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08.07.2014

07:47 Uhr

Kriegsgefahr steigt

Israel bereitet Einsatz von Bodentruppen vor

Die israelische Luftwaffe hat in der Nacht etwa 50 Ziele im Gazastreifen angegriffen. Nun bereitet sich das Militär auf den Einsatz von Bodentruppen vor. Es droht ein neuer Gaza-Krieg.

Israel fliegt Luftschläge gegen Gaza

Video: Israel fliegt Luftschläge gegen Gaza

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Tel AvivNach dem Beginn einer Luftoffensive im Gazastreifen stellt sich die israelische Armee auch auf den Einsatz von Bodentruppen in dem Palästinensergebiet ein. Der israelische Militärsprecher Peter Lerner sagte am Dienstag, die Offensive habe zwei Ziele. „Wir wollen der Hamas im Gazastreifen einen Schlag versetzen und die Raketenangriffe auf Israel verringern.“ Am Montag seien rund 80 Raketen auf israelische Ortschaften abgefeuert worden. „Wir werden dem ein Ende setzen“, sagte der Militärsprecher. Es gebe keine zeitliche Beschränkung der Operation. „Wir stellen uns auf den möglichen Einsatz von Bodentruppen ein“, sagte Lerner. „Aber ich denke nicht, dass das sofort passieren wird.“

Israels Luftwaffe habe in der Nacht zum Dienstag etwa 50 Ziele in dem schmalen Küstenstreifen angegriffen. Darunter seien auch die Wohnhäuser von vier militanten Hamas-Mitgliedern gewesen. Außerdem habe die Luftwaffe Raketenabschussrampen und Trainingslager beschossen. „Wir werden den Druck langsam verstärken“, sagte Lerner. Die Armee werde auch mehr Reservisten mobilisieren.

Israel

Einwohner

7,8 Millionen

Staatsform

parlamentarische Republik

Staatschef

Schimon Peres

Besonderheiten

Die gefühlte Bedrohung durch den Iran beherrscht die politische Agenda.

In einem Umkreis von 40 Kilometern Entfernung vom Gazastreifen seien die Menschen angewiesen worden, sich in der Nähe von Schutzräumen aufzuhalten. Insgesamt verfüge Hamas über etwa 10 000 Raketen mit verschiedenen Reichweiten bis etwas nördlich von Tel Aviv. Man bereite sich auch auf die Möglichkeit vor, dass Hamas Ziele über den Umkreis von 40 Kilometern hinaus angreifen könnte.

Der Konflikt schwelt, seitdem vor Wochen drei jüdische Jugendliche im Westjordanland verschwanden und schließlich ermordet aufgefunden wurden. Wenige Stunden nach ihrem Begräbnis vergangene Woche wurde der 16-jährige Mohammed Abu Chdeir entführt, seine verkohlte Leiche wurde wenig später in einem Wald bei Jerusalem entdeckt. Ermittler hatten am Sonntag sechs Verdächtige, darunter auch Minderjährige, in dem Fall festgenommen. Drei von ihnen hätten sich zum Mord an dem Teenager bekannt und den Tathergang nachgestellt, sagte ein israelischer Behördensprecher. Die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verurteilte den mutmaßlichen Racheakt.

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Das Geständnis konnte die politisch aufgeladene Stimmung jedoch nicht beruhigen. Allein am Montag seien aus dem Gazastreifen mindestens 70 Raketen auf den Süden Israels abgefeuert worden, davon 40 innerhalb einer Stunde nach Einbruch der Dunkelheit, erklärte die israelische Armee. In bis zu 80 Kilometer vom Gazastreifen entfernten Gegenden heulten Alarmsirenen auf, Hunderttausende Israelis blieben aus Furcht in ihren Häusern.

Israel antwortete mit Luftangriffen, bei denen am Montag sechs Extremisten der Hamas ums Leben kamen. Die radikalislamische Gruppe gab deren Zahl mit acht an und gelobte Vergeltung. „Der Feind wird einen gewaltigen Preis zahlen“, teilte sie am Montag mit. Der israelische Militärsprecher Peter Lerner sagte, Israel sei „bereit für eine potenzielle Verschlechterung“ im Gazastreifen nach dem Tod der Extremisten und „mit der Möglichkeit, militärisch einzugreifen, soweit es nötig ist“.

Demnach werden Infanterietruppen an die Grenze zum Gazastreifen verlegt. Schon im Laufe des Montags waren in der Region Schlangen von israelischen Panzern und Bussen zu sehen, Soldaten liefen umher. Am Abend waren die Straßen im Süden Israels menschenleer. Gesichtet wurde jedoch ein Lastwagen, der ein gepanzertes Fahrzeug geladen hatte und zur Grenzregion unterwegs war. Radikale Kämpfer feuerten in den vergangenen Wochen nach israelischen Angaben mehr als 200 Raketen und Mörsergranaten aus dem Gazastreifen auf Israel.

Von

dpa

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