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28.12.2016

16:31 Uhr

Krieg in Syrien

Russland und Türkei sollen Waffenruhe für Syrien vereinbart haben

Ab Donnerstag könnte nach Informationen türkischer Staatsmedien ein Waffenstillstand für ganz Syrien in Kraft treten. Das sollen Unterhändler der Türkei und Russland vereinbart haben.

Russland und die Türkei wollen einen Waffenstillstand für Syrien verkünden. dpa

Neue Chance für Syrien?

Russland und die Türkei wollen einen Waffenstillstand für Syrien verkünden.

Ankara, BeirutRussland und die Türkei haben sich nach Angaben der Regierung in Ankara auf einen gemeinsamen Plan für einen Waffenstillstand in Syrien geeinigt. Die Texte für eine entsprechende Syrien-Resolution seien fertig, sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Mittwoch in Ankara. Die russische Regierung lehnte eine Stellungnahme ab. Cavusoglu erklärte, die Türkei halte an einem Amtsverzicht des syrischen Präsidenten Baschar al Assad fest. Assad ist jedoch Verbündeter Russlands.

Cavusoglu erklärte, der Resolutions-Entwurf könnte jederzeit in Kraft gesetzt werden. Mit Blick auf Assad betonte er, für die syrische Opposition sei auch eine Übergangszeit mit ihm an der Spitze untragbar. Ein Vertreter von Rebellen erklärte, er könne nicht bestätigen, dass es eine Einigung auf einen Waffenstillstand gebe. Gespräche zwischen Vertretern der syrischen Opposition und der türkischen Regierung sollten aber diese Woche fortgesetzt werden.

Auf eine entsprechende Frage sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow Angaben der Agentur Tass zufolge: „Ich kann diese Frage jetzt nicht beantworten, ich habe nicht genug Informationen.“ Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte einem Bericht des Senders NTV zufolge zu einer möglichen Waffenruhe lediglich, diese könne „jeden Moment“ beginnen.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Regime

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen am Mittelmeer. Syriens Armee hat allerdings viele Soldaten verloren und wird vor allem durch russische Kampfjets, iranische Kämpfer und die Schiitenmiliz Hisbollah unterstützt. Auch Verbände aus Afghanistan und dem Irak sollen aufseiten des Regimes kämpfen.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz hat in den vergangenen Monaten große Teile ihres Gebietes verloren, herrscht aber immer noch in vielen Städten entlang des Euphrats und in Zentralsyrien.

Rebellen

Unzählige Rebellengruppen kämpfen in Syrien - von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten, wie der früheren Nusra-Front. Immer wieder gehen die verschiedenen Truppen zeitweise Zweckbündnisse ein.

Kurden

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime in Damaskus.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt unter anderem sechs Tornados für Aufklärungsflüge.

Russland

Seit einem Jahr fliegt Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien und steht an der Seite von Machthaber Assad. Russland bekämpft offiziell den IS, greift aber den Angaben zufolge immer wieder auch moderate Rebellengruppen an, die Seite an Seite mit Dschihadisten kämpfen.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Nach Angaben Teherans sind Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden als militärische Berater der syrischen Armee im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern den Sturz Assads. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Die Türkei will eine größere Selbstbestimmung der Kurden in Nordsyrien verhindern.

Eine Waffenruhe könnte Grundlage für Gespräche sein, bei denen die Türkei und Russland im Januar in der kasachischen Hauptstadt Astana zwischen Vertretern der syrischen Opposition und der syrischen Regierung vermitteln wollen. Kreml-Sprecher Peskow sagte, es liefen Gespräche mit der türkischen Regierung darüber, in welcher Form ein Dialog zwischen den Konfliktparteien in Astana stattfinden könne. Das sei Teil der Bemühungen um eine politische Lösung in Syrien. Die Türkei unterstützt die Opposition in Syrien, Russland dagegen die Regierung von Präsident Baschar al-Assad.

Auch bei den Gesprächen in Astana sollen nach türkischen Angaben Terrorgruppen ausgeschlossen werden. Dazu zählen für die Türkei laut Cavusoglu auch die Kurden-Milizen in Nordsyrien. Nach einer monatelangen Krise haben sich die Türkei und Russland in den vergangenen Monaten wieder deutlich angenähert.

Kommentare (9)

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Herr Heinz Keizer

28.12.2016, 09:55 Uhr

Russland und Türkei haben sich also auf einen Waffenstillstand geeinigt? ich habe immer gedacht, Waffenstillstand würde zwischen Kriegsparteien vereinbart? Die beiden Länder können dann doch wohl nur einen Waffenstillstand mit bestimmten gegnerischen Gruppen anstreben. Da sie aber alle als Terroristen ansehen, was soll das ganze?

Herr Günther Schemutat

28.12.2016, 10:54 Uhr

Da winkt doch schon der Friedensnobelpreis für beide Helden. Einmal für Erdogan der den IS mit aufgebaut,unterstützt und mit Waffen und Geld beliefert hat und Putin
der genau wie Erdogan nur einen Friedensplan will. der ihm Vorteile bringt.

Das Putin Assad sofort fallen lässt , wenn ihn die Opposition anbietet weiter den
Stützpunkt in Syrien zu nutzen , liegt schon auf der Hand. Damit hätte er den Iran verloren aber die Saudis, Golfstaaten, USA und Europa gewonnen. Die Türkei
interessiert Putin soweit , dass nach Friedensende und Assad Abreise in das Exil er mit Erdogan zusammen Syrien kontrollieren will.

Das Erdogan 2017 mit all seinen geschaffenen Feinden nicht überlebt , zieht er nicht in Betracht. Aber das sollte er , am Ende fliegt er aus Syrien raus und eine andere Türkei wird wieder auf Europa zugehen und Russland vor die Tür setzen.

Putin sein größter Fehler war ,die Knieschützer anzulegen obwohl wegen der Größe nicht nötig und wie Merkel vor Erdogan zu kriechen. Er hätte auf die Opposition in der Türkei eingehen sollen, denn die wird am Ende gewinnen
und Dankbar sich zeigen.


Herr Max Marx

28.12.2016, 11:47 Uhr

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