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02.11.2016

19:11 Uhr

Krieg in Syrien

Russland setzt Rebellen in Aleppo Frist bis Freitag

Die syrische Regierung und Russland wollen Aleppo bis Freitag nicht mehr aus der Luft angreifen. Rebellen könnten die Stadt über zwei Korridore verlassen. Doch diese lehnen das Angebot ab. Kritik kommt von Merkel.

Auch Attacken auf zivile Einrichtungen gehören in der syrischen Stadt zum Alltag. dpa

Aleppo

Auch Attacken auf zivile Einrichtungen gehören in der syrischen Stadt zum Alltag.

Moskau/BeirutDie syrische Regierung und Russland wollen ihre Luftangriffe auf die umkämpfte Metropole Aleppo bis Freitag aussetzen. Die Rebellen erhielten weiter die Gelegenheit, mit ihren Waffen über zwei Korridore die Stadt zu verlassen, erklärte das russische Verteidigungsministerium am Mittwoch. Die syrische Regierung werde sicherstellen, dass die beiden Korridore für die Rebellen frei blieben. Präsident Wladimir Putin habe angeordnet, die „humanitäre Pause“ zu verlängern, sagte ein Sprecher.

Die Aufständischen wiesen die Vorschläge umgehend zurück. „Das kommt überhaupt nicht infrage. Wir werden Aleppo nicht den Russen überlassen, und wir geben nicht auf“, sagte ein Vertreter der Rebellengruppe Fastakim der Nachrichtenagentur Reuters.

Am Dienstag hatte Russland eine Verlängerung der seit dem 18. Oktober geltenden Waffenruhe davon abhängig gemacht, dass die Rebellen ihre Angriffe stoppten. Schon in der Vergangenheit stellten Russland und die Regierung in Damaskus mehrfach das Feuer ein und boten Rebellen an, aus der Stadt abzuziehen. Diese Versuche scheiterten. Beide Seiten warfen sich gegenseitig vor, die Bevölkerung daran zu hindern, die Stadt zu verlassen. Die Rebellengruppe Fastakim erklärte nun, Bewohner und Aufständische würden das Gebiet nicht verlassen. „Die Zivilisten haben Angst vor dem Regime und trauen ihm nicht. Und die Kämpfer geben nicht auf.“

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Die Aufständischen hatten am Freitag eine Offensive in Aleppo gestartet, um die Belagerung durch die Regierungstruppen zu durchbrechen. In dem von Rebellen gehaltenen Ostteil der Stadt sind nach Uno-Schätzungen 275.000 Zivilisten eingeschlossen. Die Armee von Machthaber Baschar al-Assad belagert die Metropole seit dem Sommer. Dabei bekommt sie auch Hilfe von der russischen Luftwaffe. Die Uno erklärte zuletzt, dass alle Seiten Kriegsverbrechen begingen. So gehörten Attacken auf Schulen, Krankenhäuser, Märkte, Wasserwerke oder Bäckereien zum Alltag.

Kanzlerin Angela Merkel warf der syrischen Führung unterdessen „schwere Kriegsverbrechen“ vor. „Der Einsatz von Fass- und Brandbomben, ja sogar Chemiewaffen wird nicht gescheut“, sagte sie in Berlin. „Die Zivilbevölkerung wird ausgehungert, medizinische Einrichtungen werden angegriffen, Ärzte verlieren ihr Leben, Krankenhäuser werden zerstört.“ Die EU hatte Syrien und Russland gedroht, Sanktionen zu verhängen, wenn die Intensität der Angriffe auf die Bevölkerung in Aleppo nicht abnehmen sollte.

Von

rtr

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