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02.12.2016

17:23 Uhr

Krieg in Syrien

Steinmeier sagt weitere 50 Millionen Euro für Aleppo zu

Zerstörung, Hunger, unfassbares Leid: Die Lage in Aleppo wird immer schlimmer. Außenminister Steinmeier sagt Hilfe zu. In den manchen Gebieten kann die aber nur ankommen, wenn die Konfliktparteien das zulassen.

Bei seinem Besuch im Libanon hat der Außenminister weitere Finanzhilfen für Syrien angekündigt. AP

Frank-Walter Steinmeier

Bei seinem Besuch im Libanon hat der Außenminister weitere Finanzhilfen für Syrien angekündigt.

Beirut/ZahléBundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat den notleidenden Menschen in der umkämpften syrischen Stadt Aleppo 50 Millionen Euro zusätzlich für Nahrung, Unterkünfte und medizinische Hilfe zugesagt. Bei einem Kurzbesuch im Libanon rief er am Freitag die Konfliktparteien eindringlich zu Feuerpausen auf, damit dringend benötigte Hilfslieferungen auch in die eingeschlossene Gebiete gelangen könnten.

Weitere zehn Millionen Euro versprach Steinmeier dem Libanon für die Unterbringung syrischer Flüchtlinge und Unterstützung staatlicher Einrichtungen. Das kleine Nachbarland Syriens hat mindestens eine Millionen Menschen aufgenommen und damit im Verhältnis zu seinen vier Millionen Einwohnern so viele wie kein anderes Land der Welt.

„Humanitäre Hilfe ist das Gebot der Stunde“, sagte Steinmeier. Er besuchte in Zahlé in der Bekaa-Hochebene ein provisorisches Flüchtlingslager, in dem 600 Syrer – viele aus dem Raum Aleppo – teils seit Jahren in Zelten und Verschlägen leben. Rund 2000 solcher Siedlungen gibt es im Libanon. 70 Prozent der syrischen Flüchtlinge in dem Land leben in extremer Armut.

Steinmeier nutzte die Reise, um die Konfliktparteien in Syrien zur Deeskalation aufzurufen. „Wir dürfen keine Chance auslassen, um wenigstens in diesen nächsten Wochen nach weiteren Kampfpausen zu suchen“, sagte er. „Wir dürfen nicht aufgeben in den Bemühungen, eine Entschärfung dieses Krieges hinzukriegen.“

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Regime

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen am Mittelmeer. Syriens Armee hat allerdings viele Soldaten verloren und wird vor allem durch russische Kampfjets, iranische Kämpfer und die Schiitenmiliz Hisbollah unterstützt. Auch Verbände aus Afghanistan und dem Irak sollen aufseiten des Regimes kämpfen.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz hat in den vergangenen Monaten große Teile ihres Gebietes verloren, herrscht aber immer noch in vielen Städten entlang des Euphrats und in Zentralsyrien.

Rebellen

Unzählige Rebellengruppen kämpfen in Syrien - von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten, wie der früheren Nusra-Front. Immer wieder gehen die verschiedenen Truppen zeitweise Zweckbündnisse ein.

Kurden

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime in Damaskus.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt unter anderem sechs Tornados für Aufklärungsflüge.

Russland

Seit einem Jahr fliegt Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien und steht an der Seite von Machthaber Assad. Russland bekämpft offiziell den IS, greift aber den Angaben zufolge immer wieder auch moderate Rebellengruppen an, die Seite an Seite mit Dschihadisten kämpfen.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Nach Angaben Teherans sind Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden als militärische Berater der syrischen Armee im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern den Sturz Assads. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Die Türkei will eine größere Selbstbestimmung der Kurden in Nordsyrien verhindern.

Der syrische Bündnispartner Russland hatte die Einrichtung von Korridoren zur Versorgung der Bevölkerung in Ost-Aleppo angeboten, eine Feuerpause aber abgelehnt. In den kurdisch beherrschten Stadtteilen Aleppos ist die Uno nach Angaben des Kurdenführers Salih Muslim inzwischen vor Ort.

Deutschland hat seit 2012 bereits mehr als 2,5 Milliarden Euro für humanitäre Hilfe in Syrien bereitgestellt - so viel wie kaum ein anderes Land weltweit. Der Libanon hat für die Bewältigung der Flüchtlingskrise mehr als 700 Millionen Euro aus Deutschland erhalten.

Der libanesische Außenminister Gebran Bassil bedankte sich bei Steinmeier für die Unterstützung, vor allem auch für die Organisation internationaler Syrien-Konferenzen. Er betonte, dass ihm vor allem direkte Hilfe für staatliche Institutionen wichtig sei.

Steinmeier traf in Beirut auch den neuen libanesischen Präsidenten Michel Aoun, der Anfang November nach mehr als zwei Jahren ohne libanesisches Staatsoberhaupt gewählt worden war. Der Verbündete der vom Iran unterstützten Schiitenmiliz Hisbollah gilt als einer der umstrittensten Politiker des Landes. Seit Mai 2014 war die Wahl des neuen Präsidenten 45 Mal gescheitert, weil sich die Parteien nicht auf einen Kandidaten hatten einigen können.

Von

dpa

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