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27.05.2011

14:13 Uhr

Kriegsverbrechen in Bosnien

Mladic soll nach Den Haag ausgeliefert werden

Der ehemalige Militärchef der bosnischen Serben will sich angeblich nicht schuldig bekennen, obwohl ihm tausendfacher Mord vorgeworfen wird. Die Uhr tickt: Nur mit Tricks kann Mladic seine Auslieferung noch verhindern.

Maldic nicht vernehmungsfähig - Anwalt

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Belgrad

Das Gericht in Belgrad hat die Auslieferung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Ratko Mladic an den Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag beschlossen. Das sagte die Verteidigung am Freitag.

Ratko Mladic bekennt sich nach Angaben seines Sohnes zu den ihm vorgeworfenen Kriegsverbrechen nicht schuldig. Das sagte Darko Mladic am Freitag, nachdem er seinen Vater im Gefängnis besucht hatte. Gleichzeitig erklärte er, dass sein Vater nach zwei Schlaganfällen kaum noch sprechen könne.

Liste der Anklagepunkte gegen Ratko Mladic

Völkermord

Das Uno-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag wirft Ratko Mladic unter anderem Völkermord und Beihilfe zum Völkermord vor. Der frühere General der bosnischen Serben gilt als Verantwortlicher des Massakers in der Uno-Schutzzone Srebrenica, wo im Juli 1995 etwa 8.000 muslimische Männer und Jungen von bosnisch-serbischen Truppen getötet wurden.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Des weiteren ist Mladic in sieben Fällen von Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Das Gericht beschuldigt den Bosnier der Verfolgung aus politischen, rassistischen und religiösen Gründen. Zudem wird ihm Menschenvernichtung, Mord, Deportation und gewaltsame Vertreibung vorgeworfen. Die Anklagepunkte beziehen sich auf Verbrechen in Srebrenica und Sarajevo sowie in 27 anderen bosnischen Städten und Dörfern.

Verstöße gegen Vereinbarungen und Konventionen

Darüber hinaus werden Mladic sechs Verstöße gegen Vereinbarungen und Konventionen für Kriegsfälle, darunter Mord, Grausamkeit, Angriffe und Terror gegen Zivilisten sowie Geiselnahme vorgeworfen. Von letzterem Verbrechen waren laut Anklage auch Beobachter der Vereinten Nationen sowie internationale Militärbeobachter betroffen.

Mladic sei zu krank, um an das UN-Tribunal in Den Haag ausgeliefert zu werden, sagte sein Sohn. "Wir sind nahezu sicher, dass er in einer solchen Verfassung nicht ausgeliefert werden kann", sagte Darko Mladic am Freitag. Mladics Familie habe den Festgenommenen sehen können, bevor dieser vor dem Ermittlungsrichter in Belgrad erschien. "Ihm geht es sehr schlecht. Sein rechter Arm ist halb gelähmt, seine rechte Seite teilweise taub."

Der mutmaßliche serbische Kriegsverbrecher wurde am Freitag vor einem Belgrader Gericht erwartet, das über seine Auslieferung an den Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag entscheiden wird. Eine erste Anhörung war am Donnerstagabend wegen Mladics angeblichem schlechtem Gesundheitszustand auf Forderung seiner Anwälte vertagt worden.

Eine Sprecherin des UN-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag erklärte, dieses sei für alle gesundheitlichen Probleme Mladics ausgerüstet. Die für serbische Kriegsverbrecher zuständige Staatsanwaltschaft vermutet, dass Mladic durch ein Vorschieben gesundheitlicher Probleme seine Auslieferung nach Den Haag hinauszögern will. "Wichtig ist, dass seine Identität festgestellt wurde", sagte der stellvertretende Ankläger Bruno Vekaric.

"Es kommt jetzt auf seine Verteidigung an, ob diese Einsprüche einlegt. Aber die maximale Frist für eine Auslieferung ist eine Woche." Der meistgesuchte mutmaßliche Kriegsverbrecher Europas war am Donnerstag nach 16 Jahren auf der Flucht in Serbien festgenommen worden. Die Anhörung war für 12.00 Uhr anberaumt. Ob Mladic tatsächlich erschienen ist, war zunächst nicht bekannt.

Ein Vertreter des russischen Außenministerium erklärte, Moskau hoffe auf ein faires und unparteiisches Verfahren gegen Mladic. Dieses solle auch nicht die übrigen Aktivitäten des Tribunals in Den Haag hinauszögern, sagte der Abgesandte für Menschenrechte im Außenministerium, Konstantin Dolgow, russischen Nachrichtenagenturen. Russland hatte dem UN-Tribunal in der Vergangenheit immer wieder selektive Anklagen und Ineffizienz vorgeworfen.

