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15.11.2016

15:41 Uhr

Krieg in Syrien

Russland startet große Offensive

Mit Raketen und Kampfflugzeugen hat Russland die Rebellen in Syrien angegriffen. Erneut wurde auch ein Krankenhaus westlich von Aleppo attackiert, berichten Kriegsbeobachter. Russland will die Offensive fortsetzen.

Die Kampfhandlungen laufen immer noch und Russland mischt weiter kräftig mit. dpa

Syrien

Die Kampfhandlungen laufen immer noch und Russland mischt weiter kräftig mit.

BeirutRussland hat eine große Offensive gegen die Rebellen in Syrien begonnen, an der sich erstmals auch der russische Flugzeugträger „Admiral Kusnezow“ beteiligte. An den koordinierten Raketenangriffen seien am Dienstag zudem eine Fregatte mit Marschflugkörpern, Kampflugzeuge sowie eine mobile Raketeneinheit innerhalb Syriens beteiligt gewesen, sagte Verteidigungsminister Sergej Schoigu.

Ziele seien Einrichtungen der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) und der Nusra-Front in den Provinzen Homs und Idlib. Die Nusra-Front, die ihren Namen kürzlich in Fateh al-Scham änderte, ist ein Ableger der Al-Kaida.

Die internationale Anti-IS-Koalition

Welche Länder beteiligen sich?

Nachdem der IS sich im Sommer 2014 in Syrien ausbreitete, beschlossen zehn Länder auf einer Nato-Konferenz ein Bündnis gegen die Terrormiliz. Heute gehören mehr als 60 Staaten zu der Allianz, darunter neben den USA auch Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die Türkei. Saudi-Arabien und andere arabische Staaten wie Jordanien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar haben sich dem Bündnis ebenfalls angeschlossen.

Quelle: dpa

Wie geht die Allianz vor?

Derzeit bekämpft die Allianz den IS vor allem in Syrien und im Irak, wenngleich sich der IS auch in Libyen festgesetzt hat. Nach eigenen Angaben hat die Koalition mehr als 12.000 Luftangriffe auf IS-Stellungen geflogen. Die USA bilden im Irak Soldaten der Armee und kurdische Kämpfer aus, Deutschland liefert Waffen und Ausrüstung für kurdische Peschmerga und leistet mit sechs Tornado-Flugzeugen Aufklärungsarbeit.

Welche Erfolge gibt es?

Die Dschihadisten sind in Syrien und im Irak massiv unter Druck geraten. Seit Beginn vergangenen Jahres hat der IS mehr als ein Drittel seines „Kalifat“ genannten Herrschaftsgebietes eingebüßt. Vor allem die Kurden haben den Extremisten mit Hilfe internationaler Luftunterstützung im Norden beider Länder große Gebiete abgenommen. Der irakischen Armee gelang es, den IS aus wichtigen Städten wie Ramadi und Falludscha zu vertreiben. Außerdem haben die Luftschläge die Ölinfrastruktur unter IS-Kontrolle stark zerstört, weshalb die Extremisten laut Analysten unter Finanzproblemen leiden. Dennoch beherrscht der IS noch große Gebiete in Syrien und im Irak.

Welche Rolle spielt die Türkei?

Um die Rolle der Türkei gibt es Streit. Die Türkei stellt seit Sommer vergangenen Jahres ihren Luftwaffenstützpunkt Incirlik der Allianz für den Luftkampf gegen den IS bereit. Ankara hilft auch bei der Ausbildung und hat nach eigenen Angaben kurdische Peschmerga bei der Großoffensive auf Mossul mit Artillerie unterstützt. Die Regierung in Bagdad lehnt eine türkische Militärpräsenz im Irak allerdings ab. Die türkische Führung wiederum weigert sich, ihre Soldaten abzuziehen.

Wann ist Mossul befreit?

Das ist schwer zu sagen, zumal die eigentlichen Kämpfe um die Stadt noch nicht begonnen haben. Bei dem Koalitionstreffen in Paris geht es jedoch schon darum, die politischen Weichen für die Zeit nach dem IS in Mossul zu stellen. Das Gesellschaftsgefüge ist fragil in Iraks zweitgrößter Stadt. Während die meisten Iraker Schiiten sind, ist die Mehrheit der Bevölkerung in Mossul sunnitisch wie der IS. Zudem lebten viele Christen dort. Der sunnitische türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan forderte bereits, dass nach dem Ende der Kämpfe keine Schiiten mehr in der Stadt leben sollten.

Vor der Offensive seien alle Ziele intensiv ausgekundschaftet worden, berichtete Schoigu dem Präsidenten Wladimir Putin. „Wir reden über Munitionslager, terroristische Ausbildungszentren ... und Fabriken.“ Die Angriffe würden fortgesetzt.

Schoigu äußerte sich nicht zu Aleppo, wo nach Berichten der Zivilverteidigung der Ostteil erstmals seit Wochen wieder aus der Luft angegriffen wurde. Mindestens drei Menschen seien ums Leben gekommen, teilte die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Zum Teil seien Fassbomben aus Helikoptern abgeworfen worden. „Unsere Häuser wackeln unter dem Druck. Flugzeuge fliegen über uns hinweg und die Bomben sind überall um uns herum“, berichtete ein Einwohner.

Krieg in Syrien: Das Essen in Aleppo wird knapp

Krieg in Syrien

Das Essen in Aleppo wird knapp

Für rund 250.000 Menschen, die sich noch im Osten Aleppos aufhalten, wurden am Donnerstag die letzten Lebensmittelrationen verteilt. Die Uno hofft auf schnellen Nachschub und will eine Hungersnot im Winter verhindern.

Nach russischen Angaben hält sich die Luftwaffe derzeit an das Moratorium für Luftangriffe auf Aleppo. Das syrische Staatsfernsehen berichtete indes, Kampfflugzeuge des Landes hätten am Dienstag Angriffe auf die Stadt geflogen.

Westlich von Aleppo soll nach Informationen von Kriegsbeobachtern erneut ein Krankenhaus attackiert worden. Dies sei bereits der dritte Angriff auf ein Hospital innerhalb von 24 Stunden, teilte die Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Bei dem Beschuss durch Kampfflugzeuge am Dienstagmorgen sei mindestens ein Mensch getötet worden. Außerdem seien Mitarbeiter und Patienten verletzt worden.

Westliche Staaten werfen den Regierungen in Damaskus und Moskau vor, in den von Rebellen kontrollierten Gebieten wiederholt Krankenhäuser und andere zivile Ziele unter Beschuss genommen zu haben. Beide weisen die Vorwürfe zurück und betonen, die Angriffe seien ausschließlich gegen militärische Ziele der Aufständischen gerichtet.

Von

rtr

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