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04.09.2016

16:22 Uhr

Krieg in Syrien

Russland und USA vor Einigung über Feuerpause

Zwischen den USA und Russland zeichnet sich eine Einigung ab: Offenbar sind viele Details für eine Waffenruhe in Syrien bereits geklärt. Derweil verstärkt ein anderer Akteur sein Engagement in der Bürgerkriegsregion.

Durch Luftangriffe sind weite Teile der Stadt Aleppo zerstört worden. Nun zeichnet sich eine Feuerpause ab: Die USA und Russland verhandeln. Reuters

Zerstörtes Gebäude in Aleppo

Durch Luftangriffe sind weite Teile der Stadt Aleppo zerstört worden. Nun zeichnet sich eine Feuerpause ab: Die USA und Russland verhandeln.

Hangzhou, IstanbulNach wochenlangen Verhandlungen über eine Feuerpause in Syrien zeichnet sich eine Einigung zwischen den USA und Russland ab. US-Außenminister John Kerry sagte am Rand des G20-Gipfels in der chinesischen Stadt Hangzhou, viele Details seien bereits geklärt. Eine Reihe schwieriger Fragen sei jedoch noch offen. „Wir haben es noch nicht geschafft“, sagte Präsident Barack Obama. Für Montag sei das nächste Treffen der Vertreter beider Seiten geplant. Russlands Vize-Außenminister Sergej Rjabkow bestätigte, dass eine Vereinbarung in Reichweite sei. „Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die Gespräche scheitern“, sagte er.

Eine Waffenruhe soll insbesondere dazu führen, die syrische Bevölkerung mit Hilfslieferungen zu versorgen. Der Vereinbarung zufolge soll Russland die syrische Luftwaffe davon abhalten, von der Opposition gehaltene Gebiete zu bombardieren, schrieb der US-Sondergesandte für Syrien, Michael Ratney, in einem auf Samstag datierten Brief an die Opposition. Zudem solle eine Versorgungsroute für die umkämpfte Großstadt Aleppo freigehalten werden. Zuletzt hatte sich der russische Präsident Wladimir Putin zuversichtlich über die Gespräche mit den USA geäußert.

Militärvertreter beider Seiten treffen sich bereits seit Wochen, um eine Vereinbarung auszuarbeiten. Russland unterstützt den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad unter anderem mit Luftangriffen auf Aufständische. Eine von den USA geführte Koalition hilft dagegen gemäßigten Rebellen und Kurden im Kampf gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS). Nach Angaben des US-Präsidialamts werden Obama und Putin wahrscheinlich zu informellen Gesprächen am Rande des Gipfeltreffens der führenden 20 Industrie- und Schwellenländer (G20) zusammenkommen.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Regime

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen am Mittelmeer. Syriens Armee hat allerdings viele Soldaten verloren und wird vor allem durch russische Kampfjets, iranische Kämpfer und die Schiitenmiliz Hisbollah unterstützt. Auch Verbände aus Afghanistan und dem Irak sollen aufseiten des Regimes kämpfen.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz hat in den vergangenen Monaten große Teile ihres Gebietes verloren, herrscht aber immer noch in vielen Städten entlang des Euphrats und in Zentralsyrien.

Rebellen

Unzählige Rebellengruppen kämpfen in Syrien - von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten, wie der früheren Nusra-Front. Immer wieder gehen die verschiedenen Truppen zeitweise Zweckbündnisse ein.

Kurden

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime in Damaskus.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt unter anderem sechs Tornados für Aufklärungsflüge.

Russland

Seit einem Jahr fliegt Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien und steht an der Seite von Machthaber Assad. Russland bekämpft offiziell den IS, greift aber den Angaben zufolge immer wieder auch moderate Rebellengruppen an, die Seite an Seite mit Dschihadisten kämpfen.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Nach Angaben Teherans sind Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden als militärische Berater der syrischen Armee im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern den Sturz Assads. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Die Türkei will eine größere Selbstbestimmung der Kurden in Nordsyrien verhindern.

Die Türkei rückte unterdessen erneut mit Panzern in Syrien ein. Nach Rebellenangaben unterstützten die türkische Soldaten die Aufständischen der Freien Syrischen Armee in ihrem Kampf gegen die IS-Miliz in der Ortschaft al Rai etwa 55 Kilometer westlich von Dscharablus. Damit nahmen die von der Türkei unterstützten Kämpfer den IS von zwei Seiten in die Zange. In der vergangenen Woche hatte die Türkei in Dscharablus ihre erste größere Offensive in Syrien begonnen. Die Regierung in Ankara will einen 90 Kilometer breiten Korridor schaffen, in dem weder der IS noch die Kurden das Sagen haben. Die Offensive der Türkei hat im Westen – allen voran in den USA – Besorgnis ausgelöst. Die Kurden-Miliz YPG ist ein Verbündeter der USA im Kampf gegen den IS. Die türkische Regierung befürchtet dagegen ein Erstarken der Kurden auch im eigenen Land.

Von

rtr

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