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11.06.2017

16:12 Uhr

Krise am Persischen Golf

Sorgen wegen der Isolation Katars nehmen zu

Während der Iran Katar mit Lebensmitteln zur Hilfe eilt, schließen sich weitere Staaten der Isolation des Emirats an. Eine Lösung der Spannung ist noch nicht in Sicht. Außenminister Gabriel warnt gar vor Krieg.

Das kleine Emirat ist auf Lebensmittelimporte angewiesen, wird von vielen arabischen Staaten in der Blockade aber nicht mehr versorgt. Der Iran hilft mit Lieferungen per Flugzeug und Schiff. dpa

Skyline von Katar

Das kleine Emirat ist auf Lebensmittelimporte angewiesen, wird von vielen arabischen Staaten in der Blockade aber nicht mehr versorgt. Der Iran hilft mit Lieferungen per Flugzeug und Schiff.

DubaiIn Politik und Wirtschaft steigt die Sorge vor einer Eskalation der Katar-Krise. Während die beteiligten Staaten sich am Wochenende weiter anfeindeten, warnte Bundesaußenminister Sigmar Gabriel vor der Gefahr eines Krieges. Experten verwiesen zudem auf drohende Schwierigkeiten für die Banken des Emirats. Ein Vermittlungsversuch von Kuwait blieb zunächst weiter ohne konkrete Fortschritte. Der kuwaitische Außenminister Scheich Sabah al-Chalid al-Sabah sagte am Sonntag der staatlichen Nachrichtenagentur Kuna, Katar habe Verständnis für die Sorgen der anderen Staaten signalisiert. Das Emirat sei weiter bereit zu versuchen, die "Bedenken und Sorgen der Brüder" zu verstehen.

Eine Gruppe von Staaten um Saudi-Arabien werfen Katar Terrorfinanzierung vor und haben das Land isoliert. Das Emirat weist die Anschuldigungen zurück und wird seinerseits vom Iran und der Türkei unterstützt. Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte in der Nacht auf Samstag in Mexiko-Stadt vor einer Isolierung von Katar und auch des Irans. "Die Situation ist durchaus beunruhigend", sagte sie. Gabriel wurde konkreter: "Es besteht die Gefahr, dass aus dieser Auseinandersetzung ein Krieg werden könnte", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die Härte des Umgangs zwischen Brudernationen und Nachbarstaaten sei dramatisch.

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Der Außenminister von Kuwait, Scheich Sabah al-Chaled al-Sabah, dessen Land in der Krise vermittelt, sagte am Sonntag, die Regierung sei zum Dialog mit Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Ägypten bereit. Außerdem heuerte Katar die Firma des früheren US-Justizministers John Ashcroft an, um seine Bemühungen im Kampf gegen den Terror zu durchleuchten. Das Engagement von Ashcrofts Anwaltskanzlei wurde aber als Versuch gewertet, die Nachbarn und auch die USA zu beschwichtigen. Er war Justizminister unter dem republikanischen Präsidenten Georg W. Bush und federführend am Patriot Act beteiligt, in dem nach den Anschlägen vom 11. September der Krieg der USA gegen den Terrorismus verankert wurde.

John Ashcroft persönlich werde mit einem Team prüfen, ob sich Katar an Richtlinien gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung halte, hieß es in Unterlagen, die die Firma bereits am Freitag beim US-Justizministerium einreichte. Ein solcher Antrag ist nach US-Recht nötig, wenn Amerikaner in den USA für einen ausländischen Auftraggeber agieren. In den Unterlagen hieß es, dass Ashcrofts Firma möglicherweise auch Kontakt zu US-Behörden und den Medien aufnehmen werde. Sie bekam vorab bereits 2,5 Millionen Dollar (2,25 Millionen Euro) von Katar, ein ungewöhnliches Vorgehen, das offenbar signalisieren soll, dass man schnell aktiv werden wolle.

Als Signal an seine Gegner kündigte Katar am Sonntag auch an, dass alle Bürger Saudi-Arabiens, der Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrains im Land bleiben dürften.

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Am Samstag stellte sich Niger auf die Seite von Saudi-Arabien und gab den Abzug seines Botschafters aus Katar bekannt. Der Iran nahm Versorgungsflüge nach Katar auf, um die Folgen der Blockade zu lindern. "Wir werden jeden Tag 100 Tonnen an Früchten und Gemüse nach Katar liefern", zitierte die Nachrichtenagentur Tasnim den Wirtschaftsverband der Region Fars. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bekannte sich ebenfalls erneut zu Katar. Er hatte am Freitag der Verlegung von Truppen in das Emirat zugestimmt.

Die USA unterhalten dort bereits einen wichtigen Militärstützpunkt. Aus Washington waren allerdings zuletzt gemischte Signale gekommen: Während Außenminister Rex Tillerson zur Mäßigung aufrief, stellte sich Präsident Donald Trump danach hinter die Forderung an Katar, es müsse die Terrorfinanzierung einstellen. Saudi-Arabien reagierte zurückhaltend auf Tillerson. Trump hatte auf seiner ersten Auslandsreise in Riad die engen Beziehungen der USA zu Saudi-Arabien betont. Zudem fordert er eine internationale Isolierung des Iran.

In Bankenkreisen wurde mit Sorge auf die Folgen der Blockade für Katars Banken geschaut. Moody's hatte die Kreditwürdigkeit Katars bereits in der vergangenen Woche auf das viertbeste Rating "Aa3" herabgestuft. Am Donnerstag folgte die Ratingagentur Standard & Poors's. Vor allem die Refinanzierung in Ländern wie Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain werde eingeschränkt, sagte ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Alle Geldhäuser aus Katar müssten sich strecken, um liquide zu bleiben, ergänzte Branchenexperte Chiradeep Ghosh von der Investmentbank Sico. Die Banken in der Region leiden unter dem Ölpreisverfall der vergangenen Jahre. Neben den Energie-Reserven Katars ist die Krise auch wegen der wirtschaftlichen Verflechtungen des Landes von überregionaler Bedeutung. So ist Katar etwa ein strategischer Investor bei Volkswagen und der Deutschen Bank.

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