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30.01.2004

09:01 Uhr

Krise durch Vogelgrippe

Chinas Führung droht Vertrauensverlust

VonOliver Müller und Markus Gartner (Handelsblatt)

Die in Asien grassierende Vogelgrippe bringt zunehmend die Regierung der zehn betroffenen Staaten in Erklärungsnot. Die Führung in Peking sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, die Krankheit sei zuerst in China ausgebrochen und habe sich dann schnell ausgebreitet, weil die Behörden Informationen zu lange zurückgehalten hätten.

BANGKOK/PEKING. Und in Thailand steht Thaksin Shinawatra, der vor drei Jahren nach einem Erdrutschsieg als Premier angetreten war, der ersten echten Bewährungsprobe in seiner Amtszeit gegenüber. Der Region, die sechs Jahre nach dem Ausbruch der Asien-Krise und sieben Monate nach dem Ende der SARS-Epidemie um das Vertrauen der Investoren kämpft, droht durch die Geflügelpest ein herber Rückschlag.

Ein Anfang der Woche in der britischen Zeitung „New Scientist“ erschienener Artikel hat in China für Aufruhr gesorgt. Die Geflügelgrippe, schreibt das angesehene Blatt, sei wohl schon in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres ausgebrochen – „wahrscheinlich in China“. Und weiter heißt es: „Eine Kombination von Vertuschung und fragwürdigen Zuchtmethoden erlaubte der Geflügelgrippe, in jene Epidemie auszuarten, die man jetzt sieht.“ Demzufolge könnte das Virus im Zuge einer Massenimpfung chinesischer Farmer an ihren Tierbeständen in Umlauf gebracht worden sein. Der Artikel ruft kaum sieben Monate nach dem Ende der SARS-Epidemie schlimme Erinnerungen wach: Chinas Führung hatte damals im Umgang mit der tödlichen Lungenkrankheit eine denkbar schlechte Figur gemacht.

Neue Brisanz erhält in diesem Zusammenhang der Tod eines aus Hongkong stammenden acht Jahre alten Mädchens und ihres Vaters. Sie waren im Februar 2003 nach einem Besuch in Südchina gestorben. Beim Vater wurde später das H5N1- Virus – der Erreger der Vogelgrippe – nachgewiesen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) forderte China gestern auf, Details über den Tod der beiden herauszugeben.

Auf dem Krisengipfel in Bangkok am Mittwoch wies der zweite Mann in Chinas Ministerium für Landwirtschaft, Qi Jingfa, die Vorwürfe gegen sein Land entschieden zurück: „Wir haben eine sehr strenge Überwachung“, sagte er. Trotzdem forderten Präsident Hu Jintao und Premier Wen Jiabao die sofortige Schlachtung des gesamten Geflügelbestandes in den betroffenen Gebieten Chinas.

Nicht nur die chinesische, sondern auch die Führung in Bangkok sieht sich schweren Vorwürfen gegenüber. Die Welternährungsorganisation FAO geht davon aus, dass das Virus bereits im November Thailand erreichte. „In manchen Ländern wurden die notwendigen Maßnahmen zu spät getroffen“, sagte Hans Wagner, FAO-Verantwortlicher für Tiergesundheit in Asien, dem Handelsblatt.

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