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16.07.2013

07:22 Uhr

Krise in Ägypten

Krawalle nach erstem US-Besuch

Die Ruhe währte nur kurz. Am Tag des ersten Besuches aus den USA seit dem Sturz von Präsident Mursi entflammte in Ägypten wieder die Gewalt. Der Top-Diplomat musste sich heftige Kritik anhören.

Krawalle bei Protesten von Mursi-Anhängern

Video: Krawalle bei Protesten von Mursi-Anhängern

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KairoAnhänger des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi haben sich bis in die Nacht zum Dienstag hinein gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei in Kairo geliefert. Mindestens 22 Menschen wurden verletzt, wie die staatliche Nachrichtenagentur Mena meldete. Die Demonstranten versammelten sich im Zentrum der Hauptstadt auf einer Nilbrücke und einer der wichtigsten Durchfahrtsstraßen. Sie versuchten, die Verkehrsadern zu blockieren, woraufhin es am frühen Abend zunächst zu Rangeleien mit wütenden Autofahrern kam. Die Polizei schritt daraufhin ein und setzte Tränengas ein, die Demonstranten warfen Steine.

Die Ausschreitungen fielen kleiner und lokal begrenzter aus, als unmittelbar nach der Entmachtung Mursis durch das Militär Anfang Juli. Nach dem bislang schwersten Zwischenfall vor einer Woche, als Dutzende Mursi-Anhänger vor einer Kaserne von Soldaten erschossen wurden, war die Atmosphäre bei den Protesten der vergangenen Tage zwar angespannt, es blieb aber bis Montagabend relativ friedlich.

Auch in anderen Stadtteilen Kairos zogen Sympathisanten Mursis und der Muslimbrüder, aus denen der gestürzte Präsident hervorgegangen ist, auf die Straßen. Zehntausende kamen zur Rabaa-Adawija-Moschee, wo die Anhänger der Islamisten seit Wochen eine Mahnwache abhalten. Eine weiter große Ansammlung gab es vor der Universität von Kairo. Proteste wurden auch aus Alexandria und Assiut gemeldet. Kleinere Ausschreitungen ereigneten sich Gizeh, wo unweit von Kairo die weltberühmten Pyramiden stehen.

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Millionen Ägypter feiern den Sturz ihres Präsidenten Mursi. Doch der Putsch des Militärs dient niemandem. Denn er ist ein Rückschlag – nicht nur für die Muslimbrüder, auch für die Demokratie.

Seit dem Sturz Mursis kamen mindestens 92 Menschen ums Leben. Die Armee hatte den Präsidenten entmachtet, nachdem Millionen Menschen gegen ihn auf die Straßen gegangen waren, weil sie eine schleichende Islamisierung ihres Landes fürchteten. Die Anhänger Mursis fordern dessen Wiedereinsetzung und berufen sich dabei auf ihre Siege bei demokratischen Wahlen.

Der Ruf der USA nach friedlichen Protesten blieb ungehört. Bei einem Besuch in Kairo rief der stellvertretende US-Außenminister William Burns die Akteure in dem tief gespaltenen Land zu Dialog und Gewaltverzicht auf.
Der Spitzendiplomat ist der erste hochrangige amerikanische und auch westliche Regierungsvertreter, der das Land nach dem Umsturz vom 3. Juli besucht.

„Wir werden nicht versuchen, irgendein Modell aufzuzwingen“, erklärte Burns nach seinen ersten Gesprächen in der ägyptischen Hauptstadt. Washington lege aber Wert auf „gewisse demokratische Prinzipien“. Der US-Emissär war zuvor mit den Spitzen der Übergangsregierung in Kairo zusammengetroffen. Unter ihnen waren Übergangspräsident Adli Mansur, Ministerpräsident Hasem al-Beblawi sowie Militärchef Abdel Fattah al-Sisi, der eigentlich starke Mann im ägyptischen Machtgefüge.

Der amerikanische Nahost-Diplomat will bis Dienstag in der Nil-Metropole bleiben. Die USA verlangen - wie Deutschland - die Freilassung Mursis. Dieser wird seit seiner Entmachtung vom Militär an einem unbekannten Ort und ohne formelle Anklage festgehalten.

Zunächst war nicht bekannt, ob Burns in seinen Gesprächen den Verbleib Mursis ansprach und wie seine ägyptischen Gesprächspartner darauf reagierten. Eine für die Mittagsstunden angesetzte Pressekonferenz wurde abgesagt. Stattdessen verlas Burns seine Erklärung.

Kommentare (1)

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16.07.2013, 10:07 Uhr

In einer Demokratie stellt man auch keine Fatwas aus....
Und die MB haben die wahl als "göttliche erlaubnis" wahrgenommen das land umzugestalten.....

dem ist aber nicht so.... und ob die die macht je wieder friedlich abgegeben hätten ist fraglich.

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