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23.12.2016

11:29 Uhr

Krieg in Syrien

Evakuierung von Aleppo abgeschlossen

Ost-Aleppo ist evakuiert. Die Stadt steht wieder unter der Kontrolle des Assad-Regimes. Doch der Krieg ist damit nicht zu Ende. Bei türkischen Angriffen in Al-Bab sind laut Menschenrechtlern 88 Personen gestorben.

Sieg in Syrien

Die letzte Rebellen-Gruppe verlässt Aleppo

Sieg in Syrien: Die letzte Rebellen-Gruppe verlässt Aleppo

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Aleppo/MoskauMöglicher Wendepunkt im syrischen Bürgerkrieg: Erstmals seit vier Jahren steht die einstige Wirtschaftsmetropole Aleppo wieder unter vollständiger Kontrolle der Regierung. Das meldete das syrische Militär am Donnerstagabend, nachdem die letzten Rebellen den Osten der einstigen Wirtschaftsmetropole in Bussen verlassen hatten.

Damit habe das Militär die „Sicherheit und Stabilität“ in Aleppo wiederhergestellt, hieß es in einer vom Staatsfernsehen verbreiteten Erklärung. Die Rückeroberung Aleppos durch die Truppen von Präsident Baschar al-Assad könnte die Karten im Syrien-Konflikt neu mischen.

Warum Aleppo im Krieg so wichtig ist

Symbolwirkung

Aleppo hat sich zum Symbol für den verheerenden Konflikt entwickelt. Die Stadt war nahezu seit Beginn der Kämpfe zwischen Regime und Rebellengruppen geteilt und ist das am schwersten umkämpfte Schlachtfeld in dem Krieg. Wer hier siegt, hat auch einen immensen psychologischen Vorteil.

Letzte Hoffnung für Rebellen

Aleppo ist die letzte Großstadt, in der Aufständische noch Gebiete kontrollieren. Damaskus und Homs sind fest in der Hand der Truppen von Syriens Präsident Baschar al-Assad. Den Rebellen blieben ohne die ehemals größte Stadt des Landes nur noch einige eher ländliche Gebiete wie die Provinz Idlib.

Strategisch wichtig

Nicht zu unterschätzen ist der militärische Spielraum, den die syrische Armee bei einer Eroberung gewinnen würde. Die Schlacht um die ehemalige Handelsmetropole bindet viele Kräfte. Diese könnten sich dann auf andere Rebellengebiete des Landes konzentrieren und das Ende des Bürgerkrieges erzwingen.

Einfluss Russlands

An der Entwicklung in der nordsyrischen Stadt lässt sich der Einfluss Russlands seit seinem Kriegseintritt vor mehr als einem Jahr sowie der des Irans ablesen. Ohne diese beiden Verbündeten wäre das geschwächte Regime nicht in der Lage gewesen, die Rebellen so in die Defensive zu drängen.

Verfehlte Politik des Westens

An Aleppo zeigt sich die Schwäche und die verfehlte Politik des Westens, allen voran der USA und seiner Verbündeten. Sie ließen ein Machtvakuum im Bürgerkrieg entstehen, in das Moskau zugunsten der syrischen Regierung vorstieß - und gucken nun ohnmächtig der zivilen Katastrophe zu.

Verhandlungsbasis

Die Eroberung Aleppos würde dem Regime eine starke Verhandlungsbasis für künftige Friedensgespräche geben – falls Assad diese angesichts seines Siegeszuges überhaupt für nötig halten sollte.

Derweil sind bei türkischen Luftangriffen auf die von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gehaltene nordsyrische Stadt Al-Bab Menschenrechtlern zufolge seit Donnerstag mindestens 88 Zivilisten getötet worden. 72 Menschen seien bei den heftigen Bombardements am Donnerstag gestorben, weitere 16 Unbeteiligte seien am Freitag ums Lebens gekommen, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Unter den Getöteten seien auch 24 Kinder.

Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete am Freitag unter Berufung auf das Militär, in der Region Al-Bab seien 22 IS-Terroristen „neutralisiert“ worden. Bei Angriffen gegen den IS seien 37 Gebäude in der Stadt Al-Bab beschossen und zerstört worden, darunter Unterkünfte für IS-Kämpfer, Waffenlager und ein Logistikzentrum. Zu möglichen zivilen Opfern machte die Türkei keine Angaben. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Donnerstag von fast 200 getöteten IS-Kämpfern bei den Gefechten um Al-Bab gesprochen.

Das syrische Militär feierte den Abzug der Rebellen aus der seit vier Jahren erbittert umkämpften Stadt Aleppo als „strategische Transformation“ im Krieg gegen den Terrorismus. Als Terroristen bezeichnet Assads Regierung alle, die gegen sie kämpfen. Der letzte Evakuierungskonvoi bestand Fernsehbildern zufolge aus vier Bussen und 15 Begleitfahrzeugen. Der syrische Staatssender Al-Ichbarija TV zeigte Live-Bilder von der Evakuierung am Kontrollpunkt Ramuse.

In Übertragungen aus West-Aleppo waren Freudenschüsse zu hören. Soldaten und Zivilisten riefen „Aleppo, Aleppo!“ und „Nur Gott, Syrien und Baschar!“. Umringt von Menschen mit syrischen Flaggen sagte der zuständige Korrespondent des Staatsfernsehens: „Kein Osten und Westen mehr.“

Für die Rebellen ist die Niederlage ein äußerst schwerer Schlag. Das Datum des Falls Aleppos „werden wir nie vergessen und niemals vergeben“, schrieb der oppositionelle Aktivist Ahmed al-Chatib, der die Stadt vor der Belagerung durch die Regierungstruppen verlassen hatte, auf Twitter. Die Welt solle bezeugen, wie Assad Menschen getötet und vertrieben und Aleppo zerstört habe.

Die geplanten Syrien-Friedensgespräche zwischen Russland, der Türkei und Iran werden nach russischen Angaben voraussichtlich Anfang des nächsten Jahres in Kasachstan beginnen. Vize-Außenminister Gennadi Gatilow sagte am Freitag laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Interfax, er rechne damit, dass die Verhandlungen Mitte Januar stattfinden. Sie würden sich darauf konzentrieren, wie ein landesweiter Waffenstillstand in Syrien erreicht werden könne.

Die USA erklärten, dass sie dieser Verhandlungsrunde nicht angehören, sei weder eine Brüskierung noch spiegele es einen sinkenden Einfluss des Landes in der Region wider. Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, plant ebenfalls Friedensgespräche, und zwar ab dem 8. Februar in Genf. Russland erklärte dazu, die Verhandlungen in Kasachstan sollten keine anderen Gespräche ersetzen, sondern seien als zusätzliches Gremium gedacht.

Mit der künftigen US-Regierung gibt es nach den Worten Gatilows noch keine Kontakte hinsichtlich des Syrienkonflikts. Die Regierung in Moskau gehe aber davon aus, dass der künftige Präsident Donald Trump ein besserer Verhandlungspartner als der scheidende Amtsinhaber Barack Obama sei. Trump habe eine Lösung des Konflikts niemals mit dem Rücktritt des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad verbunden.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

23.12.2016, 14:01 Uhr

"Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

@ Herr Hoffmann

ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

"Herr Fritz Porters23.12.2016, 12:25 Uhr
Liebe komödiantische Kommentatorengemeinde,

es ist mal wieder ein Fest wie lustig hier kommentiert wird ...was wäre mein Tag ohne diese wunderbaren Geistesblitze, die hier gepostet werden. Herrlich :-)"


@Porters

VIELEN DANK Herr Porters,
es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
Schön das Sie das zu schätzen wissen.

Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
Paff, von Horn, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke, Ebsel, Dirnberger....

ohne sie wäre ich hier sehr einsam !

Aber besonders erwähnen möchte einen, der wirklich den ganzen Tag, und damit meine ich von morgens bis abends, aber auch wirklich jeden Artikel kommentiert (er ist fleisiger als ich), und auch die meisten Artikel mehrmals kommentiert.....

das ist unser geliebter

SPIEGEL

Danke

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