Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.03.2016

18:32 Uhr

Krieg in Syrien

Iran und Türkei setzen trotz Differenzen auf Kooperation

Im Syrien-Konflikt liegen die Türkei und der Iran überkreuz. Dennoch wollen die beiden Regionalmächte den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen – auch aus wirtschaftlichen Interessen.

Der türkische Premier Ahmet Davutoglu (l.) und sein iranischer Amtskollege Ishagh Dschahangiri haben in Teheran eine Kooperation im Syrien-Krieg vereinbart. AP

Besuch in Teheran

Der türkische Premier Ahmet Davutoglu (l.) und sein iranischer Amtskollege Ishagh Dschahangiri haben in Teheran eine Kooperation im Syrien-Krieg vereinbart.

TeheranDer Iran und die Türkei wollen sich trotz aller Differenzen im Syrien-Konflikt für Frieden und Stabilität in der Region einsetzen. Das stellten der iranische Präsident Hassan Ruhani und der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu am Samstag in Teheran klar.

Im Syrien-Konflikt zählt der Iran gemeinsam mit Russland und der libanesischen Hisbollah zu den letzten Stützen von Machthaber Baschar al-Assad. Die Türkei setzt dagegen auf den Sturz des Assad-Regimes.

Nach den Worten von Davutoglu haben beide Länder gemeinsame geopolitische Interessen und daran werde sich niemals etwas ändern. Die Türkei hat Davutoglu zufolge gezeigt, dass sie auch „in schlechten Zeiten“ stets zum Iran gehalten habe. Teheran und Ankara sollten Hand in Hand gegen Terroristen vorgehen.

Die Akteure im Syrien-Konflikt

Das Regime

Seit fast fünf Jahren tobt in Syrien ein auch von außen befeuerter Bürgerkrieg. Die Krise ist auch deshalb schwer zu lösen, weil es zahlreiche Akteure mit eigenen Interessen gibt. Zum Beispiel das Regime. Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Syriens Armee hat im langen Krieg sehr gelitten, konnte aber zuletzt dank massiver russischer und iranischer Hilfe Geländegewinne erzielen. Machthaber Assad lehnt einen Rücktritt ab.

Islamischer Staat

Die Terrormiliz IS ist die stärkste Kraft in Syrien neben der Regierung. Sie beherrscht im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in den vergangenen Monaten mehrere Niederlagen einstecken.

Rebellen

Sie sind vor allem im Nordwesten und Süden Syriens stark. Ihr Spektrum reicht von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten. Zu diesen gehören die Gruppen Ahrar al-Scham und Dschaisch al-Islam. Teilweise kooperieren sie mit der Al-Nusra-Front, Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida.

Die Opposition

Sie ist zersplittert. Das wichtigste Oppositionsbündnis ist die Syrische Nationale Koalition in Istanbul. In Damaskus sitzen zudem Oppositionsparteien, die vom Regime geduldet werden. Bei einer Konferenz in Riad einigten sich verschiedenen Gruppen auf die Bildung eines Hohen Komitees für Verhandlungen, dem aber einige prominente Vertreter der Opposition nicht angehören.

Die Kurden

Kurdische Streitkräfte kontrollieren mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime. Führende Kraft ist die Kurden-Partei PYD, Ableger der verbotenen Arbeiterpartei PKK.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt sechs Tornados für Aufklärungsflüge über Syrien, ein Flugzeug zur Luftbetankung sowie die Fregatte „Augsburg“, die im Persischen Golf einen Flugzeugträger schützt. Washington unterstützt moderate Regimegegner.

Russland

Seit September fliegt auch Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen den IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind. Moskau ist einer der wichtigsten Unterstützer des syrischen Regimes.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Iraner kämpfen an der Seite der syrischen Soldaten. Auch die von Teheran finanzierte Schiitenmiliz Hisbollah ist in Syrien im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern, dass Assad abtritt. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Zuletzt eskalierte der Konflikt zwischen den beiden Regionalmächten. (Quelle: dpa)

Ruhani sagte, der Iran und die Türkei könnten und müssten gemeinsam effektive Schritte unternehmen. Es sei im Interesse beider Länder, dass die Differenzen ausgeräumt und die gemeinsamen Interessen ausgebaut würden. „Heute ist der Tag für beide Länder im Rahmen eines gemeinsamen Fahrplans eine neue Ära zu beginnen“, sagte der Kleriker.

Auch über den Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen wurde gesprochen. Beide Seiten wollen das bilaterale Handelsvolumen auf 30 Milliarden Dollar (rund 27,2 Milliarden Euro) erhöhen. Um dieses Ziel zu erreichen, nimmt demnächst eine gemeinsame Kommission in Ankara ihre Arbeit auf.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×