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13.03.2017

16:41 Uhr

Kriegsbeobachter

Hunderttausende Tote in Syrien

Fast eine halbe Millionen Menschen sollen im sechsjährigen Bürgerkrieg in Syrien entweder getötet worden sein oder gelten als vermisst. Der Krieg führte zur größten Flüchtlingskrise seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

Über 300.000 Menschen sollen im syrischen Krieg ums Leben gekommen sein. Knapp 150.000 Menschen werden vermisst. 2016 starben mehr als 650 Kinder durch den Konflikt. AP;dpa

Bürgerkrieg

Über 300.000 Menschen sollen im syrischen Krieg ums Leben gekommen sein. Knapp 150.000 Menschen werden vermisst. 2016 starben mehr als 650 Kinder durch den Konflikt.

BeirutIm sechsjährigen syrischen Bürgerkrieg sind nach Informationen der Beobachtungsgruppe für Menschenrechte rund 465.000 Menschen getötet worden oder gelten als vermisst. Die in Großbritannien ansässige Gruppe stützt sich auf ein Netz von Informanten in Syrien.

Sie habe den Tod von mehr als 321.000 Menschen seit dem Beginn des Konflikts vor sechs Jahren dokumentiert, erklärte sie am Montag. Daneben gebe es 145.000 Vermisstenmeldungen.

Die wichtigsten Parteien im syrischen Bürgerkrieg

REGIME

Die syrische Armee kontrolliert noch immer die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Unterstützt werden die Anhänger von Präsident Baschar al-Assad von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah sowie von iranischen Kämpfern. Zudem fliegt die russische Luftwaffe Angriffe in Syrien.

ISLAMISCHER STAAT (IS)

Die Terrormiliz verlor in den vergangenen Monaten einige ihrer Gebiete an das Regime und die Kurden und befindet sich in der Defensive. Die Dschihadisten kontrollieren aber immer noch große Teile des Landes im Norden und Osten, vornehmlich Wüstengebiete.

KURDISCH GEFÜHRTE KRÄFTE

Mit Hilfe der US-Luftwaffe konnte ein Bündnis unter Führung der kurdischen Volksschutzeinheiten YPG den IS aus großen Gebieten im Norden Syriens zurückdrängen. Die Kurden kooperieren mit dem Regime, aber auch mit dessen Gegnern. Zuletzt kam es jedoch in der nordöstlichen Stadt Hasaka zu ungewöhnlich heftigen Zusammenstößen mit syrischen Regierungstruppen. Die Türkei ist ein erklärter Gegner der Kurden. Sie befürchtet angesichts eines mehr als 400 Kilometer langen Gebietes unter kurdischer Kontrolle an seiner Südgrenze Unabhängigkeitsbestrebungen der türkischen Kurden.

DSCHAISCH AL-FATAH

Dabei handelt es sich um ein Bündnis verschiedener moderater und radikaler Gruppen, darunter die dschihadistische Miliz Fatah al-Scham. Teil von Dschaisch al-Fatah sind auch die islamistische Miliz Ahrar al-Scham und Brigaden, die sich als Teil der moderaten Freien Syrischen Armee (FSA) sehen. Das Bündnis beherrscht im Nordwesten Syriens die Provinz Idlib. Einige der islamistischen Rebellen sollen Saudi-Arabien und Katar nahestehen.

AHRAR AL-SCHAM

Die islamistische Miliz ist neben Fatah al-Scham die wichtigste Kraft des Rebellenbündnisses Dschaisch al-Fatah. Sie gibt sich pragmatischer und weniger radikal als der Al-Kaida-Ableger. Die Türkei gilt als wichtige Unterstützerin der Miliz.

FREIE SYRISCHE ARMEE (FSA)

Die FSA ist keine Armee im eigentlichen Sinne, es gibt auch keine einheitliche Führung. Mehrere moderate Gruppen rechnen sich ihr jedoch zu. Stark sind diese im Nordwesten, wo sie auch zu dem Rebellenbündnis Dschaisch al-Fatah gehören, sowie im Süden.

Der Konflikt begann im März 2011 mit Protesten gegen Präsident Baschar al-Assad und dessen Regierung. Seitdem eskalierte er zu einem Krieg, in den mehrere ausländische Mächte involviert sind. Außerdem führte er zum Erstarken der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS), die große Teile Syriens und des benachbarten Irak unter ihre Kontrolle brachte. Der Krieg führte zur größten Flüchtlingskrise seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

Unter den dokumentierten Todesopfern sind der Beobachtungsgruppe zufolge mehr als 96.000 Zivilisten. Die Regierungstruppen und deren Verbündete hätten mehr als 83.500 Zivilisten getötet, darunter 27.500 bei Luftangriffen und 14.600 in Gefängnissen. Durch Rebellen seien mehr als 7000 Zivilisten ums Leben gekommen.

Unicef: Mehr als 650 Kinder starben 2016 in Syrien

Unicef

Mehr als 650 Kinder starben 2016 in Syrien

Innerhalb eines Jahres sind weit über 600 Kinder Opfer des blutigen Konflikts geworden, viele kamen in oder nahe einer Schule ums Leben. Laut einem Unicef-Bericht werden Hunderte als Kindersoldaten rekrutiert.

Der IS hat den Informationen zufolge mehr als 3700 Zivilisten umgebracht. Durch Luftangriffe der von den USA angeführten Anti-IS-Koalition starben 920 Zivilisten. Türkische Sicherheitskräfte, die die Rebellen in Nordsyrien unterstützen, hätten mehr als 500 Zivilisten getötet.

Die syrische Regierung und die mit ihr verbündeten russischen Truppen erklärten, sie hätten zivile Ziele nicht angegriffen. Syrien bestreitet auch Folter und die Tötung Inhaftierter. Auch die meisten Rebellengruppen erklärten, sie würden Zivilisten nicht angreifen. Die US-Koalition versucht nach eigenen Angaben, zivile Opfer zu vermeiden.

Von

rtr

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