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30.09.2016

03:44 Uhr

Krieg in Syrien

Streit zwischen USA und Russland eskaliert

Während Russland den USA die Unterstützung des Terrorismus vorwirft, denken diese über eine härtere Maßnahme gegen die russische Offensive nach. Die UN hingegen fordern Sicherheit für Menschen in Aleppo.

Dringliche Worte

UN appelliert an USA und Russland: „Einigt Euch - Syrien steigt in die Hölle hinab“

Dringliche Worte: UN appelliert an USA und Russland: „Einigt Euch - Syrien steigt in die Hölle hinab“

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Moskau/Genf/Washington/New YorkIn der festgefahrenen diplomatischen Krise zwischen Russland und den Vereinigten Staaten zur Syrien-Frage hat es am Donnerstag keine Bewegung gegeben. Der russisch-amerikanische Austausch hatte nach einem Angriff auf einen UN-Hilfskonvoi gelitten, für den die USA Russland zumindest mitverantwortlich machen. Die Großstadt Aleppo hatte in den vergangenen Tagen die heftigsten Angriffe der syrischen und russischen Luftwaffe seit Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011 erlebt. In den Rebellengebieten dort sind bis zu 300.000 Menschen eingeschlossen.

US-Außenminister John Kerry sagte am Donnerstag in New York, die Verhandlungen mit Russland stünden kurz vor dem Abbruch. Angesichts der anhaltenden Angriffe auf die syrische Metropole Aleppo seien derartige Gespräche "irrational". "Dies ist einer der Momente, an denen wir Alternativen verfolgen müssen."

Ban Ki Moon: „Schlacht um Aleppo – schlimmer als ein Schlachthaus“

Ban Ki Moon

„Schlacht um Aleppo – schlimmer als ein Schlachthaus“

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon vergleicht die Lage in der syrischen Stadt Aleppo mit einem „Schlachthaus“. Sollten Assads Soldaten die Metropole einnehmen, gilt dies als möglicher Wendepunkt in dem Bürgerkrieg.

Die russische Führung erklärte, die Offensive auf Aleppo werde fortgesetzt. Die Rhetorik aufseiten der Regierung in Washington sei in den vergangenen Tagen eher unkonstruktiv gewesen. Die Wortwahl der USA in der Krise lasse sich nur als Unterstützung des Terrorismus interpretieren, sagte der russische Außenstaatssekretär Sergej Riabkow am Donnerstag Agenturmeldungen zufolge. Auslöser für den Zorn des russischen Staatssekretärs war eine Äußerung des US-Außenministeriums vom Mittwoch.

Dessen Sprecher John Kirby hatte Russland indirekt davor gewarnt, in dem Konflikt weiter militärisch tätig zu sein, da Russland dadurch zum Ziel von Extremisten werden könnte. Er sagte, Russland habe selbst ein Interesse an einem Ende der Gewalt in Syrien, da Extremisten vom Machtvakuum dort profitieren und Angriffe "auf russische Interessen, möglicherweise sogar russische Städte" unternehmen könnten.

"Wir können dies nicht anders interpretieren als eine de-facto-Unterstützung des Terrorismus durch die US-Regierung", sagte Riabkow Agenturmeldungen zufolge. "Diese kaum verhohlenen Einladungen, Terror als Waffe gegen Russland einzusetzen, zeigen, wie tief die aktuelle US-Regierung in ihrer Nahost- und Syrien-Politik gesunken ist."

Moskaus Militäreinsatz in Syrien

September 2015

Assads Verbündeter Russland beginnt Luftangriffe in Syrien. Neben Bombern und Kampfjets werden Hubschrauber und Marschflugkörper von Kriegsschiffen eingesetzt. Damit soll nach Kreml-Angaben die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekämpft werden. Ein Großteil der Angriffe richtet sich jedoch, wie Kritiker immer wieder herausstellen, gegen Rebellen, die mit den Dschihadisten des IS verfeindet sind.

Oktober 2015

Das syrische Regime beginnt mit russischer Luftunterstützung eine Bodenoffensive gegen Rebellengruppen. Assads Einheiten erzielen in mehreren Provinzen Geländegewinne.

November 2015

In Wien einigen sich die Teilnehmer einer Syrien-Konferenz, darunter Russland, auf einen Friedensfahrplan. Er sieht auch eine Übergangsregierung vor.

November 2015

Die Türkei schießt ein russisches Kriegsflugzeug im Grenzgebiet zu Syrien ab. Der Pilot stirbt. Manche fürchten eine Eskalation des Konfliktes zwischen dem Nato-Mitglied Türkei und Moskau. Als Vergeltung erlässt Präsident Wladimir Putin Wirtschaftssanktionen gegen die Türkei.

Februar 2016

Die angesehene Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte macht Russland für Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser verantwortlich. Dabei sollen rund 50 Menschen getötet worden sein. Syriens Botschafter in Moskau hatte zuvor erklärt, US-Kampfflugzeuge hätten eine Klinik zerstört.

März 2016

Mit russischer Luftunterstützung erobert Assads Armee die antike Oasenstadt Palmyra vom IS zurück. Wladimir Putin befiehlt militärische Veränderungen, die Rede ist von einem Teilabzug. Nach Ansicht von Beobachtern nimmt die Zahl russischer Waffen und Soldaten zunächst aber kaum ab.

Mai 2016

Mit dem Konzert eines Symphonie-Orchesters aus St. Petersburg im Amphitheater von Palmyra zeigt Syriens enger Partner Russland demonstrativ seine starke Rolle im Bürgerkrieg.

Russland kritisiert die US-Haltung seit Tagen scharf. Das Außenministerium in Moskau wirft Washington unter anderem vor, mit der Syrien-Politik innenpolitische Ziele zu verfolgen. Der Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Dmitri Peskow, gab den USA die Schuld an der erneuten Eskalation der Kämpfe. Die USA würden ihrer Verpflichtung nicht nachkommen, "moderate Rebellen von Terroristen" zu unterscheiden.

Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Samantha Power erklärte hingegen, das russische Vorgehen in Syrien sei ein "Geschenk an die Extremisten-Miliz Islamischer Staat", die vom Chaos des Bürgerkriegs profitiere.

Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin verlautete, Außenminister Frank-Walter Steinmeier dringe darauf, dass die USA und Russland ihre Gespräche fortsetzten, um wenigstens eine vorübergehende Feuerpause zu erreichen. Die russische Seite müsse eine Waffenruhe von mehr als 48 Stunden mittragen und bei der syrischen Führung durchsetzen, damit humanitäre Hilfe für die Bevölkerung möglich sei. Ein Regierungssprecher erklärte, Bundeskanzlerin Angela Merkel habe Putin in einem Telefonat aufgefordert, alles zu versuchen, um die Lage der syrischen Bevölkerung zu verbessern.

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