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20.03.2014

15:35 Uhr

Krim-Krise

Kiewer Protestbewegung macht sich Mut

Das Lager der Protestbewegung auf dem Maidan steht noch – doch bei der Krim-Krise können die Demonstranten genauso wenig tun wie die Regierung in die Kiew. Sie versuchen, ruhig zu bleiben – und nicht den Mut zu verlieren

Barrikaden auf dem Maidan: Das Lager wirkt wie ein kleines, etwas verlorenes Dorf mitten in der Großstadt. dpa

Barrikaden auf dem Maidan: Das Lager wirkt wie ein kleines, etwas verlorenes Dorf mitten in der Großstadt.

KiewVor der Bühne des Maidan in Kiew schaut sich Alexander Kiriljuk lange die Bilder der getöteten Demonstranten an. „Ich kannte die Hälfte von ihnen“, sagt der Arzt aus Winniza in der Westukraine bedrückt. Zwei Wintermonate lang hat auch er demonstriert in dem verbarrikadierten Lager mitten in der Hauptstadt. Dann floh Präsident Viktor Janukowitsch, nachdem bei Straßenkämpfen mehr als 100 Menschen erschossen worden waren. Aus der Heimat ist Kiriljuk für einen Besuch auf den Unabhängigkeitsplatz (Maidan) zurückgekehrt.

Das Lager steht noch. Ein scharfer Wind weht am Donnerstag über Zelte und Bretterhütten, zerrt an den Fahnen der Ukraine und Europas. Die Munition des Aufstands liegt noch in jeder Ecke - alte Autoreifen oder ausgerissene Pflastersteine. Mehrere Barrikaden, nun übersät mit Blumen, riegeln nach wie vor die steile Institutskaja-Straße ab. An dieser Straße sind viele Demonstranten erschossen worden - in der Sprache des Maidan sind sie die „Himmlische Hundertschaft“.

Weil aber nicht mehr Zehntausende Menschen den riesigen Platz füllen, wirkt das Lager wie ein kleines, etwas verlorenes Dorf mitten in der Großstadt. Helme und Schilde sind verschwunden, dafür tragen viele Männer die Uniform der neuen Nationalgarde. Politisch ist vom Sieg vor dreieinhalb Wochen wenig geblieben: Zwar verschwand Janukowitsch, eine schwache Übergangsführung kam, doch Russland annektierte im Handstreich die Halbinsel Krim.

Russische Minderheiten in ehemaligen Sowjetstaaten

Georgien

Es gibt nur wenige russischsprachige Einwohner. In den Gebieten Abchasien und Südossetien, die sich einseitig von Tiflis losgesagt haben, ist Russisch eine der offiziellen Amtssprachen. Russland erkennt als eines von ganz wenigen Ländern die beiden Gebiete als unabhängig an.

Moldau

Insgesamt sind nur etwa sechs Prozent der Einwohner russischstämmig. Im abtrünnigen Gebiet Transnistrien aber sind 60 Prozent der Bewohner russischsprachig, etwa die Hälfte von ihnen sind Russen und die anderen Ukrainer. Transnistrien wird von Moskau wirtschaftlich und politisch unterstützt.

Kasachstan

Drei Millionen russischstämmige Menschen leben in Kasachstan, das macht 26 Prozent der Bevölkerung. Die Mehrheit von ihnen wohnen im Norden des Landes, in einigen Regionen leben fast nur Russischstämmige. Russisch ist eine offizielle Amtssprache. Russische Ultranationalisten fordern immer mal wieder die Eingliederung dieser Regionen in russisches Staatsgebiet.

Weißrussland

Es sind zwar nur etwa elf Prozent der Bevölkerung russischstämmig. Russisch ist aber eine der offiziellen Amtssprachen und wird von fast allen Einwohnern beherrscht.

Estland

Mehr als 330.000 Russen leben in Estland, das entspricht einem Viertel der Bevölkerung. Der Großteil von ihnen lebt in der Stadt Narva und Umgebung, nahe der Grenze zu Russland. Um die Staatsangehörigkeit zu bekommen und beispielsweise an Wahlen teilnehmen zu können, muss ein Sprachtest absolviert werden. Dies gilt für russischstämmige Bewohner selbst dann, wenn sie in Estland geboren wurden. Die Beziehungen zwischen Estland, das Mitglied der EU und der NATO ist, und Russland sind sehr gespannt.

Lettland

Russischstämmige Bürger machen 34 Prozent der Bevölkerung in dem EU-Land aus. Im Jahr 2012 gab es ein Referendum darüber, ob Russisch die zweite Amtssprache werden soll. Eine klare Mehrheit von 75 Prozent der Letten stimmte mit „Nein“. Um die Staatsangehörigkeit zu erhalten, muss ein lettischer Sprachtest absolviert werden. Dadurch sind rund 300.000 Angehörige der russischen Minderheit staatenlos.


„Es ist, als sei man beraubt worden. Als sei jemand in die Wohnung eingebrochen und habe alles gestohlen“, beschreibt ein Kiewer die Ohnmacht gegenüber dem mächtigen Nachbarn. Auf dem Maidan geben sich die Menschen aber trotzig. „Die Ohren eines toten Esels kriegst du, Putin, nicht die Krim!“ hat jemand auf ein Blech gepinselt. „Die Ukraine ist es leid, dass Putin sich hier wie der Hausherr aufführen kann“, sagt Kiriljuk.

Die Abspaltung der Halbinsel sei nur vorübergehend - so die vorherrschende Meinung. „Die Ukraine wird niemals den Kampf um die Befreiung der Krim aufgeben, so lang und schmerzhaft er auch sein mag“, erklärt am gleichen Tag das Parlament in einer Resolution.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

20.03.2014, 16:04 Uhr

Also da sieht man, wer da vom Westen unterstützt wird (Mach jetzt auch mal oberflächliche Propaganda) Obdachlose die jetzt und wahrscheinlich auch davor dort rumlagen. Wieso ist der nicht in der Arbeit? Außerdem: Die haben da immer noch net aufgeräumt, schöne Saubären holen wir uns da nach Europa. (kleine Satire nebenbei).

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