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28.11.2016

16:05 Uhr

Krieg in Syrien

Assad-Truppen nehmen große Teile Aleppos ein

Aleppo gehört seit langem zu den umkämpftesten Gebieten im syrischen Bürgerkrieg. Jetzt droht den Rebellen in der Stadt eine vollständige Niederlage. Davon dürften sie sich kaum noch erholen.

Syrien-Krieg

Erste Fortschritte: Syrische Armee dringt in Rebellengebiet Aleppos vor

Syrien-Krieg: Erste Fortschritte: Syrische Armee dringt in Rebellengebiet Aleppos vor

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AleppoSyriens Regime ist im Kampf um die wichtige Großstadt Aleppo ein entscheidender Schlag gegen die Rebellen gelungen. Die Armee und ihre Verbündeten nahmen nach heftigen Kämpfen und Luftangriffen den kompletten Norden der Rebellengebiete Aleppos ein, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und die staatliche Nachrichtenagentur Sana am Montag meldeten. Damit haben die Regimegegner mehr als ein Drittel des bislang von ihnen kontrollierten Gebietes in der Stadt verloren. „Das ist die schwerste Niederlage der Rebellen, seitdem sie Aleppo 2012 eingenommen haben“, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman.

Tausende Zivilisten sind vor den Kämpfen auf der Flucht. Rund 6000 Menschen seien in einen von Kurden beherrschten Stadtteil geflohen, erklärten die Menschenrechtler. Von den Kurden verbreitete Bilder zeigten, wie Menschen nur mit dem Nötigsten als Gepäck in dem Viertel Scheich Maksud ankamen. Etwa 4000 Zivilisten zogen laut den Menschenrechtlern in Stadtteile, die kürzlich vom Regime eingenommen worden waren. Aktivisten der Opposition berichteten zugleich, viele Menschen flöhen auch in andere Rebellengebiete im Südosten Aleppos.

Die Akteure im Syrien-Konflikt

Das Regime

Seit fast fünf Jahren tobt in Syrien ein auch von außen befeuerter Bürgerkrieg. Die Krise ist auch deshalb schwer zu lösen, weil es zahlreiche Akteure mit eigenen Interessen gibt. Zum Beispiel das Regime. Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Syriens Armee hat im langen Krieg sehr gelitten, konnte aber zuletzt dank massiver russischer und iranischer Hilfe Geländegewinne erzielen. Machthaber Assad lehnt einen Rücktritt ab.

Islamischer Staat

Die Terrormiliz IS ist die stärkste Kraft in Syrien neben der Regierung. Sie beherrscht im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in den vergangenen Monaten mehrere Niederlagen einstecken.

Rebellen

Sie sind vor allem im Nordwesten und Süden Syriens stark. Ihr Spektrum reicht von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten. Zu diesen gehören die Gruppen Ahrar al-Scham und Dschaisch al-Islam. Teilweise kooperieren sie mit der Al-Nusra-Front, Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida.

Die Opposition

Sie ist zersplittert. Das wichtigste Oppositionsbündnis ist die Syrische Nationale Koalition in Istanbul. In Damaskus sitzen zudem Oppositionsparteien, die vom Regime geduldet werden. Bei einer Konferenz in Riad einigten sich verschiedenen Gruppen auf die Bildung eines Hohen Komitees für Verhandlungen, dem aber einige prominente Vertreter der Opposition nicht angehören.

Die Kurden

Kurdische Streitkräfte kontrollieren mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime. Führende Kraft ist die Kurden-Partei PYD, Ableger der verbotenen Arbeiterpartei PKK.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt sechs Tornados für Aufklärungsflüge über Syrien, ein Flugzeug zur Luftbetankung sowie die Fregatte „Augsburg“, die im Persischen Golf einen Flugzeugträger schützt. Washington unterstützt moderate Regimegegner.

Russland

Seit September fliegt auch Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen den IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind. Moskau ist einer der wichtigsten Unterstützer des syrischen Regimes.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Iraner kämpfen an der Seite der syrischen Soldaten. Auch die von Teheran finanzierte Schiitenmiliz Hisbollah ist in Syrien im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern, dass Assad abtritt. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Zuletzt eskalierte der Konflikt zwischen den beiden Regionalmächten. (Quelle: dpa)

Die frühere Handelsmetropole gehört im bald sechs Jahre dauernden syrischen Bürgerkrieg zu den umkämpftesten Gebieten. Als neben Damaskus größte Stadt des Landes ist sie strategisch und symbolisch wichtig. Bislang ist Aleppo geteilt: Das Regime und Verbündete kontrollieren die Stadtteile im Westen, Rebellen den Osten. Die Oppositionsgebiete sind seit Anfang September wegen einer Blockade der Armee von der Außenwelt abgeschottet. Mehrere Versuche, eine dauerhafte Waffenruhe für die Stadt zu erreichen, scheiterten in den vergangenen Monaten.

Die Armee und ihre Verbündeten gewannen am Montag unter anderem die Kontrolle über die Stadtteile Al-Sachur und Al-Haidarija, wie die Menschenrechtler meldeten. Nach russischen Militärangaben nahmen Regimekräfte zwölf Stadtviertel ein. Aktivisten aus der Stadt berichteten den ganzen Tag über von heftigen Luftangriffen. Russland ist Syriens wichtigster Verbündeter und bombardiert seit mehr als einem Jahr Ziele im Land, darunter auch immer wieder in Aleppo.

Kommentare (1)

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Herr Tom Schmidt

28.11.2016, 17:26 Uhr

Da hat Angie ja wieder richtig Glück! Dann braucht sie auch keine Türkei für ihr Flüchtlingsabkommen.

Teil der Wahrheit, die leider nie verbreitet wird, ist eben auch, dass während des Höhepunkts des Flüchtlingsstroms, die Flüchtenden hauptsächlich aus desertierenden Asssad-Soldaten bestand. Als Putin dann ins Kampfgeschehen eingriff, ging deren Zahl natürlich massiv zurück. (während Herr Stegner uns erklärte die Leute fliehen vor Assads Fassbomben!)

Das konnte die Presse in Deutschland aber nicht thematisieren, da man in der Menge der Flüchtenden immer auf die zwei bis drei Mütter mit Kindern hin-zoomte. Das Gesamtbild konnte man dann bei BBC sehen. Auch die Qualifikations-, Opferrollen-Geschichte wäre von solchen Zusammenhängen gestört worden. Darum gab es diese Zusammenhänge auch nicht!

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