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30.07.2016

16:54 Uhr

Krieg in Syrien

Zivilisten verlassen angeblich Rebellengebiete Aleppos

Laut syrischem Staatsfernsehen nutzen Dutzende Familien die Sicherheitskorridore aus der belagerten Stadt Aleppo. Auch einige Rebellen hätten sich ergeben, heißt es. Oppositionelle widersprechen dieser Darstellung.

Über Sicherheitskorridore, die von russischen und Baschar Al-Assads Kräften organsiert wurden, sollen Zivilisten aus der umkämpften Stadt inzwischen fliehen können. AFP; Files; Francois Guillot

Straße in Aleppo

Über Sicherheitskorridore, die von russischen und Baschar Al-Assads Kräften organsiert wurden, sollen Zivilisten aus der umkämpften Stadt inzwischen fliehen können.

BeirutMehr als 200 Menschen haben nach Darstellung der syrischen Staatsmedien und des russischen Militärs in den vergangenen Tagen die Rebellengebiete der umkämpften Stadt Aleppo verlassen. Zivilisten seien über die Sicherheitskorridore in Regierungsviertel gekommen, Rebellenkämpfer hätten sich ergeben, hieß es in einem Bericht des Staatsfernsehens am Samstag. Oppositionelle wie der Aktivist Baraa al-Halabi aus Aleppo stritten das ab. „Das ist ein Spiel des Regimes. Keine einzige Person ist gegangen.“

Um Aleppo tobt eine der längsten und erbittertsten Schlachten im syrischen Bürgerkrieg. Am 17. Juli zogen die Regierungstruppen den Belagerungsring um die einstige Millionenstadt enger, indem sie die Hauptstraße in die von Rebellen gehaltenen Viertel komplett unter ihre Kontrolle brachten. 300.000 Menschen sind seitdem dort eingeschlossen.

Für sie richteten die syrischen Truppen mit Unterstützung Russlands Sicherheitskorridore ein. Über diese hätten seit Donnerstag 169 Zivilisten und 69 Kämpfer die Rebellenviertel Aleppos verlassen, erklärte der russische Generalleutnant Sergej Tscharkow. Die syrische Regierung habe sechs Notlager eingerichtet, um die Flüchtenden unterzubringen.

Wer in Syrien und im Irak gegen den IS kämpft

Das Anti-IS-Bündnis

Im September 2014 gab US-Präsident Barack Obama die Gründung eines Bündnisses bekannt mit dem Ziel, den IS „endgültig zu zerstören“. Mehr als 60 Staaten und internationale Organisationen beteiligen sich am Kampf gegen die Terrormiliz sowohl in Syrien als auch im benachbarten Irak. Neben Ländern der Europäischen Union (EU) wie Deutschland, Italien, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden gehören der Koalition auch Australien sowie mehrere arabische Länder an.

Luftangriffe

Nur wenige Staaten fliegen neben den USA Luftangriffe gegen die Terrormiliz. Im Irak sind daran zum Beispiel Frankreich, Australien und Großbritannien beteiligt. In Syrien sind es neben Frankreich auch arabische Staaten wie Saudi-Arabien, Bahrain, Katar und Jordanien. Die Türkei, Syriens Nachbar im Norden, hatte 2015 nach langem Zögern die Nutzung seiner Luftwaffenbasis Incirlik für Luftschläge – auch der USA – gegen den IS erlaubt.

Bundeswehr

Die Bundeswehr unterstützt den Kampf gegen den IS unter anderem mit „Tornado“-Aufklärungsjets. Die Maschinen bombardieren die IS-Stellungen aber nicht selbst. Teil des deutschen Beitrags sind auch ein Tankflugzeug und zeitweise eine Fregatte. Diese sicherte zusammen mit Kriegsschiffen aus Frankreich, Belgien und Großbritannien den französischen Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ im Persischen Golf. Die „Augsburg“ war seit Dezember 2015 dafür rund vier Monate unterwegs. Vom einzigen Flugzeugträger der französischen Marine starteten Jagdbomber zu ihren Einsätzen.

Training und Waffen

Im Norden Syriens unterstützen US-Spezialkräfte zudem kurdische Kämpfer. Das US-Militär und seine Verbündeten bilden im Irak außerdem das irakische Militär sowie kurdische Peschmerga-Kämpfer aus. Auch rund 130 Bundeswehrsoldaten schulen im Nordirak Peschmerga-Einheiten. Darüberhinaus beliefert Deutschland die irakischen Kurden mit Waffen.

Russland

Moskau ist nicht Teil des von den USA gegründeten Bündnisses. Russische Truppen greifen seit September 2015 unabhängig davon Ziele in Syrien an. Allerdings nicht nur Stellungen des IS. Russische Attacken richten sich auch gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind. So starten die Jets vom russischen Luftwaffenstützpunkt Hamaimim nahe Latakia im Nordwesten Syriens. Zudem wurden Marschflugkörper von Kriegsschiffen im Mittelmeer abgefeuert.

Das Staatsfernsehen zeigte Bilder von Dutzenden Frauen und Kindern, die angeblich im Regierungsviertel Salaheddine ankamen. Später seien sie in die Lager westlich von Aleppo gebracht worden. Auch auf den Aufnahmen zu sehen waren rund ein Dutzend junger Männer, die sich angeblich den Regierungstruppen ergaben. Ihre Gesichter waren vermummt, als sie mit erhobenen Armen auf die Regierungssoldaten zukamen. Präsident Baschar al-Assad versprach kürzlich Kämpfern, die sich in den kommenden drei Monaten ergeben, eine Amnestie.

Neben dem Aktivisten Baraa al-Halabi dementierten auch die Örtlichen Koordinationskomitees diese Berichte. Keine Zivilisten oder Rebellenkämpfer seien in Regierungsviertel gekommen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte hingegen, es hätten sehr wohl einige die Rebellenviertel verlassen. Die Organisation konnte aber keine Zahlen nennen.

Von

ap

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