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07.01.2016

16:21 Uhr

Krieg in Syrien

Hungerdrama in Madaja kostet 39 Menschen das Leben

Sie können dem Krieg nicht entkommen: In mehreren Regionen Syriens sind Menschen von den Konfliktparteien eingeschlossen. Besonders dramatisch ist die Lage in der Stadt Madaja. Aktivisten berichten von einem Hungerdrama.

Die Region um die syrische Hauptstadt Damaskus nahe der libanesischen Grenze gilt als strategisch wichtige Zone. Dementsprechend hart ist sie umkämpft. dpa

Zerstörungen in Damaskus

Die Region um die syrische Hauptstadt Damaskus nahe der libanesischen Grenze gilt als strategisch wichtige Zone. Dementsprechend hart ist sie umkämpft.

Damaskus/GenfDie Zahl der Hungertoten in der belagerten syrischen Stadt Madaja ist laut Aktivisten weiter gestiegen. Der Lokale Revolutionsrat des Ortes nordwestlich von Damaskus meldete am Donnerstag ein weiteres Opfer. Insgesamt habe es bislang 39 Tote gegeben, hieß es weiter. Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira meldete 32 Opfer. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Internationale Nothelfer riefen dazu auf, die Versorgung der vom Hungertod bedrohten Menschen in Madaja zu ermöglichen.

Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wird die Stadt seit mehr als 170 Tagen vom Regime und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah belagert. 40.000 Menschen – darunter die Hälfte Zivilisten – lebten in dem Ort, der wegen der sich dort aufhaltenden Rebellen heftig bombardiert werde. Der Ort liegt nahe der Grenze zum Libanon in einer strategisch wichtigen Gegend.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Bürgerkrieg in Syrien

Seit mehr als vier Jahren tobt in Syrien ein Bürgerkrieg. Dem Regime in Damaskus steht eine Vielzahl von Gegnern gegenüber, die Lage ist unübersichtlich. Längst werden die Rebellen von islamistischen und radikalen Gruppen dominiert.

Regime

Die Armee kontrolliert noch immer die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Unterstützt werden Assads Anhänger von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah sowie von iranischen Kämpfern.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz ist die stärkste Kraft in Syrien. Sie kontrolliert im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in diesem Jahr mehrere Niederlagen gegen die syrischen Kurden einstecken.

Dschaisch al-Fatah

Dabei handelt es sich um ein Bündnis verschiedener moderater und radikaler Gruppen, darunter die radikale Al-Nusra-Front, die islamistische Miliz Ahrar al-Scham und Brigaden, die sich als Teil der moderaten Freien Syrien Armee (FSA) sehen. Das Bündnis beherrscht im Nordwesten Syriens die Provinz Idlib.

Al-Nusra-Front

Der Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida vertritt eine ähnliche Ideologie wie IS, beide Gruppen sind aber miteinander verfeindet. Die Nusra-Front ist vor allem im Nordwesten des Landes stark, kämpft aber auch im Süden.

Ahrar al-Scham

Die islamistische Miliz ist neben der Nusra-Front die wichtigste Kraft des Rebellenbündnisses Dschaisch al-Fatah. Sie gibt sich pragmatischer und weniger radikal als der Al-Kaida-Ableger.

Freie Syrische Armee

Die FSA ist keine Armee im eigentlichen Sinne, es gibt auch keine einheitliche Führung. Mehrere moderate Gruppen rechnen sich ihr jedoch zu. Stark sind diese im Nordwesten, wo sie auch zu dem Rebellenbündnis gehören, sowie im Süden.

Kurdische Volksschutzeinheiten

Mit Hilfe der US-Luftwaffe konnte die YPG den IS aus großen Gebieten im Norden Syriens zurückschlagen. Dort haben die Kurden eine Selbstverwaltung aufgebaut. Sie kooperieren mit dem Regime, aber auch mit dessen Gegnern. Zuletzt kam es jedoch zu Zusammenstößen mit Rebellengruppen in Aleppo.

Ein Aktivist aus Madaja berichtete über Skype, 25.000 Menschen seien vom Hungertod bedroht. Ihm zufolge töten die Einwohner Hunde und Katzen, um sich zu ernähren. Jeden Tagen würden Menschen an Mangelernährung sterben. Die Lage sei „katastrophal“.

Bilder von Aktivisten im Internet zeigten ausgemergelte Menschen, darunter Kinder. Ein Arzt der lokalen Gesundheitsbehörde berichtete der Deutschen Presse-Agentur, es seien zahlreiche Menschen mit Schwäche- und Ohnmachtsanfällen eingeliefert worden.

Eine Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) erklärte, zuletzt sei es Mitarbeitern im vergangenen Oktober ermöglicht worden, in der Stadt Hilfe zu leisten. „Was wir damals gesehen haben, war bereits schlimm“, sagte Dibeh Fakhr der Deutschen Presse-Agentur in Genf. Menschen hätten keine Nahrungsmittel und kein Trinkwasser gehabt. „Wir stehen in Syrien mit Hilfsgütern bereit, aber wir brauchen sicheren Zugang zu Madaja“, erklärte sie weiter.

Die Bundesregierung und die UN riefen alle Konfliktparteien auf, den Hilfsorganisationen den Zutritt zu belagerten Gebieten zu gewähren. Rund 400.000 Menschen seien in verschiedenen Teilen des Bürgerkriegslandes eingeschlossen, erklärten die Vereinten Nationen. Die UN hätten glaubwürdige Berichte erhalten, das Menschen verhungert seien. Am Dienstag sei ein 53-Jähriger an Mangelernährung gestorben. Trotz zahlreicher Anfragen gebe es keinen Zutritt zu der Stadt.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer (SPD), äußerte „größte Sorge“ über die Lage der Zivilbevölkerung. Zugleich appellierte er an Länder wie Russland und den Iran, sich beim syrischen Machthaber Baschar al-Assad dafür einzusetzen, dass „humanitärer Zugang“ gewährleistet werden kann.

Von

dpa

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