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15.03.2016

11:43 Uhr

Krieg in Syrien

Russland beginnt mit Teilabzug seiner Soldaten

Kremlchef Wladimir Putin hat einen Abzug des größten Teils der russischen Soldaten aus Syrien befohlen. Die Aufgaben seien größtenteils erfüllt. Doch wem der bereits begonnene Teilabzug letztlich nützt, ist unklar.

Russlands Ani-Terror-Kampf

Rückzug aus Syrien: Putin zieht Soldaten ab

Russlands Ani-Terror-Kampf : Rückzug aus Syrien: Putin zieht Soldaten ab

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Moskau/GenfNach dem Befehl von Präsident Wladimir Putin haben die russischen Soldaten in Syrien mit dem angeordneten Teilabzug begonnen. Auf der Militärbasis Hamaimim in der Provinz Latakia bereitete das Personal Flugzeuge für die Rückkehr nach Russland vor, wie die Agentur Interfax am Dienstag meldete.

Soldaten auf dem Stützpunkt hätten mit dem Verstauen von Ausrüstung begonnen, hieß es unter Berufung auf die Führung in Moskau. Verteidigungsminister Sergej Schoigu habe angeordnet, den Befehl von Putin umzusetzen. Der Präsident hatte am Montag überraschend einen Abzug des größten Teils der russischen Soldaten aus Syrien von diesem Dienstag an befohlen.

Die Vereinten Nationen begrüßten den Teilabzug russischer Truppen. „Wir hoffen, dass dies einen positiven Einfluss auf die Verhandlungen in Genf haben wird, die auf eine politische Lösung für Syrien abzielen“, sagte der Uno-Sondergesandte Staffan de Mistura am Dienstag.
Trotz des Teilabzugs will Russland freilich den Kampf gegen den Terrorismus in Syrien verstärken. „Aber dafür benötigen wir nicht solch ein Truppenkontingent, wie wir es bisher haben“, sagte der Leiter des Präsidialamts, Sergej Iwanow, am Dienstag in Moskau. Die Zahl der russischen Soldaten in Syrien halten die Behörden geheim.

Die Akteure im Syrien-Konflikt

Das Regime

Seit fast fünf Jahren tobt in Syrien ein auch von außen befeuerter Bürgerkrieg. Die Krise ist auch deshalb schwer zu lösen, weil es zahlreiche Akteure mit eigenen Interessen gibt. Zum Beispiel das Regime. Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Syriens Armee hat im langen Krieg sehr gelitten, konnte aber zuletzt dank massiver russischer und iranischer Hilfe Geländegewinne erzielen. Machthaber Assad lehnt einen Rücktritt ab.

Islamischer Staat

Die Terrormiliz IS ist die stärkste Kraft in Syrien neben der Regierung. Sie beherrscht im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in den vergangenen Monaten mehrere Niederlagen einstecken.

Rebellen

Sie sind vor allem im Nordwesten und Süden Syriens stark. Ihr Spektrum reicht von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten. Zu diesen gehören die Gruppen Ahrar al-Scham und Dschaisch al-Islam. Teilweise kooperieren sie mit der Al-Nusra-Front, Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida.

Die Opposition

Sie ist zersplittert. Das wichtigste Oppositionsbündnis ist die Syrische Nationale Koalition in Istanbul. In Damaskus sitzen zudem Oppositionsparteien, die vom Regime geduldet werden. Bei einer Konferenz in Riad einigten sich verschiedenen Gruppen auf die Bildung eines Hohen Komitees für Verhandlungen, dem aber einige prominente Vertreter der Opposition nicht angehören.

Die Kurden

Kurdische Streitkräfte kontrollieren mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime. Führende Kraft ist die Kurden-Partei PYD, Ableger der verbotenen Arbeiterpartei PKK.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt sechs Tornados für Aufklärungsflüge über Syrien, ein Flugzeug zur Luftbetankung sowie die Fregatte „Augsburg“, die im Persischen Golf einen Flugzeugträger schützt. Washington unterstützt moderate Regimegegner.

