Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.12.2016

18:08 Uhr

Krieg in Syrien

Uno-Sicherheitsrat beschließt Beobachtermission für Aleppo

Der Uno-Sicherheitsrat hat per Resolution die Entsendung von Beobachtern in die syrische Stadt Aleppo gefordert. Alle 15 Mitgliedsstaaten stimmten nun in New York für eine entsprechende Vorlage. Auch Russland.

Syrien-Krieg

UN-Sicherheitsrat: Beobachter werden nach Aleppo entsannt

Syrien-Krieg: UN-Sicherheitsrat:  Beobachter werden nach Aleppo entsannt

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

New YorkDie Vereinten Nationen entsenden Beobachter zur Lage der Zivilisten in der syrischen Großstadt Aleppo. Der Uno-Sicherheitsrat votierte am Montag einstimmig für eine entsprechende Resolution. Es ist das erste Mal seit Monaten, dass sich die Staaten in dem Uno-Gremium, darunter Russland und die USA, zu einem gemeinsamen Vorgehen im syrischen Bürgerkrieg durchringen konnten. Mit der Resolution können unabhängige Beobachter in die Krisengebiete rund um Aleppo, sowie an die relevanten Checkpoints und in die Busse, mit denen Zivilisten evakuiert werden, entsendet werden.

Unterdessen läuft die Evakuierung von syrischen Zivilisten aus den syrischen Kriegsgebieten, vor allem aus Aleppo, weiter voran. Am Sonntagabend konnten rund 350 Menschen die zerstörte Stadt verlassen und in die Türkei gebracht werden. Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon beschrieb die Situation in Syrien auf einer Pressekonferenz am vergangenen Freitag mit den Worten, Aleppo stehe für ihn mittlerweile als Synonym für die Hölle.

Die Akteure im Syrien-Konflikt

Das Regime

Seit fast fünf Jahren tobt in Syrien ein auch von außen befeuerter Bürgerkrieg. Die Krise ist auch deshalb schwer zu lösen, weil es zahlreiche Akteure mit eigenen Interessen gibt. Zum Beispiel das Regime. Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Syriens Armee hat im langen Krieg sehr gelitten, konnte aber zuletzt dank massiver russischer und iranischer Hilfe Geländegewinne erzielen. Machthaber Assad lehnt einen Rücktritt ab.

Islamischer Staat

Die Terrormiliz IS ist die stärkste Kraft in Syrien neben der Regierung. Sie beherrscht im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in den vergangenen Monaten mehrere Niederlagen einstecken.

Rebellen

Sie sind vor allem im Nordwesten und Süden Syriens stark. Ihr Spektrum reicht von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten. Zu diesen gehören die Gruppen Ahrar al-Scham und Dschaisch al-Islam. Teilweise kooperieren sie mit der Al-Nusra-Front, Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida.

Die Opposition

Sie ist zersplittert. Das wichtigste Oppositionsbündnis ist die Syrische Nationale Koalition in Istanbul. In Damaskus sitzen zudem Oppositionsparteien, die vom Regime geduldet werden. Bei einer Konferenz in Riad einigten sich verschiedenen Gruppen auf die Bildung eines Hohen Komitees für Verhandlungen, dem aber einige prominente Vertreter der Opposition nicht angehören.

Die Kurden

Kurdische Streitkräfte kontrollieren mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime. Führende Kraft ist die Kurden-Partei PYD, Ableger der verbotenen Arbeiterpartei PKK.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt sechs Tornados für Aufklärungsflüge über Syrien, ein Flugzeug zur Luftbetankung sowie die Fregatte „Augsburg“, die im Persischen Golf einen Flugzeugträger schützt. Washington unterstützt moderate Regimegegner.

Russland

Seit September fliegt auch Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen den IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind. Moskau ist einer der wichtigsten Unterstützer des syrischen Regimes.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Iraner kämpfen an der Seite der syrischen Soldaten. Auch die von Teheran finanzierte Schiitenmiliz Hisbollah ist in Syrien im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern, dass Assad abtritt. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Zuletzt eskalierte der Konflikt zwischen den beiden Regionalmächten. (Quelle: dpa)

Es wird davon ausgegangen, dass sich noch mehrere Zehntausend Menschen, Rebellen und Zivilisten, in dem seit Monaten von Regierungstruppen belagerten Osten der Großstadt aufhalten. Die Rebellengebiete dort waren in den vergangenen Wochen nach heftigen Luftangriffen fast vollständig vom syrischen Regime mit Hilfe seiner Verbündeten Russland und Iran erobert worden.

Syrien – Land im Bürgerkrieg

Name

Arabische Republik Syrien

Hauptstadt

Damaskus

Bevölkerung bis zum Krieg

ca. 22 Millionen (2011)

Flüchtlinge

Über 11 Millionen Syrer sind im Land und außerhalb des Landes auf der Flucht (Uno-Angaben)

Kriegstote

bis zu 400.000 (Uno-Angaben 2016)

Armut

13,5 Millionen Syrer brauchen nach Uno-Schätzungen humanitäre Hilfe

Sprache

Arabisch

Staatsoberhaupt

seit 2000 Präsident Baschar al-Assad; davor sein Vater Hafis al-Assad (von 1971 bis 2000)

Regierungskreise hatten zuvor von einer neuen Vereinbarung zwischen der syrischen Führung und den Rebellen berichtet. Diese schließe auch die Evakuierung der belagerten Orte Fua und Kafraja mit ein. Am Freitag war wie Räumung unterbrochen worden, nachdem es erneut Gefechte gegeben hatte. Die Führung in Damaskus und die Opposition hatten sich dafür gegenseitig die Schuld zugeschoben.

Syrien-Krieg

"Twitter-Mädchen" Bana aus Ost-Aleppo gerettet

Syrien-Krieg: "Twitter-Mädchen" Bana aus Ost-Aleppo gerettet

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Die syrische Regierung hat die Entscheidung der Uno verurteilt. Einziges Ziel der Mission sei es, ausländische Agenten aus den ehemaligen Rebellengebieten zu schaffen, sagte der syrische Uno-Botschafter Baschar Dschaafari am Montag.

Seinen Angaben zufolge halten sich noch zwölf dieser Geheimdienstoffiziere in Ost-Aleppo auf, sechs aus Saudi-Arabien und je einer aus der Türkei, den USA, Israel, Katar, Jordanien und Marokko. „Wir werden sie fassen ... und Ihnen vorführen“, sagte Dschaafari.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×