Stationen im Leben von Ratko Mladic

Herkunft

Mladic wurde am 12. März 1942 in dem Dorf Bozanovici nahe Kalinovik im Süden der damaligen jugoslawischen Teilrepublik Bosnien geboren. Sein Vater war ein Widerstandskämpfer, der 1945 von kroatischen Nationalisten der Ustascha getötet wurde. Ursprünglich wollte Mladic Lehrer werden, zog aber nach Belgrad und schloss als einer der drei Besten seines Jahrgangs die Militärakademie ab.

Karriere

Seine militärische Laufbahn begann Mladic 1965. Es dauerte 20 Jahre, bis er Brigadegeneral wurde, wofür Kameraden seine arrogante, undisziplinierte Art verantwortlich machten. Die meiste Zeit war er in Mazedonien stationiert, mit kurzen Aufenthalten in Kroatien und im Kosovo.

Aufstieg zum Kommandeur

Am 15. Mai 1992 machte Radovan Karadzic, Chef der von Bosnien-Herzegowina abgespaltenen Bosnisch-Serbischen Republik, Mladic zum Kommandeur seiner Armee. Diese Position hatte er bis Dezember 1996 inne.

Massaker von Srebrenica

Im Juli 1995 überrannten Mladics Streitkräfte die bosnische Stadt Srebrenica, die zum damaligen Zeitpunkt eine moslemische Enklave war und von UN-Truppen geschützt wurde. Männer und Jungen wurden weggeführt, in Scheunen und Schulen zusammengepfercht und schließlich in aller Öffentlichkeit exekutiert. Mladics Einheiten beschossen zudem eine größere Gruppe von Moslems, die durch ein Waldgebiet zu entkommen versuchte. Innerhalb von sieben Tagen starben etwa 8000 Männer und Jungen, was Mladic die Bezeichnung „Schlächter von Bosnien“ einbrachte.

Anklage in Den Haag

Ende 1995 erhob das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag unter anderem wegen Srebrenica Anklage wegen Völkermordes gegen Mladic. Derselbe Vorwurf wird Mladic für die fast zweijährige Belagerung von Sarajevo gemacht. Er soll Scharfschützen angewiesen haben, aus dem Hinterhalt auf Zivilisten zu schießen.

Flucht

Noch Jahre nach dem Krieg lebte Mladic unauffällig in Belgrad. Er tauchte 2002 unter, als Machthaber Slobodan Milosevic gestürzt worden war und ihn nicht mehr schützen konnte. Der Nato zufolge besuchte er 2004 einen alten Bunker in Bosnien, um unter den Augen der bosnischen Polizei mit ehemaligen Kameraden zu feiern.

Das bosnische Außenministers nannte die Festnahme Mladics einen wichtigen Schritt für die Versöhnung auf dem Balkan. Die Ergreifung des 69-jährigen Mladic stelle eine positive Entwicklung für Serbien dar, dass unter erheblichen Druck der internationalen Gemeinschaft gekommen war, Europas meistgesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher zu fassen, sagte Außenminister Sven Alkalaj am Freitag.

Mladic, der Militärführer der bosnischen Serben im Bürgerkrieg in Bosnien-Herzegowina von 1992 bis 1995, soll sich wegen Völkermords vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag verantworten. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, die serbischen Einheiten beim Massaker von Srebrenica befehligt zu haben, bei dem im Juli 1995 mehr als 8.000 muslimische Männer und Jungen ermordet wurden.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

27.05.2011, 21:02 Uhr

Da kann er dann wieder ein paar Slibowitz mit alten Freunden heben.


Unter eurem Gebälk muß es lichteloh brennen, das muß man sich mal klar machen. Nach 16 Jahren fällt ihnen ein, da war doch was.
All das wird euch Garnichts, aber auch Garnichts bringen, ganz im Gegenteil. Der getroffene Hund bellt und ihr seid getroffen. Auch wenn ihr es aufgrund eurer elenden Eitelkeit nie zugeben würdet.

Und denkt nicht, der ist keine Gefahr, der schreibt ja ganz zivilisiert einfach nur ein paar Zeilen im Internet. Ich werde euch mein Leben lang bekämpfen, ohne vorgehaltene Hand, so sehr das ich glaube daß ihr mittlerweile wisst wovon ich schreibe. Sonst hättet ihr euch solch eine Blöße nach 16 Jahren nicht gegeben. Was Attas verursachten Kosten angeht kann ich mittlerweile locker mithalten. Selbsterständlich ist das für einen Dummmichel nicht nachvollziehbar. Man kann euch nur wünschen, daß es von meiner Sorte nicht all zu viele gibt, nur wünschen, mehr kann man dagegen nicht machen.

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