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04.09.2014

18:13 Uhr

Krieg mit der Ukraine

Russlands heimlicher Feldzug

In den russischen Medien gibt es keine Informationen über heimische Soldaten, die im Ukraine-Konflikt verletzt oder getötet wurden. Betroffene und Angehörige suchen sich neue Kommunikationswege – über soziale Netzwerke.

Öffentlich gibt es in Russland keinen Krieg mit der Ukraine und keine russischen Opfer. Angehörige verwundeter oder toter russischer Soldaten tauschen sich deshalb über die sozialen Medien aus. dpa

Öffentlich gibt es in Russland keinen Krieg mit der Ukraine und keine russischen Opfer. Angehörige verwundeter oder toter russischer Soldaten tauschen sich deshalb über die sozialen Medien aus.

MoskauAls der junge russische Fallschirmjäger Nikolai Koslow im Frühjahr zum Einsatz auf die Krim geschickt wurde, waren seine Eltern stolz. Nun, sechs Monate später, ist er zurück in seiner Heimat und liegt amputiert und auf ewig gezeichnet im Krankenhaus. Zeugenaussagen wie die von Koslows Familie häufen sich dieser Tage und zeigen: Russische Soldaten sind tatsächlich in der Ukraine im Einsatz. Doch die meisten Russen scheinen diesen Konflikt schlicht auszublenden.

„Sein Vater hat mich gestern angerufen“, schreibt Nikolais Onkel Sergej an die Nachrichtenagentur AFP. Er habe ihn um Hilfe bei der Pflege des verletzten Soldaten gebeten, der mit Spitznamen Kolka heißt. „Kolka wurde in der Ukraine verletzt, er hat ein Bein verloren, oder auch beide - ich habe nicht gefragt.“

Putin spricht...

über Krieg und Frieden

„Russland hat keine Absicht, Krieg gegen das ukrainische Volk zu führen.“
am 4.3. in einer Pressekonferenz

„Wenn ich will, kann ich in zwei Wochen Kiew einnehmen.“
am 01.09. in einem Telefonat mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, das dieser öffentlich machte. Die russische Seite erklärte im Anschluss, das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen worden.

über Rüstung

„Die Militarisierung des Weltraums und die US-Stützpunkte in Europa und Alaska, direkt an unserer Grenze, nötigen uns zu einer Reaktion.“
am 10.09. in einer Pressekonferenz

über die Zukunft der Ostukraine

„Russland behält sich das Recht vor, alle vorhandenen Mittel zu nutzen, sollte es in östlichen Regionen der Ukraine zu Willkür kommen.“
am 4. 3. in einer Pressekonferenz

„Diese Gebiete (im Süden und Osten der Ukraine) waren als Neurussland historisch ein Teil des Russischen Reiches. Erst in den 1920er Jahren wurden die Territorien von den Bolschewiken der Ukraine gegeben. Gott weiß warum.“
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

„Es müssen umgehend substanzielle inhaltliche Verhandlungen anfangen - nicht zu technischen Fragen, sondern zu Fragen der politischen Organisation der Gesellschaft und der Staatlichkeit im Südosten der Ukraine.“
am 31. 8. vor dem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe

über die Führung der Ukraine

„In der Ukraine gibt es bislang keine legitime Macht, mehrere Staatsorgane werden von radikalen Elementen kontrolliert.“
am 18. 3. in der Rede an die Nation

„Sind sie da jetzt völlig verrückt geworden? Panzer, Schützenpanzerwagen und Kanonen! (...) Sind sie total bekloppt? Mehrfachraketenwerfer, Kampfjets im Tiefflug! (...) Sind sie dort jetzt völlig bescheuert geworden, oder was?
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

über den Westen

„In der Ukraine überschritten die westlichen Partner die rote Linie, verhielten sich grob, verantwortungslos und unprofessionell.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Die Vereinigten Staaten dürfen in Jugoslawien, Irak, Afghanistan und Libyen agieren, aber Russland soll es verwehrt sein, seine Interessen zu verteidigen.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

