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08.10.2015

19:45 Uhr

Krieg in Syrien

Russland unterstützt Assad mit Marschflugkörpern

Russland weitet seit Engagement in Syrien für das Assad-Regime aus – und geht mit Marschflugkörpern gegen oppositionelle Rebellengruppen vor. Dabei verletzt Moskau erneut den türkischen Luftraum. Ankara protestiert.

Anfang der Woche hat Russland seiner Luft-Offensive in Syrien gestartet. Seither weitet Moskau sein Engagement immer weiter aus. dpa

Luftangriffe

Anfang der Woche hat Russland seiner Luft-Offensive in Syrien gestartet. Seither weitet Moskau sein Engagement immer weiter aus.

Beirut/BrüsselSyrische Regierungstruppen und verbündete Milizen haben mit Rückendeckung der russischen Luftwaffe am Donnerstag weitere Rebellenstellungen unter Beschuss genommen. Die Attacken hätten Zielen in der strategisch wichtigen Ghab-Ebene gegolten, teilte die oppositionelle Syrische Beobachterstelle für Menschenrechte mit. Die russischen Streitkräfte feuerten nach eigenen Angaben Marschflugkörper von Kriegsschiffen im Kaspischen Meer ab, die über den Iran und den Irak nach Syrien gelenkt wurden. Wegen der wiederholten Verletzung des türkischen Luftraums durch russische Kampfjets sicherte die NATO der Türkei ihre Unterstützung zu. Die Bundesregierung will die Patriot-Raketenabwehrbatterien der Bundeswehr jedoch wie geplant ab der kommenden Woche abziehen.

Eine Rebellen-Allianz unter Beteilung des Al-Kaida-Ablegers Nusra-Front hatte die Ghab-Ebene Ende Juli erobert. Kämpfer der Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS) halten sich dort nicht auf. Die Ebene grenzt an eine Bergkette, die das Kernland der alawitischen Glaubensgemeinschaft an der Westküste bildet, zu der Präsident Baschar al-Assad gehört. Die syrische Armee sprach von einer Großoffensive zur Befreiung des Gebiets von Rebellen. Die Beobachterstelle berichtete von einem Sperrfeuer durch Boden-Boden-Raketen und Angriffen russischer Flugzeuge. Dabei seien elf Rebellen und 13 Regierungssoldaten ums Leben gekommen.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Bürgerkrieg in Syrien

Seit mehr als vier Jahren tobt in Syrien ein Bürgerkrieg. Dem Regime in Damaskus steht eine Vielzahl von Gegnern gegenüber, die Lage ist unübersichtlich. Längst werden die Rebellen von islamistischen und radikalen Gruppen dominiert.

Regime

Die Armee kontrolliert noch immer die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Unterstützt werden Assads Anhänger von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah sowie von iranischen Kämpfern.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz ist die stärkste Kraft in Syrien. Sie kontrolliert im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in diesem Jahr mehrere Niederlagen gegen die syrischen Kurden einstecken.

Dschaisch al-Fatah

Dabei handelt es sich um ein Bündnis verschiedener moderater und radikaler Gruppen, darunter die radikale Al-Nusra-Front, die islamistische Miliz Ahrar al-Scham und Brigaden, die sich als Teil der moderaten Freien Syrien Armee (FSA) sehen. Das Bündnis beherrscht im Nordwesten Syriens die Provinz Idlib.

Al-Nusra-Front

Der Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida vertritt eine ähnliche Ideologie wie IS, beide Gruppen sind aber miteinander verfeindet. Die Nusra-Front ist vor allem im Nordwesten des Landes stark, kämpft aber auch im Süden.

Ahrar al-Scham

Die islamistische Miliz ist neben der Nusra-Front die wichtigste Kraft des Rebellenbündnisses Dschaisch al-Fatah. Sie gibt sich pragmatischer und weniger radikal als der Al-Kaida-Ableger.

Freie Syrische Armee

Die FSA ist keine Armee im eigentlichen Sinne, es gibt auch keine einheitliche Führung. Mehrere moderate Gruppen rechnen sich ihr jedoch zu. Stark sind diese im Nordwesten, wo sie auch zu dem Rebellenbündnis gehören, sowie im Süden.

Kurdische Volksschutzeinheiten

Mit Hilfe der US-Luftwaffe konnte die YPG den IS aus großen Gebieten im Norden Syriens zurückschlagen. Dort haben die Kurden eine Selbstverwaltung aufgebaut. Sie kooperieren mit dem Regime, aber auch mit dessen Gegnern. Zuletzt kam es jedoch zu Zusammenstößen mit Rebellengruppen in Aleppo.

An der Bodenoffensive nehmen nach früheren Angaben auch Kämpfer der vom Iran unterstützen schiitischen Hisbollah-Miliz teil. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die vom Kaspischen Meer aus abgefeuerten Lenkraketen hätten Waffenfabriken, Waffenlager, Kommandozentralen und Trainings-Camps der Aufständischen getroffen. In dem seit viereinhalb Jahren tobenden Bürgerkrieg sind bisher eine Viertelmillion Menschen gestorben; Millionen Syrer sind auf der Flucht.

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