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12.12.2016

19:35 Uhr

Krieg in Syrien

Rebellen stehen kurz vor Niederlage in Ost-Aleppo

Die Niederlage der Rebellen in Ost-Aleppo scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Die Zivilisten in der Stadt flehen um Hilfe. Ein Ende des Bürgerkrieges wäre aber auch mit dem Fall Aleppos nicht in Sicht.

Kampf gegen den IS

Jubel in Aleppo: Syrische Armee kurz vor Sieg

Kampf gegen den IS: Jubel in Aleppo: Syrische Armee kurz vor Sieg

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DamaskusIn der umkämpften syrischen Stadt Aleppo stehen die Rebellen nach Angaben von Beobachtern kurz vor der Niederlage und kontrollieren nur noch einzelne Viertel. „Wir sehen das Ende der Kämpfe um Aleppo“, sagte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Auch die syrische Führung ist sich sicher, dass der Fall der Opposition in Aleppo nur noch eine Frage der Zeit sei. Internationale Politiker sind sich allerdings sicher, dass dies noch kein Ende des Krieges bedeuten würde. Mitte November hatte die syrische Armee mit ihren Verbündeten eine Großoffensive auf die Rebellengebiete in Ost-Aleppo gestartet.

Die Stadt ist seit Beginn der Kämpfe vor vier Jahren zwischen Regime und Opposition geteilt. Nach Angaben der Menschenrechtsbeobachter kontrollierten die Rebellen am Montag nur noch gut drei Prozent ihrer bisherigen Gebiete. Sollte das Regime nun auch noch die restlichen Viertel in Ost-Aleppo einnehmen, wäre das ein massiver Rückschlag für die Rebellen. In diesem Fall hätte die Regierung die Kontrolle über alle großen Städte des Bürgerkriegslandes zurückgewonnen.

Warum die Lage in Aleppo eskaliert

Wer kämpft in Aleppo?

Auf der Seite der Regierung kämpfen an der Seite der Armee mehrere ausländische Milizen. Dazu zählen unter anderem die Hisbollah. Die Regimegegner setzen sich aus mehreren Milizen zusammen, die sich oft nicht einig sind.

Wie ist die militärische Situation in Aleppo?

Kräfte von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren den Westen, Regimegegner den Osten. Seit Beginn einer Offensive haben Armee und verbündete Milizen 80 Prozent der Rebellengebiete eingenommen. Die oppositionellen Milizen halten nur noch die Viertel im Südosten der Stadt.

Wie ist die humanitäre Lage vor Ort?

Die wird von Tag zu Tag dramatischer. Anwohner und Hilfsorganisationen berichten, es gebe kaum noch sauberes Trinkwasser und Nahrungsmittel. Ost-Aleppo ist in großen Teilen zerstört.

Wie viele Menschen sind auf der Flucht?

Wegen der Kämpfe gibt es keine verlässlichen Angaben. Die gewöhnlich gut informierte Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte spricht von 100.000 Zivilisten, die die Rebellengebiete wegen der desaströsen Lage verlassen hätten.

Warum verlassen nicht alle Zivilisten das Gebiet?

Aktivisten rechnen damit, dass sie in Gefängnissen des syrischen Regimes landen, dort gefoltert werden und sterben. Zudem ist die Flucht gefährlich, da die Zivilisten leicht in die Schusslinie geraten könnten.

Warum geben die Rebellen nicht auf?

Die Rebellen wollen erst über „die Zukunft“ Aleppos sprechen, wenn Zivilisten und Verletzte unter UN-Aufsicht die Stadt verlassen können. Aufgeben werden sie aber wohl kaum. Das wäre eine direkte Machtübergabe an Machthaber Assad.

Ist eine neue Waffenruhe wahrscheinlich?

Danach sieht es nicht aus. Die USA als Unterstützer der Opposition haben kein Druckmittel, um in Verhandlungen mit Russland eine Feuerpause zu erreichen. Die Positionen der Rebellen und der Regierung liegen weit auseinander.

Bewohner der verbliebenen Stadtviertel flehten in sozialen Netzwerken im Internet um Hilfe und fürchteten um ihr Leben. „Dies ist unser letztes SOS“, schrieb ein Bewohner. „Ich hoffe, dass wir das hier überleben“, sagte ein anderer Bewohner in einer Sprachnachricht. Menschen seien den Berichten zufolge unter Trümmern gefangen, ohne dass ihnen geholfen werden könne. Nach Angaben der Vereinten Nationen haben seit Beginn der Offensive mehr als 40 000 Menschen ihre Häuser im Osten der Stadt verlassen und befinden sich seitdem auf der Flucht. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete am Montag, allein seit Sonntag seien rund 13 000 Zivilisten in die von der Regierung kontrollierten Gebiete geflohen. Der Fall der Stadt sei nur eine Frage der Zeit, sagte der syrische Abgeordnete Firas al-Schehabi, der dpa. Den Rebellen bleibe keine Option mehr, außer sich zu ergeben.

