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10.09.2014

13:05 Uhr

Krise im Gazastreifen

„Die Hamas hat uns die Würde zurückgegeben“

VonPierre Heumann

Schiefe Mauern, heruntergefallene Fassaden: Im Gazastreifen ist nichts mehr wie es war. Der Krieg hat vor allem eins bewirkt: Die politischen Fronten noch mehr verhärtet. Die Propaganda-Maschine der Hamas läuft auf Hochtouren.

Völlige Zerstörung: In Beit Lahiya im Gazastreifen haben fast keine Gebäude die Angriffe der Israelis überlebt. Reuters

Völlige Zerstörung: In Beit Lahiya im Gazastreifen haben fast keine Gebäude die Angriffe der Israelis überlebt.

GazaSaid Shabad hat alles verloren. Sein einstiges Zuhause in Bet Lahiya im Gazastreifen ist nur noch eine bedrohte Ruine. Sogar die Möbel, die er seiner Tochter vor ihrer Hochzeit als Mitgift gekauft und bei sich aufbewahrt hatte, sind zerschlagen.
Mitte Juli standen in seinem Wohnort Bet Lahiya, einer Stadt mit 40 000 Einwohnern im nördlichen Gazastreifen an der Grenze zu Israel, noch schmucke vierstöckige Häuser. Kinder spielten auf der Straße, Jugendliche trafen sich, Erwachsene rauchten Wasserpfeifen. Doch dann leerten sich ganze Straßenzüge. Bepackt mit dem, was sie tragen konnten, brachen die Menschen zu Fuß, mit Autos, auf Esels-und Pferdekarren im Richtung Süden auf. Unter ihnen waren auch der Ingenieur Shabad und seine Familie. Sie flüchteten, weil sie mit Flugblättern, die von israelischen Jets abgeworfen wurden, gewarnt wurden, dass ein größerer Angriff bevorstehe.

Jetzt, zwei Monate später, gibt es in Shabads Stadtteil nur noch schiefe Mauern, heruntergefallene, durchlöcherte Fassaden und von Brand zerstörte Fronten. Apokalyptische Bilder diesseits der Grenze. Auf der anderen Seite mit dem frischen Grün der Kibbuzim auf der anderen Seite der Grenze.

Feuerpause – Waffenruhe – Waffenstillstand?

Völkerrecht

Das Völkerrecht unterscheidet zwischen einer meist vorübergehenden Waffenruhe (Feuerpause) und einem vertraglich vereinbarten Waffenstillstand.

Waffenruhe

Nach einer Waffenruhe kann die Wiederaufnahme der Kämpfe folgen. Sie kann aber auch verlängert werden und in einen vertraglich vereinbarten Waffenstillstand übergehen.

Humanitäre Feuerpause

Mit dem umgangssprachlichen Begriff humanitäre Feuerpause ist meist eine von Gegnern im bewaffneten Konflikt angestrebte kurzzeitige Waffenruhe zur Versorgung Notleidender gemeint.

Einseitige Feuerpause

Auch von einer Seite verkündete einseitige Feuerpausen kommen vor. Diese bewirken nicht immer, dass auch der Gegner die Kampfhandlungen aussetzt.

Armistice

Die Haager Landkriegsordnung von 1907 als grundlegender völkerrechtlicher Vertrag über das Verhalten im Kriege kennt nur den Begriff „Armistice“, der meist mit Waffenstillstand übersetzt wird.

Waffenstillstand

In der Haager Landkriegsordnung heißt es: „Der Waffenstillstand unterbricht die Kriegsunternehmungen kraft eines wechselseitigen Übereinkommens der Kriegsparteien. Ist eine bestimmte Dauer nicht vereinbart worden, so können die Kriegsparteien jederzeit die Feindseligkeiten wieder aufnehmen.“

Quelle

dpa

Als Zuständiger für den Wagenpark der größten Klinik Gazas konnte sich Shabad bis vor kurzem noch zu den Privilegierten im Küstenstreifen zählen. Nun wohnen er und seine Familie in einer Schule der UN-Flüchtlingshilfe UNRWA.

Aus israelischer Sicht war es ein klarer Fall. Von Bet Lahiya aus soll die Hamas Angriffstunnels gebaut haben, um in Israel ein Massaker zu veranstalten oder Soldaten zu entführen. Zudem wurden von der Kleinstadt aus Raketen und Mörsergranaten auf Israel abgefeuert. Um die Abschussrampen und die Tunnels zu zerstören, deren Eingang oft in Häusern verborgen waren, habe man Gebäude angreifen müssen, begründete die Armee ihr zerstörerisches Vorgehen. Shabad hält diese Beschuldigungen Israels für „puren Unsinn“: In diesem Sand sei es unmöglich, Tunnels zu bauen, behauptet er. Dass hier unterirdische Schächte gegraben worden seien, sei eine Mär der Israelis. Die Fernsehbilder, auf denen Hamas-Milizen mit Hilfe von Tunnels in Israel eingedrungen sind, will er nicht gesehen haben. Auch bestreitet er, dass von seiner Straße aus je auf Israel geschossen worden sei.

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