über Russen im Ausland

„Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die Russen zu einem der größten geteilten Völker der Welt. Millionen von Menschen gingen in einem Land ins Bett und erwachten in einem ganz anderen und wurden zur nationalen Minderheit.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Ich glaube daran, dass die Europäer, vor allem aber die Deutschen, mich verstehen werden (...). Unser Land hatte das starke Bestreben der Deutschen nach Wiedervereinigung unterstützt. Ich bin sicher, dass sie das nicht vergessen haben und rechne damit, dass Bürger Deutschlands das Bestreben der russischen Welt, ihre Einheit wiederherzustellen, (...) ebenfalls unterstützen werden.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

Weil es im Staatsfernsehen praktisch eine Nachrichtensperre zu Opfern gibt, wird vor allem in sozialen Netzwerken im Internet über vermisste oder tote russische Soldaten berichtet. Da ist die jüngst gegründete Facebook-Gruppe „Cargo-200“, die auf die militärische Bezeichnung getöteter Soldaten anspielt, und Informationen über Tote und Vermisste sammelt.

Russlands Präsident Wladimir Putin müsse sich wegen des „Krieges gegen die Ukraine“ vor einem internationalen Gericht verantworten, stand dort kürzlich. Das Portal LostIvan.ru geht ähnlich vor.

Auch die Komitees der russischen Soldatenmütter verlangen Auskünfte zum Ukraine-Einsatz. Die Organisation schätzt, dass in den vergangenen Monaten bis zu 15.000 Soldaten entsendet wurden, um an der Seite der prorussischen Separatisten zu kämpfen. Viele sollen ohne Erkennungsmarke kämpfen und Opfer heimlich beerdigt werden.

Am Dienstag schrieb einer der Berater des ukrainischen Verteidigungsministers, Olexandr Danyljuk, auf seiner Facebookseite, dass im Donbass bereits 2000 russische Soldaten getötet worden seien, vor allem Fallschirmjäger. Ob solche Zahlen zuverlässig oder Teil des von beiden Seiten geführten Propagandafeldzugs sind, ist nicht überprüfbar.

Kommentare (10)

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Drittes Auge

04.09.2014, 18:30 Uhr

Bitte keine einseitigen kriegstreibenden Überschriften. Vorschlag zur Güte:

"Russlands heimlicher Feldzug und Amerikas unerklärter Krieg"

Hintergrund:
http://www.hintergrund.de/20080826235/politik/welt/die-welt-als-schachbrett-der-neue-kalte-krieg-des-obama-beraters-zbigniew-brzezinski.html

Herr C. Falk

04.09.2014, 18:52 Uhr

Jeder junge Soldat, ganz gleich auf welcher Seite er kämpft
und Leben und Gesundheit gefahrläuft einzubüßen oder schon verloren hat, verdient unser Mitgefühl.

Umso mehr steht die Politik in der Pflicht zu einem schnellen Waffenstillstand zu kommen.

Kriegstreiber wie Herr Jazenjuk, die die Kämpfe und das Blutvergießen verlängern wollen, müssen in die Schranken gewiesen werden.

Vor 100 Jahren ist in diesen Tagen die Schlacht von Tannenberg zu Ende gegangen, die über 300.000 russischen und deutschen Soldaten das Leben gekostet hat.

Die Kämpfe in der Ukraine müssen gestoppt werden.
die Vorschläge wie das bewerkstelligt werden kann , liegen auf dem Tisch

Herr Klaus Wagner

04.09.2014, 19:20 Uhr

Wenn Arsenij Petrowytsch Jazenjuk die Unterstützung von der EU und NATO will, muß er sich den Bedingungen beugen. Unterstützung kassieren und machen was er will geht schon gar nicht.

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