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29.07.2015

13:46 Uhr

Krise in Calais

37.000 Flüchtlinge im Eurotunnel abgefangen

Rund 37.000 Flüchtlinge sind seit Jahresbeginn auf dem Weg zum Eurotunnel von Frankreich nach Großbritannien abgefangen worden. Die Betreibergesellschaft verlangt nun mehr Hilfe von den Regierungen in Paris und London.

In den vergangenen Wochen versuchten immer mehr Flüchtlinge zum Eurotunnel vorzudringen, um nach Großbritannien zu gelangen. ap

Flüchtlinge auf dem Weg zum Eurotunnel

In den vergangenen Wochen versuchten immer mehr Flüchtlinge zum Eurotunnel vorzudringen, um nach Großbritannien zu gelangen.

CalaisImmer mehr Flüchtlinge versuchen, über den Eurotunnel von Frankreich nach England zu gelangen. Seit Jahresbeginn seien 37.000 Migranten gestoppt worden, die sich in Calais auf wartende Lkw oder Züge schleichen und so nach Großbritannien gelangen wollten, teilte der Betreiber des Tunnels am Mittwoch mit. Allein in der Nacht zuvor waren es demnach Hunderte. Einer der Flüchtlinge sei von einem Fahrzeug überrollt worden, auf dem er sich verstecken wollte, und getötet worden, teilte die Polizei mit.

Calais ist wichtiger Knotenpunkt für den Personen- und Güterverkehr von und nach Großbritannien. Seit Monaten kampieren Tausende Flüchtlinge aus Eritrea, Sudan und anderen Ländern rund um die französische Hafenstadt in der Hoffnung, irgendwie nach Großbritannien zu gelangen.

Allein in der Nacht zum Mittwoch hätten demnach 150 bis 250 Flüchtlinge mehrfach versucht, zum Eurotunnel zu gelangen. Ein Polizeisprecher gab die Zahl mit bis zu 1200 an. Auch in der Nacht zuvor habe die Lage ähnlich ausgesehen. Der Tunnelbetreiber bat die Regierungen Frankreichs und Großbritanniens um Unterstützung. Wie viele Migranten bisher tatsächlich über den Eurotunnel nach England gelangten, ist nicht klar.

„Das ist ein Phänomen geworden, das unsere Möglichkeiten übersteigt“, sagte Eurotunnel-Sprecher John Keefe. „Wir sind nur ein kleines Transportunternehmen, das in einer kleinen Ecke Europas tätig ist.“ Die Erstürmung der Zäune rund um den Tunnel sei offenbar organisiert. „Es sind offensichtlich kriminelle Banden oder Schlepper, die diese Angriffe auf die Zäune koordinieren.“

Der britische Premierminister David Cameron nannte die Lage am Rande seines Singapur-Besuches „sehr besorgniserregend“. Es mache aber keinen Sinn, jemandem die Schuld zuzuweisen. Seine Regierung hatte bereits sieben Millionen Pfund für die Verbesserung der Sicherheit in Calais zugesagt.

Der Stau vor dem Frachtterminal am Eingang des Eurotunnels reichte in der Nacht mehrere Kilometer zurück. Einige der Lkw standen dabei auf einer Autobahnbrücke, unter der Hunderte Migranten kampierten. Viele versuchten in die Fahrzeuge hineinzuklettern. Auch Passagierzüge waren deutlich verspätet.

Eine rasche Verbesserung der Lage zeichnete sich nicht ab. Am Mittwoch wurden 25 Migranten in Calais von einem Bus zurückgebracht, nachdem sie in der Nacht vergeblich versucht hatten, in den Tunnel zu gelangen. Ein Polizist setzte sie am Straßenrand ab. Einer von ihnen, ein Eritreer, sagte der Nachrichtenagentur AP, sie würden nicht aufgeben und es am nächsten Tag noch einmal versuchen.

Angesichts der immer dramatischeren Lage in Calais waren dort neue Barrikaden errichtet worden, weil immer mehr Flüchtlinge ankamen. Zusätzlich machte auch ein Streik von Hafenarbeitern mit Protesten auf den Gleisen zum Tunnel die Lage unübersichtlicher. Die Migranten müssen eine viel befahrene Autobahn überqueren, um dann zu den Lkw zu gelangen, die vor der Bahnstation auf die Verladung warten. Sie versuchten, in der Hoffnung auf ein besseres Leben „um jeden Preis“ nach Großbritannien zu gelangen, sagte die Bürgermeisterin von Calais, Natacha Bouchart, dem Radiosender France Info.

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ap

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