Russland

Seit September fliegt auch Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen den IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind. Moskau ist einer der wichtigsten Unterstützer des syrischen Regimes.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Iraner kämpfen an der Seite der syrischen Soldaten. Auch die von Teheran finanzierte Schiitenmiliz Hisbollah ist in Syrien im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern, dass Assad abtritt. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Zuletzt eskalierte der Konflikt zwischen den beiden Regionalmächten. (Quelle: dpa)

Das Militär werde zudem die nötigen Kräfte in dem Bürgerkriegsland lassen, um seinen Luftwaffenstützpunkt und seine Marinebasis dort zu sichern, sagte Iwanow. Die Anlagen sollten vom Meer, aus der Luft und am Boden geschützt werden, betonte Iwanow. Russland hat auch hochmoderne Luftabwehrraketen vom Typ S-400 in Syrien stationiert.

US-Präsident Barack Obama und Putin hatten am Montag über den Teilabzug beraten. Dabei hätten die beiden über „nächste Schritte“ bei der Umsetzung der seit Ende Februar geltenden begrenzten Waffenruhe in dem Bürgerkriegsland gesprochen, teilte das Weiße Haus nach dem Telefonat mit.

Obama begrüßte demnach den Rückgang der Gewalt, wies jedoch auf anhaltende vereinzelte Kampfhandlungen in Syrien hin. Vor diesem Hintergrund habe der US-Präsident Putin gedrängt, die syrische Regierung dazu anzuhalten, von Offensivaktionen abzusehen, die die brüchige Feuerpause untergraben könnten.

Dem Weißen Haus zufolge wies Obama zudem auf „einige Fortschritte“ bei der Bereitstellung humanitärer Hilfe für Syrer hin. Allerdings erschwerten die syrischen Regierungstruppen weiterhin den Zugang zu einigen Gebieten, darunter Daraja.

Obama rief den Kremlchef auch dazu auf, dass sich von Moskau unterstützte Truppen an ein weiteres Waffenstillstandsabkommen halten sollten - jenem für die Ostukraine.

Nach der Wiederaufnahme der Syrien-Friedensgespräche hat Russland angekündigt, seinen Militäreinsatz in dem Bürgerkriegsland zurückzufahren. Am Dienstag sollen die Soldaten damit beginnen, aus Syrien abzurücken. Der Einsatz habe seine Ziele weitgehend erfüllt. „Die effektive Arbeit unseres Militärs hat die Bedingungen für den Start des Friedensprozesses geschaffen", sagte Putin.

Hilfsorganisationen: Bislang schlimmstes Jahr des syrischen Bürgerkriegs

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Der Bürgerkrieg in Syrien tobt seit fünf Jahren. Nach Ansicht von Hilfsorganisationen ist 2016 das bisher schlimmste Jahr seit Ausbruch des Konflikts. Die Lage für die Menschen wird immer dramatischer.

Nach Darstellung der Regierung in Damaskus sein der Abszug kein Anzeichen für Differenzen zwischen beiden Ländern. Der Schritt sei koordiniert erfolgt und bereits seit einiger Zeit erwogen worden, erklärte das Präsidialamt am Montagabend. Berichte, denen zufolge Russland den Abzug seiner Streitkräfte nach Meinungsverschiedenheiten mit Syrien angeordnet habe, seien unzutreffend.

Der Uno-Sicherheitsrat hat den vom Kreml angekündigten Teilabzug russischer Truppen aus Syrien mit Wohlwollen aufgenommen. Die Entwicklung sähen alle 15 Mitglieder des mächtigsten UN-Gremiums als „positiv“ an, sagte der angolanische Uno-Botschafter Ismael Gaspar Martins, derzeit Präsident des Sicherheitsrats. „Wenn wir sehen, dass Truppen sich zurückziehen, bedeutet dies, dass der Krieg einen anderen Schritt geht, deshalb ist das gut“, sagte Gaspar Martins.

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