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22.10.2016

14:59 Uhr

Krieg in Syrien

Uno wirft Assad weitere Chemiewaffenattacke vor

Die Vereinten Nationen melden neue Beweise für einen Chemiewaffeneinsatz des Assad-Regimes – wahrscheinlich handelt es sich um Chlor. Der Sicherheitsrat will am Donnerstag darüber diskutieren.

Hat Assad die syrische Bevölkerung mit Chemiewaffen angegriffen? Die Uno hat Beweise dafür. AP

Syrischer Regimeführer Assad

Hat Assad die syrische Bevölkerung mit Chemiewaffen angegriffen? Die Uno hat Beweise dafür.

New YorkDie Vereinten Nationen haben der syrischen Regierung eine weitere Chemiewaffenattacke vorgeworfen. Es gebe „genügend Beweise“ dafür, dass syrische Truppen am 16. März 2015 eine „giftige Substanz“ – vermutlich Chlor – auf den Ort Kmenas abgeworfen hätten, hieß es in einem Bericht der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen und des Gemeinsamen Uno-Investigativmechanismus. Er wurde am späten Freitagabend (Ortszeit) dem Sicherheitsrat in New York übermittelt, die Nachrichtenagentur AP konnte das Papier einsehen.

Im August hatte das Uno-Gutachterteam die Regierung von Präsident Baschar al-Assad für den Einsatz von Chlorgas bei zwei Attacken verantwortlich gemacht. Die Terrormiliz Islamischer Staat griff demnach in einem Fall auf Senfgas zurück.

Damals sprachen die Ermittler von drei weiteren Chemiewaffenattacken, die auf eine Urheberschaft der syrischen Regierung hindeuteten. In einem Fall wurde nun die Assad-Führung als mutmaßlicher Schuldiger genannt. Bei den zwei anderen Fällen gebe es noch keine Beweise, hieß es weiter.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Regime

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen am Mittelmeer. Syriens Armee hat allerdings viele Soldaten verloren und wird vor allem durch russische Kampfjets, iranische Kämpfer und die Schiitenmiliz Hisbollah unterstützt. Auch Verbände aus Afghanistan und dem Irak sollen aufseiten des Regimes kämpfen.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz hat in den vergangenen Monaten große Teile ihres Gebietes verloren, herrscht aber immer noch in vielen Städten entlang des Euphrats und in Zentralsyrien.

Rebellen

Unzählige Rebellengruppen kämpfen in Syrien - von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten, wie der früheren Nusra-Front. Immer wieder gehen die verschiedenen Truppen zeitweise Zweckbündnisse ein.

Kurden

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime in Damaskus.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt unter anderem sechs Tornados für Aufklärungsflüge.

Russland

Seit einem Jahr fliegt Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien und steht an der Seite von Machthaber Assad. Russland bekämpft offiziell den IS, greift aber den Angaben zufolge immer wieder auch moderate Rebellengruppen an, die Seite an Seite mit Dschihadisten kämpfen.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Nach Angaben Teherans sind Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden als militärische Berater der syrischen Armee im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern den Sturz Assads. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Die Türkei will eine größere Selbstbestimmung der Kurden in Nordsyrien verhindern.

Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen teilte mit, bei der Attacke auf Kmenas habe ein aus großer Höhe abgeworfenes Objekt die giftige Substanz freigesetzt. Zeugen und Krankenhauspersonal hätten anhand des Geruchs und der Symptome Chlorgas ausgemacht. Die Gruppe erklärte, es sei wesentlich, die dafür Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Es müssten all jene abgeschreckt werden, die glaubten, durch den Einsatz von Chemiewaffen könne etwas erreicht werden.

Die USA, Großbritannien und Frankreich wollen, dass der Uno-Sicherheitsrat wegen des Einsatzes von Chemiewaffen Sanktionen gegen das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad verhängt. Das lehnt Russland, Syriens engster Verbündeter, jedoch mit dem Hinweis ab, der im August vorgelegte Beweis sei nicht überzeugend. Der Sicherheitsrat soll am Donnerstag über den Bericht diskutieren.

Von

ap

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