen hätten mehr als 3000 Kämpfer die Stadt verlassen, sagte Viktor Posnichir vom Generalstab in Moskau. „1524 von ihnen wurden amnestiert und entlassen, die anderen werden erst geprüft“, sagte er der Agentur Interfax zufolge.

Posnichir warf den Rebellen Gräueltaten in Aleppo vor. In Gefängnissen seien Zivilisten gefoltert worden, und kurz vor dem Eintreffen der syrischen Regierungstruppen sei der Großteil der Gefangenen getötet worden. „Das Dokumentieren der Gräueltaten hat begonnen. Es gibt viele Foto- und Videobeweise“, sagte er. „Als eine der Maßnahmen zur Abschreckung wurden die Eltern im Beisein ihrer Kinder erschossen“, teilte Posnichir mit.

Aleppo gehörte im rund fünfeinhalb Jahre dauernden Krieg zu den am heftigsten umkämpften Orten. Regierungstreue Truppen konnten seit Beginn einer Offensive im November den allergrößten Teil der bislang von Rebellen gehaltenen Stadtteile im Osten Aleppos erobern.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

15.12.2016, 09:32 Uhr

Die syrische Regierung unter Assad hat den Kampf um ihre Heimat gewonnen. Die Terroristen = Rebellen sind aber weiterhin mit Vorsicht zu sehen, da diese immer noch von England oder den Falken aus den USA unterstützt werden können.
Der Wiederaufbau kann in Syrien beginnen. Somit können alle Syrer wieder zurück in Ihre Heimat.
Danke!

Herr Roland Kober

15.12.2016, 09:38 Uhr

An Assads Stelle würde ich diese Terroristen inhaftieren, anstatt ihnen freien Abzug zu geben. Läßt man sie laufen, dann setzen sie sich in der nächsten Stadt fest, werden wiederum beliefert mit Waffen und Geld der Golfstaaten und es geht von vorne los bzw. weiter mit den Kämpfen und dem Töten. Schon Hitlers allergrößter Fehler damals war, die eingekesselte britische Armee in Dünkirchen laufen zu lassen. Assad lernt hoffentlich aus der Geschichte. Die Golfstaaten wollen ihre Pipeline haben quer durch Syrien, um ihr Erdgas in die Abnehmerstaaten bringen zu können, und Assad spielte da nicht mit. Deshalb wurden die Terroristen aufgerüstet und finanziert, um einen Systemwechsel zu bekommen in Syrien. Egal, wie man zu Assad steht, besser ein Kriegsende, als weiter so wie bisher. Und Kriegsende gibt es nur, wenn die golffinanzierten Terroristen besiegt sind, und danach auch der IS aus Syrien raus geworfen wird. Ohne den US initiierten Systemwechsel im Irak und in Libyen hätten wir dort Ruhe und keine Probleme. Ging da auch nur, unter zu Hilfenahme von Lügen, um Geld, Profit und Macht.

Herr Olaf Jurkat

15.12.2016, 10:46 Uhr

Die Möglichkeit des Abzugs aus Kesseln ist humanitär wie strategisch sinnvoll und wurde bereits mehrfach angewendet, wie in den Medien übereinstimmend berichtet wird. Es werden Zivilisten geschont und man setzt eigene Kräfte frei. Mit Dünkirchen ist das nicht zu vergleichen. Nicht umsonst bestanden Russen und Syrer, dass die Abzugsrichtung in Richtung Provinz Idlib festgelegt wird. SAA und Verbündete haben nun 25.000 Mann frei, die anderenorts eingesetzt werden. Idlib ist dünner besiedelt. Dort hat die Moderate Opposition kaum eine Chance, sich zu halten und kann dann nach D und EU übersiedeln und Asyl erhalten.

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