Warum Aleppo im Krieg so wichtig ist

Symbolwirkung

Aleppo hat sich zum Symbol für den verheerenden Konflikt entwickelt. Die Stadt war nahezu seit Beginn der Kämpfe zwischen Regime und Rebellengruppen geteilt und ist das am schwersten umkämpfte Schlachtfeld in dem Krieg. Wer hier siegt, hat auch einen immensen psychologischen Vorteil.

Letzte Hoffnung für Rebellen

Aleppo ist die letzte Großstadt, in der Aufständische noch Gebiete kontrollieren. Damaskus und Homs sind fest in der Hand der Truppen von Syriens Präsident Baschar al-Assad. Den Rebellen blieben ohne die ehemals größte Stadt des Landes nur noch einige eher ländliche Gebiete wie die Provinz Idlib.

Strategisch wichtig

Nicht zu unterschätzen ist der militärische Spielraum, den die syrische Armee bei einer Eroberung gewinnen würde. Die Schlacht um die ehemalige Handelsmetropole bindet viele Kräfte. Diese könnten sich dann auf andere Rebellengebiete des Landes konzentrieren und das Ende des Bürgerkrieges erzwingen.

Einfluss Russlands

An der Entwicklung in der nordsyrischen Stadt lässt sich der Einfluss Russlands seit seinem Kriegseintritt vor mehr als einem Jahr sowie der des Irans ablesen. Ohne diese beiden Verbündeten wäre das geschwächte Regime nicht in der Lage gewesen, die Rebellen so in die Defensive zu drängen.

Verfehlte Politik des Westens

An Aleppo zeigt sich die Schwäche und die verfehlte Politik des Westens, allen voran der USA und seiner Verbündeten. Sie ließen ein Machtvakuum im Bürgerkrieg entstehen, in das Moskau zugunsten der syrischen Regierung vorstieß - und gucken nun ohnmächtig der zivilen Katastrophe zu.

Verhandlungsbasis

Die Eroberung Aleppos würde dem Regime eine starke Verhandlungsbasis für künftige Friedensgespräche geben – falls Assad diese angesichts seines Siegeszuges überhaupt für nötig halten sollte.

Die Opposition betonte allerdings, dass sie auch angesichts einer möglichen militärischen Niederlage in Aleppo zu keinerlei Zugeständnissen bereit sei. „Wir arbeiten immer noch an einer politischen Lösung und an einem echten Übergang“, sagte der Führer des Hohen Verhandlungskomitees (HNC), Riad Hidschab. Einen Übergang unter Beteiligung von Präsident Baschar al-Assad schloss er aus. Trotz der Entwicklungen in Aleppo sieht auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) keine Anzeichen für ein schnelles Ende des Krieges in Syrien. „Auf ein Ende der Auseinandersetzung zu hoffen, ist eine Illusion“, sagte Steinmeier am Montag am Rande eines EU-Außenministertreffens in Brüssel. Der Fall von Aleppo werde zwar einen „Einschnitt“ darstellen, wahrscheinlich werde man danach aber einfach veränderte Auseinandersetzungen erleben.

Als Beispiel für seine Einschätzung nannte Steinmeier die jüngsten Ereignisse in der syrischen Oasenstadt Palmyra. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) war am Wochenende wieder in die antike Stadt einmarschiert, obwohl die Dschihadisten erst im März aus Palmyra vertrieben worden waren. Nach russischen Angaben hat sich die syrische Armee inzwischen aus der Stadt zurückgezogen. Russland ist ein wichtiger Verbündeter des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad im Kampf gegen die Aufständischen.

Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault warf Russland im Syrien-Konflikt Doppelzüngigkeit und „eine Art dauerhafter Lüge“ vor. „Einerseits sagt man, dass man verhandelt, um einen Waffenstillstand zu erreichen, andererseits führt man den Krieg weiter“, sagte Ayrault. Russland gebe zwar vor, in Syrien gegen den Terrorismus zu kämpfen, konzentriere sich aber auf Aleppo, während Palmyra dabei sei, wieder in die Hände des IS zu fallen.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Thomas Leemann

13.12.2016, 08:21 Uhr

Eigentlich müsste die USA und ihre Verbündeten ihre Pläne auf den Bau der Gaspiplline einfach ad Akta legen und aufhöhren die Terroristen aufzumunitionieren, dann wäre der Krieg den sie angezettelt haben schnell vorbei!! Wieso hört man denn nichts von Mossul wo die Amis die Zvilbevölkerung bombardieren sind das da wieder alles nur Kolateralschäden??

Account gelöscht!

13.12.2016, 15:11 Uhr

"Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

@ Herr Hoffmann

ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

@Porters

VIELEN DANK Herr Porters,
es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
Schön das Sie das zu schätzen wissen.

Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
Paff, von Horn, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke, Ebsel, Dirnberger....

ohne sie wäre ich hier sehr einsam !

Aber besonders erwähnen möchte einen, der wirklich den ganzen Tag, und damit meine ich von morgens bis abends, aber auch wirklich jeden Artikel kommentiert (er ist fleisiger als ich), und auch die meisten Artikel mehrmals kommentiert.....

das ist unser geliebter

TRAUTMANN

Danke

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