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13.08.2014

17:46 Uhr

Krise in der Ostukraine

Konvoi darf doch ins Land – unter Bedingungen

Die Ukraine will den Hilfskonvoi aus Russland eventuell doch über die Grenze lassen. Das Rote Kreuz soll die Lieferung verteilen. Zuvor hatte der Ministerpräsident die Aktion noch als „grenzenlosen Zynismus“ kritisiert.

Kiew will russischen Hilfskonvoi unter gewissen Bedingungen annehmen. dpa

Kiew will russischen Hilfskonvoi unter gewissen Bedingungen annehmen.

KiewDie ukrainische Präsidentschaft will den russischen Hilfskonvoi für die notleidende Bevölkerung im umkämpften Osten des Landes nun doch unter bestimmten Bedingungen annehmen. Voraussetzung sei, dass der Konvoi für Lugansk die Grenze an einem Übergang nahe der Stadt überquere, von ukrainischen Grenzwächtern kontrolliert und die Hilfe in Lugansk vom Roten Kreuz verteilt werde, sagte ein Sprecher des Präsidialamts am Mittwoch.

Moskau hatte am Vortag rund 280 Lastwagen Richtung Ukraine entsandt, doch bestand bislang keine Klarheit, ob und wo der Konvoi über die Grenze gelassen werden würde. Die Kolonne soll 2000 Tonnen Hilfsgüter in die von den Kämpfen erschütterte Konfliktregion transportieren. Darunter sind Medikamente, Lebensmittel und Stromgeneratoren. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz kündigte an, die Fracht zu übernehmen und zu verteilen.

Moskau hatte Vorwürfe, prorussische Separatisten mit Waffen oder Kämpfern zu unterstützen, stets zurückgewiesen. Kremlsprecher Dmitri Peskow bezeichnete Befürchtungen als „absurd“, im russischen Konvoi könnten Waffen versteckt sein.

Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk hatte die Aktion als „grenzenlosen Zynismus“ kritisiert. „Erst schicken sie Panzer und Banditen in die Ukraine, dann Wasser und Salz“, sagte er.

Zugleich kündigte die Regierung in Kiew erstmals breite Unterstützung für die notleidenden Menschen an. An diesem Donnerstag solle ein eigener Transport mit Hilfsgütern auf den Weg gebracht werden, sagte die Ostukraine-Beauftragte Irina Geraschtschenko am Mittwoch. Unterdessen verschärfte sich die Lage im Konfliktgebiet weiter. Nach UN-Informationen stieg die Zahl der Getöteten inzwischen auf fast 2100.

Über den geplanten ukrainischen Transport sagte Jazenjuk, die Regierung stelle zehn Millionen Griwna (etwa 580 000 Euro) für den Kauf notwendiger Waren bereit. Hinzu kämen sechs Millionen Dollar (etwa 4,5 Millionen Euro) von den Vereinten Nationen. Auch die EU hatte bereits 2,5 Millionen Euro zugesagt.

Regierungstruppen und prorussische Separatisten lieferten sich im Krisengebiet Donbass erneut heftige Gefechte. Die Armee griff mehrere Stellungen der Aufständischen in der Region Donezk an, wie die Agentur Interfax meldete. Unter anderem versuchte die Armee, die Städte Gorlowka und Jenakiewo einzukreisen.

Der Stadtrat von Donezk teilte mit, die ganze Nacht seien Explosionen zu hören gewesen. Mindestens fünf Zivilisten seien getötet worden. Damit sei die Zahl der Toten seit Wochenbeginn auf etwa 60 gestiegen, sagte ein Sprecher der Aufständischen.

Andrej Lyssenko vom ukrainischen Sicherheitsrat sagte, dass seit Dienstag 11 Soldaten ums Leben gekommen und 41 verletzt worden seien. Die militante Bewegung Rechter Sektor teilte zudem in Kiew mit, dass zwölf ihrer Anhänger bei Kämpfen im Krisengebiet getötet worden seien.

Kommentare (6)

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Frau Ich Kritisch

13.08.2014, 18:30 Uhr

Bei den Lieferungen aus der Ukraine wäre ich vorsichtig - da vermute ich tatsächlich Soldaten in deren LKWs....

Wer anderen so etwas unterstellt ist selbst dazu in der Lage es zu machen!

Herr Thomas Albers

13.08.2014, 18:42 Uhr

"Wer anderen so etwas unterstellt ist selbst dazu in der Lage es zu machen!"

Das hat auch Kiew nicht ernsthaft geglaubt - aber irgendwie muss man ja begründen, warum man das Rote Kreuz als Treuhänder braucht. Es ist schlicht so, dass man Putin keinen Erfolg gönnen darf, weil das die eigene Position unterminiert.

Kiew möchte verhindern, dass die Hilfsgüter hauptsächlich die Kämpfer unterstützt und von Russland hoheitliche Aufgaben in der Ukraine übernommen werden. Das kann man nur nicht so offen sagen...

Herr Werner Runkel

14.08.2014, 08:22 Uhr

Da muss also erst der "böse Putin" mit Hilfen kommen, damit sich die Junta in Kiew auch an ihre Pflichten erinnert ??? Man merkt mehr und mehr, wer hier der eigentliche "Böse" ist ! Daß der russische "Aggressor" der Verteilung durch das rote Kreuz zustimmt, bezweifele ich nicht - denn die "Aggressoren" haben, ganz im Gegensatz zur Junta in Kiew, wohl schwerlich etwas zu verbergen !

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