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18.12.2016

15:57 Uhr

Krieg in Syrien

Teherans blutiger Machtpoker

Der Krieg in Syrien hat die Machtverhältnisse in der Region kräftig durchgeschüttelt. Der Einflussbereich des Iran reicht nun bis ans Mittelmeer. Das ist vor allem Erzfeind Saudi-Arabien ein Dorn im Auge.

Der Fall Ost-Aleppos ist nicht nur für Assad ein Erfolg. AP

Schiitische Kämpfer

Der Fall Ost-Aleppos ist nicht nur für Assad ein Erfolg.

BeirutNicht nur für Syriens Machthaber Baschar al-Assad ist der Fall Ost-Aleppos der wichtigste Sieg seit Ausbruch des Bürgerkriegs 2011. Auch für die iranische Führung ist dies ein Erfolg. Ohne die Unterstützung schiitischer Kämpfer aus der Islamischen Republik wäre Assads Rückeroberung der Rebellen-Enklave kaum möglich gewesen.

Mit dem militärischen Erfolg ist der Iran seinem Ziel, den Erzrivalen Saudi-Arabien im Wettstreit um die Vorherrschaft in der Region hinter sich zu lassen, einen Schritt näher gekommen. Im Westen wird dies mit Argwohn betrachtet. Die Schar der Iran-Kritiker im Westen wächst, mit noch unabsehbaren Folgen für die nach dem Atomabkommen erreichte Annäherung, von der sich unter anderem Deutschland auch große Geschäfte erhofft.

Warum Aleppo im Krieg so wichtig ist

Symbolwirkung

Aleppo hat sich zum Symbol für den verheerenden Konflikt entwickelt. Die Stadt war nahezu seit Beginn der Kämpfe zwischen Regime und Rebellengruppen geteilt und ist das am schwersten umkämpfte Schlachtfeld in dem Krieg. Wer hier siegt, hat auch einen immensen psychologischen Vorteil.

Letzte Hoffnung für Rebellen

Aleppo ist die letzte Großstadt, in der Aufständische noch Gebiete kontrollieren. Damaskus und Homs sind fest in der Hand der Truppen von Syriens Präsident Baschar al-Assad. Den Rebellen blieben ohne die ehemals größte Stadt des Landes nur noch einige eher ländliche Gebiete wie die Provinz Idlib.

Strategisch wichtig

Nicht zu unterschätzen ist der militärische Spielraum, den die syrische Armee bei einer Eroberung gewinnen würde. Die Schlacht um die ehemalige Handelsmetropole bindet viele Kräfte. Diese könnten sich dann auf andere Rebellengebiete des Landes konzentrieren und das Ende des Bürgerkrieges erzwingen.

Einfluss Russlands

An der Entwicklung in der nordsyrischen Stadt lässt sich der Einfluss Russlands seit seinem Kriegseintritt vor mehr als einem Jahr sowie der des Irans ablesen. Ohne diese beiden Verbündeten wäre das geschwächte Regime nicht in der Lage gewesen, die Rebellen so in die Defensive zu drängen.

Verfehlte Politik des Westens

An Aleppo zeigt sich die Schwäche und die verfehlte Politik des Westens, allen voran der USA und seiner Verbündeten. Sie ließen ein Machtvakuum im Bürgerkrieg entstehen, in das Moskau zugunsten der syrischen Regierung vorstieß - und gucken nun ohnmächtig der zivilen Katastrophe zu.

Verhandlungsbasis

Die Eroberung Aleppos würde dem Regime eine starke Verhandlungsbasis für künftige Friedensgespräche geben – falls Assad diese angesichts seines Siegeszuges überhaupt für nötig halten sollte.

Mit seiner Einmischung in den Syrien-Konflikt hat der schiitische Iran seine Einflusssphäre von der afghanischen Grenze bis zum Mittelmeer ausgeweitet. Der Krieg hat die Machtverhältnisse kräftig durchgeschüttelt. Nicht nur Syrien ist auf die militärische Hilfe aus Teheran angewiesen. Auch im benachbarten Irak, wo die Schiiten nach dem Sturz des sunnitischen Machthabers Saddam Hussein die Oberhand gewonnen haben, geht ohne die im Iran ausgebildeten Milizen nichts mehr.

Bei der Offensive irakischer Streitkräfte zur Rückeroberung der IS-Bastion Mossul spielen die von Iranern ausgebildeten Kämpfer eine wichtige Rolle. Derzeit kämpfen sie um die Kontrolle von Tal Afar, das zwischen der Hochburg der Extremistenmiliz und Grenze zu Syrien liegt. Mit der Eroberung Tal Afars wäre dem Iran ein militärischer Zugang bis zum Mittelmeer sicher. Auch im Libanon hat der Iran entscheidenden Einfluss – dank historischer Verbindungen zur schiitischen Gemeinschaft und der großzügigen finanziellen Unterstützung der Hisbollah, der bedeutendsten politischen und militärischen Bewegung des Landes. Hisbollah-Einheiten kämpfen auch in Syrien aufseiten der Assad-Truppen.

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